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StartseiteInterview"Die Mietpreisdeckelung bei Neuvermietungen ist ein Eigentor"05.11.2013

"Die Mietpreisdeckelung bei Neuvermietungen ist ein Eigentor"

Chef von Maklerverband kritisiert geplante Neuregelung

Mit einer Beschränkung der Miete bei Neuvermietungen ändere sich für Wohnungssuchende nichts, denn der Vermieter werde weiter Besserverdienende bevorzugen, sagt Markus Gruhn, Vorstandsvorsitzender des Rings deutscher Makler in Berlin und Brandenburg. Er lobt dagegen die Pläne, dass künftig der Auftraggeber den Makler bezahlen muss.

Markus Gruhn im Gespräch mit Martin Zagatta

Die Wohnungsnot in den Großstädten wird immer dramatischer (picture alliance / dpa / Franziska Koark)
Die Wohnungsnot in den Großstädten wird immer dramatischer (picture alliance / dpa / Franziska Koark)
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"Geben und Nehmen in der Großen Koalition"

Martin Zagatta: Über die Bemühungen, wieder für bezahlbaren Wohnraum in Ballungsräumen zu sorgen, in nachgefragten Regionen zu sorgen, wollen wir jetzt mit jemandem sprechen, der uns das einschätzen kann, wie sich die offenbar schon vereinbarten Maßnahmen der Koalition in der Praxis auswirken werden. Markus Gruhn ist Vorstandsvorsitzender des Rings deutscher Makler in Berlin und Brandenburg und wahrscheinlich nicht gerade begeistert über das, was Schwarz-Rot jetzt vorhat. Guten Tag, Herr Gruhn.

Markus Gruhn: Schönen guten Tag. Ich grüße Sie!

Zagatta: Ich grüße Sie auch. – Sie sind wahrscheinlich nicht so begeistert. Sind Sie denn überrascht von diesem Koalitionspakt?

Gruhn: Überrascht ist man ja bei der Politik nie. Aber Sie werden vielleicht selbst überrascht sein: Ich habe bereits in einer Presseerklärung am 22. November 2012 mich für das Bestellerprinzip bei Vermietungen im Wohnungsmarkt ausgesprochen. Ich kann Ihnen auch sagen warum, weil das nämlich die seriösen und guten Makler von den weniger guten trennt. Gerade in Städten, die jetzt hart umkämpft sind, wie München oder Stuttgart oder auch Düsseldorf, wo sehr viel Andrang bei Vermietungen herrscht und manchmal Mietinteressenten wirklich nur noch durchgeschleust werden, werden oftmals gar keine richtig wirklich guten Makler eingeschaltet, sondern der Eigentümer nimmt jemand aus dem Bekanntenkreis und sagt, na ja, die Provision nehmen wir auch noch mit. Hier wird dem ein Riegel vorgeschoben, und das befürworte ich natürlich. Deshalb habe ich damit kein Problem.

Zagatta: Machen Sie das jetzt schon? Was Sie als gute Makler bezeichnen, die dann wahrscheinlich bei Ihnen organisiert sind, machen die das jetzt schon, oder ist das neu?

Gruhn: Was meinen Sie jetzt?

Zagatta: Dass der Vermieter dann zahlen muss.

Gruhn: Na ja, es war ja bisher immer Angebot und Nachfrage. Wenn es aber jetzt gesetzlich geregelt ist – in Berlin haben wir eigentlich die Regelung, dass zu 80 Prozent der Vermieter die Provision trägt, weil nicht alle Lagen sind so gefragt wie jetzt der innerstädtische Bereich, wo auch der Mieter bereit ist, überhaupt eine Maklerprovision zu bezahlen, damit er die Wohnung anmietet. Aber gerade in Städten, die natürlich deutlich kleiner sind, wie München oder Düsseldorf, da hat man ja Innenstadt pur und da ist ja der Markt noch umkämpfter, und da wird jetzt diese Neuregelung schon klare Verhältnisse bringen, dass der Mieter weiß, er braucht keine Provision mehr zahlen, wenn ein Makler eingeschaltet wurde. Dieser muss dann bezahlt werden vom Vermieter, und das macht ja auch durchaus Sinn, weil der Makler muss ja auch den richtigen Mieter für den Vermieter finden. Vor allen Dingen: der muss die richtige Bonität haben, weil nichts ist schlimmer für einen Vermieter als ständiger Mieterwechsel und ein Mieter, der nachher die vereinbarte Miete nicht zahlen kann. Das gibt dann erhebliche Rechtsstreitigkeiten und kostet viel Geld und vor allen Dingen viel Zeit, bis man einen Mieter, der nicht bezahlt, rausklagt.

