Dirk-Oliver Heckmann: Es ist noch gar nicht lange her, da stand das Engagement von T-Mobile im Profiradsport bereits auf der Kippe. Ein Radprofi nach dem anderen gab zu, in der Vergangenheit gedopt zu haben, darunter eine ganze Reihe von Fahrern des T-Mobile-Teams. Trotzdem entschied man sich weiter zu machen und den Kampf gegen das Doping fortzusetzen. Jetzt aber die jüngsten Enthüllungen des Doping-Sünders Patrik Sinkewitz, wonach noch bis zum Jahr 2006 im T-Mobile-Team systematisch manipuliert worden sei. Sie haben das Fass zum überlaufen gebracht. Die Deutsche Telekom stieg gestern mit sofortiger Wirkung als Sponsor aus dem Radsport aus. Am Telefon begrüße ich Peter Danckert, den Vorsitzenden des Bundestagssportausschusses, SPD. Guten Morgen, Herr Danckert.
Peter Danckert: Guten Morgen, Herr Heckmann.
Heckmann: Der Ausstieg von T-Mobile - ein richtiger Schritt?
Danckert: Ich glaube, der war richtig, der war zu erwarten. Und ich denke, die Radprofis werden sich noch wundern. Da werden noch einige andere mitziehen. Ich glaube, das ist die richtige Konsequenz. Wenn ein so großer Konzern, der ja auch viel für den Radsport getan hat, konstatieren muss, dass der Imageschaden größer ist als der Gewinn durch solche Beteiligungen am Profiradsport, dann ist es die richtige Konsequenz, wenn da ausgestiegen wird.
Heckmann: Bisher hatte die Telekom ja argumentiert, sie würde weitermachen, um den Kampf auch gegen das Doping fortzusetzen, und ein Ausstieg würde alle Ansätze des Dopingkampfes kaputt machen. War also die Fortsetzung des Engagements ein Fehler?
Danckert: Also ich glaube, Telekom hat wirklich eine ganze Menge gemacht. Wenn man sich das im Detail ansieht, welche zusätzlichen Kontrollen da von Telekom veranlasst worden sind, dann ist das sicherlich hoch anzurechnen. Aber man muss natürlich auch sehen, dass die Vielzahl der Fälle, die dauernden negativen Schlagzeilen aus dem Telekom-Umfeld, also des Rennstalls - das ist ja nicht Telekom selber, das wird ja nicht so richtig differenziert - dann kommt irgendwann der Punkt, wo der Konzern sagen muss, das können wir gar nicht weiter vertreten.
Aber was ich gut finde, was ich positiv bewerten möchte ist, dass Telekom im Kampf gegen Doping weitermacht. Da habe ich auch Informationen. Also das ist nicht eine Trennung vom Sport und zugleich auch eine Trennung vom Kampf gegen Doping, sondern da wird weitergemacht. Man will nur nicht beides machen, weil das könnte eventuell dem Konzern eher schaden.
Heckmann: Erst Gerolsteiner, dann Wiesenhof, jetzt T-Mobile und auch Adidas - Sie sehen da eine Signalwirkung auch auf andere Sponsoren, mit welchen Folgen für den Radsport?
Danckert: Ich glaube, das geht weit über den Radsport hinaus. Der Radsport kann zwar vielleicht kurzfristig das substituieren, aber in Deutschland wird das ja dann nicht mehr von deutschen Marken, von deutschen Sponsoren mitgetragen, mit einer Ausnahme im Moment noch, sodass ich mir vorstellen kann, dass der Profiradsport in Deutschland einen schweren Einbruch erleidet. Aber es geht über den Radsport deutlich hinaus, das will ich sagen. Also niemand soll glauben, dass die Sponsoren sich sozusagen nur auf den Radsport konzentrieren und da aussteigen. Ich glaube, dass viele andere Sportarten jetzt auch damit rechnen müssen. Und ich füge hinzu, wenn wir den Eindruck als Bundestag, als Sportausschuss, als Haushaltsausschuss gewinnen sollten, dass es nicht sicher gestellt ist, dass wir einen doping- und manipulationsfreien Spitzensport haben, dann könnte ich mir auch vorstellen, dass das Parlament sich überlegen muss, wie das weitergeht.
Heckmann: Wir kommen auf die Politik gleich noch mal zu sprechen. Ich möchte trotzdem noch mal bei den Sponsoren bleiben. Sehen Sie die Gefahr, dass jetzt Sponsoren einspringen, die nur noch nach außen hin den Kampf gegen das Doping auf ihre Fahnen geschrieben haben?
