Friedensbewegung
Die Tradition der Ostermärsche - erleben die Protestaktionen ein Comeback?

Die Ostermärsche der deutschen Friedensbewegung haben eine mehr als 60-jährige Tradition. Angesichts der Kriege im Nahen Osten und in der Ukraine sowie der geplanten Ausweitung des Wehrdienstes gehen an diesem Wochenende viele Aktivisten auf die Straße. Welchen Stellenwert haben die Ostermärsche heute?

    Duisburg: Ein Luftballon mit einer Friedenstaube fliegt während des Ostermarsches Rhein-Ruhr im Wind.
    Ostermarsch in Duisburg (Marius Becker/dpa)
    Inspiriert wurden die ersten Aktionen von britischen Friedensaktivisten, die an Ostern 1958 einen Protestmarsch zum Atomwaffen-Forschungszentrum Aldermaston, rund 80 Kilometer westlich von London, organisierten. Im April 1960 demonstrierten dann am Truppenübungsplatz im niedersächsischen Bergen-Hohne bei Celle mehr als tausend Pazifisten gegen Atomwaffen – der erste Ostermarsch für Frieden und Abrüstung in Deutschland.
    Die Bewegung wuchs recht schnell: 1961 waren es bundesweit vier und 1964 bereits 20 Ostermärsche. Nach einer längeren Pause in den 1970er Jahren erhielt die Ostermarschbewegung zu Beginn der 1980er Jahre mit den Protesten gegen die Stationierung atomarer Mittelstreckenwaffen neuen Auftrieb. Hunderttausende nahmen teil. Danach wurden die Ostermärsche kleiner, erlebten aber während der Kriege im ehemaligen Jugoslawien und am Persischen Golf zwischenzeitlich stärkeren Zulauf und sind bis heute identitätsstiftend für die Friedensbewegung.
    Thematischer Ausgangspunkt der ersten Ostermarschierer war die Forderung nach einer Welt ohne Atomwaffen. Hauptthemen sind nach wie vor Kriege, Waffenexporte, Auslandseinsätze der Bundeswehr und die Risiken der Atomkraft. Es wurden aber auch neue Themen aufgegriffen, zuletzt etwa die Klimaschutzbewegung. Die Veranstaltungen in diesem Jahr stehen im Zeichen der andauernden Kriege in Nahost in der Ukraine.

    Welchen Stellenwert haben Ostermärsche heutzutage?

    Die Friedensbewegung fordert von der Bundesregierung diplomatische Initiativen zur Beendigung der Kriege. Die Ostermärsche richten sich zudem gegen Aufrüstung in Deutschland und gegen eine Rückkehr zur Wehrpflicht. Erste Aktionen fanden bereits am Donnerstag und Freitag statt, ein weiterer Höhepunkt wird am Ostermontag erwartet. Dann sind unter anderem Ostermärsche in Frankfurt am Main, Hamburg und Dresden geplant. 
    Der Politikwissenschaftler Hajo Funke sagte dem Sender RBB, angesichts der Krisen und Konflikte kenne er keine Lage, die so dramatisch sei seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs, wie die heutige. Es gebe großartige Kenner innerhalb der Ostermarsch-Bewegung, die den Iran-Krieg als völkerrechtswidrig bezeichneten. Es würde ihn nicht wundern, wenn die Ostermarsch-Bewegung genau das aufgreife in den nächsten Tagen.

    Erleben die Ostermärsche ein Comeback?

    Das Thema Wehrpflicht könnte der Bewegung neuen Zulauf bringen, sagte der Friedensforscher Tobias Debiel von der Universität Duisburg-Essen dem "Tagesspiegel". Im vergangenen Jahr kamen nach Angaben der Veranstalter nur noch rund 40.000 Menschen zusammen. In diesem Jahr erwartet Debiel einen ähnlichen Zulauf. An eine "Massenbewegung wie damals" würden die diesjährigen Märsche dennoch nicht herankommen, meinte Diebel. Die Überalterung der Bewegung nannte er als einen Grund. Zudem konkurriere die Friedensbewegung heute mit Themen wie Rassismus, Rechtsextremismus und Klima: "Die Bewegung müsste es schaffen, Brücken zu diesen großen Protesten zu bauen". Erst dann könne sie wieder an frühere Erfolge anknüpfen.
    Am Osterwochenende sind Aktionen in gut 70 Städten geplant, unter anderem in Berlin, Bremen, München, Duisburg, Leipzig und Stuttgart. Die größte Veranstaltung in Nordrhein-Westfalen ist der am Samstag startende traditionelle dreitägige Ostermarsch Rhein-Ruhr von Duisburg nach Dortmund. Er steht unter dem Motto "Friedensfähig statt kriegstüchtig". 
    Das "Netzwerk Friedenskooperative" koordiniert die lokal organisierten Märsche. Neben der Deutschen Friedensgesellschaft, verschiedenen Gewerkschaften und der Linkspartei beteiligt sich in diesem Jahr erstmals auch die Initiative "Schulstreik gegen Wehrpflicht".
    Diese Nachricht wurde am 04.04.2026 im Programm Deutschlandfunk gesendet.