Zagatta: In anderen Ländern wie zum Beispiel Großbritannien wird das ja schon praktiziert. Da schlagen dann die Vermieter aber auch diese Provision oder diese Gebühr gleich auf die Mieten um. Die Mieten sind entsprechend hoch. Wird das jetzt die Folge dann auch sein in Städten wie beispielsweise Berlin, die Sie genau kennen, oder wird das durch diese Mietpreisdeckelung, die die Koalition ja vorhat, dann ohnehin verhindert?

Gruhn: Zur Mietpreisdeckelung komme ich gleich. Aber auch das andere: diese Befürchtung kann ich Ihnen nehmen, weil die Mieten sind ja auch so an den Mietpreisspiegel begrenzt und der Vermieter hat natürlich vorher, wenn er eine Wohnung auf den Markt gibt, immer geschaut – der ist ja nicht Mutter Teresa und ein Samariter -, dass er auch die höchste marktübliche Miete nimmt, ob mit oder ohne Maklerprovision. Also wird er da nichts mehr draufschlagen können. Er hat ja vorher nicht Miete verschenkt. Diese Befürchtung ist nun wirklich absurd. Bei Mieten ist das nicht so wie bei Kaufpreisen, wo er einfach sagen kann, da schlage ich es einfach drauf, sondern er hat sicher vorher geschaut, was ist die Maximalmiete, die ich an diesem Standort bekomme, und die kann er jetzt ja nicht einfach erhöhen, wenn er sie nicht bekommt.

Zagatta: Dann geht das zulasten des Vermieters, diese neue Regelung. Wird die dadurch etwa aufgefangen, dass ein Vermieter dann natürlich Ihre Gebühr, die er für Sie zahlen muss, von der Steuer absetzen kann? Im Endeffekt zahlt dann jetzt der Staat?

Gruhn: Das kann so sein, das ist richtig, dass er es zumindest verrechnen kann mit seinen Mieteinnahmen. Aber es ist ja auch für ihn eine gute Dienstleistung, einen seriösen, guten Makler einzuschalten, damit er halt nicht Gefahr läuft, selber einen Mieter zu finden, der ihm große Probleme und Kummer bereitet. Es ist ein Luxusproblem, er kann es ja auch selber machen, aber ich bin da auch entspannt, weil viele sagen, dann werden keine Makler mehr eingeschaltet. Lassen Sie das mal einen Eigentümer ein paar Mal selber machen und wenn der erst ein-, zweimal auf die Nase gefallen ist, dann wird er sagen, hier habe ich am falschen Ende gespart, hätte ich bloß einen Makler eingeschaltet.

Zagatta: Sie haben gegen diese Regelung gar nichts. Wie ist das mit der Mietpreisdeckelung? Wird die in der Praxis denjenigen, die jetzt bezahlbaren Wohnraum suchen, tatsächlich helfen aus Ihrer Sicht?

Gruhn: Die Mietpreisdeckelung bei Neuvermietungen ist ein Eigentor, weil es schafft ja keine neue Wohnung mehr. Sie müssen es mal so sehen: Wenn Sie jetzt eine Wohnung haben in Berlin oder München oder Köln im Innenstadtbereich, und die wollen 20 Leute haben, dann haben Sie die heute schön modernisiert und dann kriegen Sie vielleicht 13 Euro dafür, und zulässig jetzt aktuell wären da nur acht Euro, und haben vermietet an den Mieter mit der besten Bonität. Jetzt wird es so sein: Sie dürfen nur noch acht Euro nehmen, also der Eigentümer wird nicht mehr modernisieren in die Wohnung. Der wird eine unmodernisierte Wohnung weitervermieten. Aber der Interessent, der vorher da war, ist jetzt auch wieder der neue Interessent, und er wählt den gleichen aus, der vorher 13 Euro bezahlt hat. Der bekommt sie jetzt für acht Euro, freut sich natürlich und wird sich mit Nachbarschaftshilfe und privat die Wohnung schön machen.