Danckert: Also ich glaube, das kann sich kein wirklicher Sponsor leisten. Einer, der zahlungskräftig ist, das heißt aus einem großen Konzern kommt, der muss genau bewerten, was sind die Vorteile - und das ist ja zum Teil auch messbar, wenn man die Kontakte sieht, die über das Firmenlogo kommen - und wie hoch ist der Imageschaden. Und das ist bei allen gleich. Da sind Fachleute in den Konzernen, und die bemerken einfach, dass die negativen Aspekte überwiegen. Es ist ja, wie gesagt, Sie haben es ja ausgeführt, nicht nur Telekom, es ist auch Adidas, und das ist ja auch ein professioneller Konzern, der sich das genau ansieht. Sponsoring darf man nicht verwechseln mit Mäzenatentum. Von da aus wird das von vielen im Konzern beobachtet und bewertet. Und dann ist der Ausstieg wahrscheinlich häufig die einzige Konsequenz.
Heckmann: Sind die jüngsten Entwicklungen für Sie, Herr Danckert, ein Zeichen dafür, dass sich der Profiradsport aus dem Sumpf befreit, da diese Informationen ja eben an die Öffentlichkeit kommen, oder dass es ihm nicht gelingt herauszukommen aus diesem Sumpf - mit anderen Worten, wie lange wollen Sie noch auf die Selbstreinigungskräfte des Sports setzen?
Danckert: Also ich glaube, dass ich durch ein, zwei Ereignisse, die ich auch mal benennen will, in diesem Jahr sich da ein neuer Aspekt ergeben hat. Sie werden sich daran erinnern, dass während der Tour de France ARD und ZDF ausgestiegen sind. Das war ein erstes Warnsignal für alle, die glaubte, das könnte man damit abtun, dass das nur Einzelfälle sind. Der Ausstieg jetzt von einem der größten Sponsoren in dem Bereich ist sozusagen das zweite Signal. Und damit verlieren viele, wenn das vielleicht auch im Moment noch irgendwo ersetzt werden kann, jedenfalls wird der Eindruck erweckt, vielleicht auch durch die Abfindung, die möglicherweise gezahlt ist, dass da andere einspringen. Der Radsport ist sozusagen gefährdet, der Sport insgesamt in einer kritischen Situation. Und wenn die wirtschaftliche Existenz für die Profis, aus welchem Bereich sie auch immer kommen, denn viele leben ja davon, wegfällt, dann kann ich mir vorstellen, ist der Weg zu einer Umkehr nicht mehr weit. Das ist jedenfalls meine Hoffnung an der Stelle.
Heckmann: Und Sie sehen nach wie vor, Herr Danckert, keine Notwendigkeit für ein wirklich scharfes Anti-Doping-Gesetz.
Danckert: Das will ich nicht sagen. Ich habe immer gesagt, dass wir Ende letzten Jahres und Anfang diesen Jahres einen politischen Kompromiss gefunden haben, mit dem ich gut leben kann, weil der ist immer noch besser, als wenn wir gar nichts zu Stande gebracht hätten.
Heckmann: Der aber vielen nicht weit genug geht.
Danckert: Ich weiß, dass er vielen nicht weit genug geht, und ich gehöre ja auch zu denen, die sich mehr gewünscht hätten oder mehr gewollt haben an dieser Stelle. Aber man muss eben auch konstatieren, die Lage war in der Koalition so wie sie war. Ich mache da niemandem einen Vorwurf. Es sind unterschiedliche Perspektiven gewesen. Aber ich kann mir vorstellen, dass die Vielzahl der Ereignisse im Verlaufe dieses Jahres, nachdem wir das Gesetz beschlossen haben, es ist ja jetzt erst vor wenigen Wochen in Kraft getreten, doch einige nachdenklicher macht. Und ich kann mir auch vorstellen, dass man darüber dann noch mal nachdenkt und vielleicht auch zu einer weiteren Verschärfung kommt.
Heckmann: Sie würden dafür plädieren?
Danckert: Also ich denke, dass muss man jetzt wirklich mal abwarten. Ich möchte meinem Koalitionspartner da nicht jetzt in den Rücken fallen mit so einer Forderung. Der weiß, dass wir uns da mehr vorgestellt haben. Jetzt soll man das mal laufen lassen. Wir haben eine Zuständigkeit des Bundeskriminalamts. Die hat sich schon in einigen Fällen, wie wir das in Freiburg an der Uniklinik sehen, positiv ausgewirkt. Das sind Vernehmungen, die tragen die Informationen zusammen, und ich glaube, dass soll man nicht unterschätzen.
