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StartseiteForschung aktuellDie Milch macht's29.04.2010

Die Milch macht's

Forscherin findet Wirkstoff gegen Krebs in der Muttermilch

Medizin. - Ein Wundermittel gegen Krebs zu entdecken – davon träumen viele Wissenschaftler. Doch die mit großem Aufwand gesuchten, inzwischen geradezu maßgeschneidert konstruierten Wirkstoffe haben nur begrenzte Einsatzbereiche. Anders ist das offenbar bei einem Wirkstoff aus der Muttermilch, den eine schwedische Wissenschaftlerin durch Zufall dort entdeckte.

Von Kristin Raabe

Die Muttermilch macht Tumorzellen den Garaus. (Universität Münster)
Die Muttermilch macht Tumorzellen den Garaus. (Universität Münster)

Muttermilch ist für den Säugling nicht nur ein Nahrungsmittel, das ihn wachsen und gedeihen lässt. Sie schützt das Baby auch vor Infektionskrankheiten. Und das liegt wahrscheinlich daran, dass Muttermilch Bakterien abtötet. Wie das genau funktioniert wollte Catharina Svanborg von der Universität von Lund herausfinden, als sie durch Zufall eine viel interessantere Entdeckung machte:

"Wir haben nach antibakteriellen Komponenten in der Muttermilch gesucht. Sie ist wirklich eine sehr gute Quelle für neue Moleküle. Dann haben wir bei diesem Experiment Tumorzellen eingesetzt, weil wir wissen wollten, wie die Bakterien mit den Tumorzellen interagieren. Eine der Substanzen aus der Muttermilch tötete dann aber nicht nur die Bakterien sonder auch die Tumorzellen."

Einige Studien haben gezeigt, dass Kinder die gestillt wurden seltener an Krebs erkranken als Altersgenossen, die mit der Flasche groß gezogen wurden. Es ergibt also durchaus Sinn, dass Muttermilch eine Substanz enthält, die Krebszellen tötet. Ihre Entdeckung nannte Catharina Svanborg "Hamlet". "Hamlet" erwies sich in Laborexperimenten als extrem wirksam gegenüber so ziemlich jeder Krebszellenart, die die schwedischen Wissenschaftler testeten – und das waren immerhin über 40 verschiedene. Normale andere Zellen werden dagegen von "Hamlet" nicht abgetötet. Svanborg:

"Es gibt da eine Verbindung zwischen den speziellen Eigenschaften einer Krebszelle und ihrer Anfälligkeit gegenüber 'Hamlet'. Wir haben uns also diese Eigenschaften von Krebszellen genau angeschaut. Dabei fiel uns auf, dass diese Zellen viel stärker an 'Hamlet' binden und auch viel größere Mengen von 'Hamlet' aufnehmen. Es zielt auf eine ganze Reihe von speziellen Eigenschaften von Krebszellen ab. Deswegen sind wahrscheinlich so viele verschiedene Arten von Krebszellen anfällig für seine Wirkung."

In Tierexperimenten konnte "Hamlet" sogar Hirntumore eindämmen. Nebenwirkungen haben sich bis jetzt nicht gezeigt. Das will Catharina Svanborg allerdings noch genauer untersuchen. Und auch am Menschen hat sie die Wirksamkeit von "Hamlet" schon getestet.

"In den klinischen Studien haben wir zunächst den Papilloma-Hautkrebs untersucht. Er wird genau wie Eierstockkrebs durch das Humane Papilloma-Virus verursacht. Dabei konnten wir mit 'Hamlet' starke therapeutische Effekte erzielen. Dann haben wir Studien mit Patienten, die Blasenkrebs hatten, gemacht. Wir haben ihnen 'Hamlet' in die Blase injiziert. Daraufhin konnten wir dann viele tote Tumorzellen nachweisen – und das schon nach einer Woche."

Catharina Svanborg will mit größeren klinischen Studien beginnen sobald sie Geldgeber dafür gefunden hat. Eine wichtige Voraussetzung dafür hat sie bereits erfüllt: "Hamlet" muss nun nicht mehr aus der Muttermilch extrahiert werden. Es kann in größeren Mengen künstlich im Labor hergestellt werden.

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