Freitag, 12. August 2022

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Die Nase als Frühwarnsystem
Körpergeruch gibt Hinweise auf ansteckende Krankheiten

Wenn jemand eine Erkältung hat, dann ist das oft deutlich sichtbar, etwa durch eine Rötung im Gesicht. Aber Infektionen äußern sich offenbar auch ganz anders, sie verändern nämlich auch den Körpergeruch, wie Forscher herausfanden.

Von Magdalena Schmude | 09.12.2016

    Medikamente und ein Fiberthermometer liegen auf einem Nachttisch.
    Der Körpergeruch verrät kommende Erkältungen wohl frühzeitig (dpa/picture alliance /Maurizio Gambarini)
    "Es sollte für den Menschen wichtig sein, erkennen zu können, ob jemand krank ist, denn ein Virus schwächt den Körper enorm. Und es wäre noch ökonomischer, wenn man das erkennen könnte, wenn das Gegenüber gerade erst krank wird. Dann wäre es einfacher, sich nicht anzustecken."
    Mats Olsson weiß, wovon er spricht. Die letzten Tage hat er mit einem grippalen Infekt zu Hause auf dem Sofa verbracht. Wenn er gesund ist, beschäftigt sich der Neuropsychologe am Karolinska-Insitut in Stockholm damit, wie Menschen Gerüche verarbeiteten und welchen Nutzen der Geruchssinn hat.
    "Für mich ist der Geruchssinn ein Instrument, das Anziehung und Abstoßung vermittelt. Aber es wirkt nicht über bewusste Wahrnehmung. Gerüche erzeugen eher ein Gefühl, dass wir etwas mögen oder eben nicht."
    Durch die unbewusste Verarbeitung reagieren wir auf Gerüche direkter und schneller als auf Dinge, die wir sehen oder hören. Mats Olsson und sein Team wollten wissen, ob der Geruchssinn den anderen Sinnen auch beim Erkennen von Krankheiten voraus ist. Dazu injizierten sie in einer kleinen Studie acht Probanden ein ungefährliches bakterielles Molekül, auf das deren Immunsystem aber reagierte, als müsste es eine echte Infektion bekämpfen. Die Körpertemperatur der Probanden stieg leicht an und in ihrem Blut fanden sich entsprechende Botenstoffe. Während dieser Phase sammelten die Forscher mit großen Wattepads den Achselschweiß der Kurzzeit-Infizierten und ließen anschließend vierzig gesunde Probanden daran riechen.
    "Man tut die Wattepads in Schraubgläser und hält sie ihnen unter die Nase. Dann sollen sie bewerten, wie intensiv der Geruch ist und ob er angenehm oder ekelig und abstoßend wirkt. Denn Ekel ist ein Gefühl, von dem wir denken, dass es entstanden ist, um uns gesund zu halten. Dinge die krank machen, lösen gleichzeitig Ekel aus."
    Hörtipp: Duft. Ermittlung im Unbewussten - am 11. Dezember - 16:30 Uhr (00:45)
    Auf einer Skala von -7 für "sehr abstoßend" bis + 7 für "sehr angenehm" bewerteten die gesunden Studienteilnehmer den Schweiß der Probanden im Durchschnitt als unangenehmer als den einer gesunden Kontrollgruppe. Je stärker die Immunreaktion war, die die Forscher anhand der Botenstoffe im Blut nachgewiesen hatten, desto abstoßender wurde der Körpergeruch der jeweiligen Person empfunden. Mats Olsson vermutet deshalb, dass im Schweiß ein chemisches Signal steckt, mit dem wir uns gegenseitig vor Krankheiten warnen.
    "Wir haben in mehreren Studien beobachtet, dass Infektionen einen abstoßenden Geruch von Schweiß und Urin auslösen und es wäre großartig, die entsprechenden Moleküle zu finden, die diesen veränderten Geruch verursachen."
    Wenn das gelänge, könnte man zum Beispiel einen Detektor entwickeln, der Infektionskrankheiten schon in einer frühen Phase nachweisen kann. Doch die entsprechenden Moleküle zu finden, ist nicht einfach.
    "Körpergeruch ist ziemlich kompliziert, weil er flüchtig ist und zwischen 100 und 1000 verschiedener Bestandteile enthält. Man weiß nie, welcher Bestandteil den Effekt auslöst, den man beobachtet. Und wenn man ein Experiment wiederholt, könnte es sein, dass der Körpergeruch der selben Person sich verändert hat. Durch die Tageszeit oder die Ernährung. Trotzdem wollen wir gerne verstehen, ob es spezifische Bestandteile gibt, die Entzündungen anzeigen."
    Als Nächstes wollen die Forscher untersuchen, ob der Geruch von Krankheit messbare körperliche Effekte auslöst, physische Zeichen von Stress etwa oder ein bestimmtes Muster von Muskelbewegungen im Gesicht, das auch für Ekel charakteristisch ist. Zusammen könnten diese Reaktionen eine Art Immunantwort auf Verhaltensebene sein, die dafür sorgt, dass wir die Quelle des Geruchs meiden, und uns damit vor ansteckenden Krankheiten schützt.