Heckmann: Zum Ausstieg von T-Mobile aus dem Profiradsport und den möglichen Konsequenzen war das Peter Danckert, der Vorsitzende des Bundestagssportausschusses von der SPD.
Peter Danckert: Guten Morgen, Herr Heckmann.
Heckmann: Der Ausstieg von T-Mobile - ein richtiger Schritt?
Danckert: Ich glaube, der war richtig, der war zu erwarten. Und ich denke, die Radprofis werden sich noch wundern. Da werden noch einige andere mitziehen. Ich glaube, das ist die richtige Konsequenz. Wenn ein so großer Konzern, der ja auch viel für den Radsport getan hat, konstatieren muss, dass der Imageschaden größer ist als der Gewinn durch solche Beteiligungen am Profiradsport, dann ist es die richtige Konsequenz, wenn da ausgestiegen wird.
Heckmann: Bisher hatte die Telekom ja argumentiert, sie würde weitermachen, um den Kampf auch gegen das Doping fortzusetzen, und ein Ausstieg würde alle Ansätze des Dopingkampfes kaputt machen. War also die Fortsetzung des Engagements ein Fehler?
Danckert: Also ich glaube, Telekom hat wirklich eine ganze Menge gemacht. Wenn man sich das im Detail ansieht, welche zusätzlichen Kontrollen da von Telekom veranlasst worden sind, dann ist das sicherlich hoch anzurechnen. Aber man muss natürlich auch sehen, dass die Vielzahl der Fälle, die dauernden negativen Schlagzeilen aus dem Telekom-Umfeld, also des Rennstalls - das ist ja nicht Telekom selber, das wird ja nicht so richtig differenziert - dann kommt irgendwann der Punkt, wo der Konzern sagen muss, das können wir gar nicht weiter vertreten.
Aber was ich gut finde, was ich positiv bewerten möchte ist, dass Telekom im Kampf gegen Doping weitermacht. Da habe ich auch Informationen. Also das ist nicht eine Trennung vom Sport und zugleich auch eine Trennung vom Kampf gegen Doping, sondern da wird weitergemacht. Man will nur nicht beides machen, weil das könnte eventuell dem Konzern eher schaden.
Heckmann: Erst Gerolsteiner, dann Wiesenhof, jetzt T-Mobile und auch Adidas - Sie sehen da eine Signalwirkung auch auf andere Sponsoren, mit welchen Folgen für den Radsport?
Danckert: Ich glaube, das geht weit über den Radsport hinaus. Der Radsport kann zwar vielleicht kurzfristig das substituieren, aber in Deutschland wird das ja dann nicht mehr von deutschen Marken, von deutschen Sponsoren mitgetragen, mit einer Ausnahme im Moment noch, sodass ich mir vorstellen kann, dass der Profiradsport in Deutschland einen schweren Einbruch erleidet. Aber es geht über den Radsport deutlich hinaus, das will ich sagen. Also niemand soll glauben, dass die Sponsoren sich sozusagen nur auf den Radsport konzentrieren und da aussteigen. Ich glaube, dass viele andere Sportarten jetzt auch damit rechnen müssen. Und ich füge hinzu, wenn wir den Eindruck als Bundestag, als Sportausschuss, als Haushaltsausschuss gewinnen sollten, dass es nicht sicher gestellt ist, dass wir einen doping- und manipulationsfreien Spitzensport haben, dann könnte ich mir auch vorstellen, dass das Parlament sich überlegen muss, wie das weitergeht.
Heckmann: Wir kommen auf die Politik gleich noch mal zu sprechen. Ich möchte trotzdem noch mal bei den Sponsoren bleiben. Sehen Sie die Gefahr, dass jetzt Sponsoren einspringen, die nur noch nach außen hin den Kampf gegen das Doping auf ihre Fahnen geschrieben haben?