Und das Problem ist: die ganzen Handwerksfirmen, die bleiben auf der Strecke. Maler, Fliesenleger, die werden furchtbare Auftragseinbußen haben. Da wird sich die Politik noch wundern! Und die Wohnung kriegt doch nicht der Kleinverdiener, der sie sich jetzt gerade leisten kann, sondern der Eigentümer – und da ist er ja frei in der Lage - nimmt immer denjenigen, der die beste Bonität hat, und das ist in Berlin vielleicht der Zugereiste aus Stuttgart, der beim BND arbeitet, wo er weiß, der ist Beamter, da kommt das Gehalt sicher, da kriege ich meine Miete sicher, und nicht die Familie im Kiez, die eine größere Wohnung braucht, die sich jetzt für acht Euro die Wohnung leisten kann und früher für 13 war es nicht möglich, aber die bekommen trotzdem nicht den Zuschlag. Das ist doch das Problem. Nein! Man braucht schnellere Baugenehmigungen, damit gebaut wird. Man muss höher in die Geschosse rein, damit Familien bezahlbare Wohnungen bekommen.

Zagatta: Herr Gruhn, wenn das so unsinnig ist aus Ihrer Sicht, warum macht die Politik dann so einen Quatsch? Wie erklären Sie sich das?

Gruhn: Na ja, weil es natürlich immer so nett klingt: jetzt haben wir bei Neuvermietungen eine Mietpreisbremse und jetzt dürfen dort nicht mehr marktübliche Mieten genommen werden, sondern die sind jetzt gedeckelt. Ja gut, dann ist er halt gedeckelt, aber die Wohnung bekommt trotzdem der Besserverdienende und nicht derjenige, der sie sich jetzt auch leisten könnte, der nur ein geringes Einkommen hat. Das ist doch das Problem. Es heißt doch nicht, dass jemand, der sich jetzt durch die Mietpreisbremse dann die Wohnung leisten kann, dass er in umkämpften Märkten, wo es viel zu wenige Wohnungen gibt, die Wohnung bekommt. Das ist doch Unsinn! Wenn ich bei einer Wohnung mehr als zehn oder 20 Bewerber habe, dann sucht sich jeder den raus, der die beste Bonität hat, als Eigentümer, wo er weiß, mit dem habe ich keine Probleme. Und wenn jemand unbedingt eine Wohnung haben will und er ist sehr vermögend, dann sagt er zum Eigentümer, passen Sie auf, ich zahle Ihnen immer die Miete ein Jahr im Voraus, damit Sie Ihre Ruhe haben. Da kann doch ein anderer, der die Wohnung gerne hätte, ein Kleinverdiener, gar nicht mithalten.

Deshalb ist das doch hier ein Kuckucksei. Bei Bestandsmietern, dass sie da Begrenzungen machen, alles sinnvoll, alles vernünftig, damit für die Menschen die Mieten bezahlbar bleiben. Aber bei Neuvermietungen hilft nur eins: Sie müssen mehr bauen, damit ein größeres Volumen an Wohnungen, die leerstehen, zur Verfügung steht. Dann fallen auch die Mietpreise. Besser gesagt: Fallen tun sie auch durch die Deckelung, aber dann haben auch andere eine Chance, eine Wohnung zu bekommen, wenn genug Wohnungen am Markt vorhanden sind.

Zagatta: Botschaft angekommen – danke schön!

Gruhn: Gerne! Vielen Dank!

Zagatta: Markus Gruhn, Vorstandsvorsitzender des Rings deutscher Makler in Berlin und Brandenburg. Ich bedanke mich für das Gespräch.


Äußerungen unserer Gesprächspartner geben deren eigene Auffassungen wieder. Deutschlandradio macht sich Äußerungen seiner Gesprächspartner in Interviews und Diskussionen nicht zu eigen.

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