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StartseiteKalenderblattDie Schlacht bei Kunersdorf12.08.2009

Die Schlacht bei Kunersdorf

Vor 250 Jahren erlitt Friedrich der Große die schwerste Niederlage im Siebenjährigen Krieg

Friedrich der Große war keineswegs der überragende Feldherr, für den er im Allgemeinen gehalten wird. Am 12. August 1759 lieferte der König in Preußen einen Beweis dafür: Bei Kunersdorf, östlich von Frankfurt/Oder gelegen, heute zu Polen gehörend und den Namen Kunowice tragend, wurde er von Österreich und Russland vernichtend geschlagen.

Von Klaus Kühnel

"Es ist ein grausamer Fehlschlag, den ich nicht überleben werde; die Folgen der Schlacht werden schlimmer sein als die Schlacht selbst. Ich habe keine Ressourcen mehr und glaube, offen gestanden, dass alles verloren ist. Ich will nach dem Untergang meines Vaterlandes auf keinen Fall weiterleben. Adieu auf ewig!"

Mit rascher Hand hingeworfene Zeilen eines Verzweifelten, der sonst für Überlegenheit, Spott und Ironie bekannt ist: Friedrich II., König in Preußen, damals noch nicht "der Große" genannt und auch noch kein König von Preußen – aber auf dem Weg dahin. Nur, der Monarch weiß es noch nicht, während er seinem Außenminister und vertrauten Freund Karl Wilhelm Graf Finck von Finckenstein nach Berlin berichtet, was ihm an jenem 12. August 1759 in Kunersdorf, östlich von Frankfurt/Oder, im heutigen Kunowice in Polen, widerfahren ist:

" ...von 48. 000 Mann habe ich nur noch 3.000. In dem Augenblick, in dem ich schreibe, flieht alles, und ich bin nicht mehr Herr über meine Leute. Man wird gut tun, in Berlin an seine Sicherheit zu denken."

Drei Jahre dauerte dieser verheerende Krieg Preußens gegen Österreich und Russland schon, vier weitere Jahre sollten nach Friedrichs vernichtender Niederlage bei Kunersdorf noch folgen, bis Preußen im sächsischen Jagdschloss Hubertusburg seine Gegner zum Frieden bewegen konnte. Vordergründig ging es um Schlesien, das der Preuße bereits 1740 aus österreichischem Besitz gerissen und 1745 in einem zweiten Krieg militärisch gesichert hatte. In Wirklichkeit jedoch stritten die beiden Großmächte der damaligen Zeit – England und Frankreich – um die Herrschaft in Europa und der Welt. Zunächst hatten sie ihren Machtkampf in Amerika ausgefochten, verlegten ihn aber immer mehr nach Europa, das sie sozusagen in zwei Lager spalteten, wie Gerd Heinrich in seiner "Geschichte Preußens" darlegt:

"Russland, Schweden, Frankreich und die Mehrzahl der deutschen Reichsstände schlossen sich Österreich an. Lediglich Hannover, Braunschweig, Hessen-Kassel und Sachsen-Gotha blieben auf der Seite Preußens und Englands."

So gesehen war der dritte, der Siebenjährige Krieg um Schlesien, ein Krieg von europäischem Ausmaß: die erste globale Auseinandersetzung auf militärischem Gebiet. Ein "kleiner Weltkrieg" und jede seiner Schlachten sollte die Entscheidung bringen, welche Großmacht das Sagen hatte. Friedrich, 47 Jahre alt, unter Asthma, Wassersucht und Magen-Darm-Koliken leidend, von Hämorrhoiden gequält und durch Gicht in seiner Bewegungsfreiheit eingeschränkt, frühzeitig also ein körperliches Wrack, setzte im Sommer 1759 alles auf eine Karte. Er wollte endlich die Truppen der Koalition in die Knie zwingen, aber die Russen schlugen im Juli bei Kay in der Neumark seine Armee unter Generalleutnant von Wedell. Am 12. August stellte Friedrich die Österreicher bei Kunersdorf. Was eine Wiedergutmachung von Kay werden sollte und ein preußischer Triumph, wurde zur Katastrophe:

"Heute Morgen um 11 Uhr habe ich den Feind angegriffen. Wir haben ihn bis an den Judenfriedhof bei Frankfurt getrieben. Alle meine Truppen haben Wunder vollbracht, aber dieser Friedhof hat uns ungeheure Verluste gebracht. Unsere Leute gerieten in Verwirrung; ich habe sie dreimal wieder gesammelt, am Ende wäre ich beinahe selbst in Gefangenschaft geraten und musste das Schlachtfeld räumen. Mein Rock ist von Schüssen durchlöchert, zwei Pferde sind mir unter dem Leib gefallen. Mein Unglück ist, dass ich noch lebe."

Mehr als 120.000 Menschen waren an der bis zur Dämmerung andauernden Schlacht bei Kunersdorf beteiligt. Über 36.000 verloren hüben und drüben ihr Leben oder wurden verwundet. Auch die Sieger waren zu erschöpft, um die Gunst ihrer Stunde zu nutzen. Sie marschierten nicht auf das schutzlos gewordene Berlin, sondern rasteten. Das war ein entscheidender Fehler der gegen Preußen koalierten Gegner. Tage später schrieb der wieder zu Mut und Verwegenheit gekommene König seinem Bruder Heinrich:

"Ich verkündige Ihnen das Mirakel des Hauses Brandenburg: In der Zeit, da der Feind die Oder überschritten hatte und eine zweite Schlacht hätte wagen und den Krieg beenden können, ist er nur vom Schlachtfeld gewichen."

Diese Fehlentscheidung des feindlichen Generalstabs gab Friedrich Oberwasser. Mit viel Glück und ohne Rücksicht auf Verluste unter seinen Soldaten führte er den sieben Jahre währenden Dritten Schlesischen Krieg zu einem für ihn günstigen Ende. Er behielt Schlesien endgültig - Preußen war zur europäischen Großmacht geworden.

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