Danckert: Also ich glaube, das kann sich kein wirklicher Sponsor leisten. Einer, der zahlungskräftig ist, das heißt aus einem großen Konzern kommt, der muss genau bewerten, was sind die Vorteile - und das ist ja zum Teil auch messbar, wenn man die Kontakte sieht, die über das Firmenlogo kommen - und wie hoch ist der Imageschaden. Und das ist bei allen gleich. Da sind Fachleute in den Konzernen, und die bemerken einfach, dass die negativen Aspekte überwiegen. Es ist ja, wie gesagt, Sie haben es ja ausgeführt, nicht nur Telekom, es ist auch Adidas, und das ist ja auch ein professioneller Konzern, der sich das genau ansieht. Sponsoring darf man nicht verwechseln mit Mäzenatentum. Von da aus wird das von vielen im Konzern beobachtet und bewertet. Und dann ist der Ausstieg wahrscheinlich häufig die einzige Konsequenz.
Heckmann: Sind die jüngsten Entwicklungen für Sie, Herr Danckert, ein Zeichen dafür, dass sich der Profiradsport aus dem Sumpf befreit, da diese Informationen ja eben an die Öffentlichkeit kommen, oder dass es ihm nicht gelingt herauszukommen aus diesem Sumpf - mit anderen Worten, wie lange wollen Sie noch auf die Selbstreinigungskräfte des Sports setzen?
Danckert: Also ich glaube, dass ich durch ein, zwei Ereignisse, die ich auch mal benennen will, in diesem Jahr sich da ein neuer Aspekt ergeben hat. Sie werden sich daran erinnern, dass während der Tour de France ARD und ZDF ausgestiegen sind. Das war ein erstes Warnsignal für alle, die glaubte, das könnte man damit abtun, dass das nur Einzelfälle sind. Der Ausstieg jetzt von einem der größten Sponsoren in dem Bereich ist sozusagen das zweite Signal. Und damit verlieren viele, wenn das vielleicht auch im Moment noch irgendwo ersetzt werden kann, jedenfalls wird der Eindruck erweckt, vielleicht auch durch die Abfindung, die möglicherweise gezahlt ist, dass da andere einspringen. Der Radsport ist sozusagen gefährdet, der Sport insgesamt in einer kritischen Situation. Und wenn die wirtschaftliche Existenz für die Profis, aus welchem Bereich sie auch immer kommen, denn viele leben ja davon, wegfällt, dann kann ich mir vorstellen, ist der Weg zu einer Umkehr nicht mehr weit. Das ist jedenfalls meine Hoffnung an der Stelle.
Heckmann: Und Sie sehen nach wie vor, Herr Danckert, keine Notwendigkeit für ein wirklich scharfes Anti-Doping-Gesetz.
Danckert: Das will ich nicht sagen. Ich habe immer gesagt, dass wir Ende letzten Jahres und Anfang diesen Jahres einen politischen Kompromiss gefunden haben, mit dem ich gut leben kann, weil der ist immer noch besser, als wenn wir gar nichts zu Stande gebracht hätten.
Heckmann: Der aber vielen nicht weit genug geht.
Danckert: Ich weiß, dass er vielen nicht weit genug geht, und ich gehöre ja auch zu denen, die sich mehr gewünscht hätten oder mehr gewollt haben an dieser Stelle. Aber man muss eben auch konstatieren, die Lage war in der Koalition so wie sie war. Ich mache da niemandem einen Vorwurf. Es sind unterschiedliche Perspektiven gewesen. Aber ich kann mir vorstellen, dass die Vielzahl der Ereignisse im Verlaufe dieses Jahres, nachdem wir das Gesetz beschlossen haben, es ist ja jetzt erst vor wenigen Wochen in Kraft getreten, doch einige nachdenklicher macht. Und ich kann mir auch vorstellen, dass man darüber dann noch mal nachdenkt und vielleicht auch zu einer weiteren Verschärfung kommt.
Heckmann: Sie würden dafür plädieren?
Danckert: Also ich denke, dass muss man jetzt wirklich mal abwarten. Ich möchte meinem Koalitionspartner da nicht jetzt in den Rücken fallen mit so einer Forderung. Der weiß, dass wir uns da mehr vorgestellt haben. Jetzt soll man das mal laufen lassen. Wir haben eine Zuständigkeit des Bundeskriminalamts. Die hat sich schon in einigen Fällen, wie wir das in Freiburg an der Uniklinik sehen, positiv ausgewirkt. Das sind Vernehmungen, die tragen die Informationen zusammen, und ich glaube, dass soll man nicht unterschätzen.
Heckmann: Zum Ausstieg von T-Mobile aus dem Profiradsport und den möglichen Konsequenzen war das Peter Danckert, der Vorsitzende des Bundestagssportausschusses von der SPD.

