Donnerstag, 26. Januar 2023

Expeditionen zum Venustransit
Die Venus und die Entfernung der Sonne

Vor 140 Jahren lagen Astronomen in Australien, im Süden Afrikas, in der Karibik, am Kap Hoorn, in Mexiko und anderen Orten auf der Lauer. Sie verfolgten gebannt, wie die Venus vor der Sonnenscheibe entlang zog.

Von Dirk Lorenzen | 06.12.2022

6. Juni 2012 in Tromsø: Die Venus erscheint beim Transit als schwarzer Punkt auf der projizierten Sonnenscheibe.
6. Juni 2012 in Tromsø: Die Venus erscheint beim Transit als schwarzer Punkt auf der projizierten Sonnenscheibe. (Deutschlandradio/Lorenzen)
Grund der Aufregung: Wird der Venustransit über die Sonne sehr präzise von mehreren möglichst weit entfernten Orten auf der Erde beobachtet, so lässt sich der Abstand der Erde von der Sonne berechnen – gewissermaßen der Urmeter des Universums.
Das Problem: Venustransite gehören zu den seltensten periodischen Ereignissen am Himmel. Der Vorübergang am Nikolaustag 1882 war für über hundert Jahre der letzte.
Daher hatten sich drei Dutzend Expeditionen aus verschiedenen Ländern auf den Weg gemacht, um die Wanderung des schwarzen Venus-Punkts über die gelbe Sonnenscheibe zu beobachten.

Wert um 0,5 Promille falsch

Acht Jahre nach dem Transit hatte der kanadische Astronom Simon Newcomb alle Daten ausgewertet. Das Ergebnis: Der Abstand Erde Sonne beträgt im Mittel knapp 149,7 Millionen Kilometer.
Der tatsächliche Wert ist 0,5 Promille geringer. Das ist zwar ein gutes Ergebnis, aber die Fachleute hatten sich noch größere Präzision erhofft.

Nächster Venustransit in 2117

Heutzutage werden die Entfernungen im Sonnensystem mit Hilfe von Radarwellen gemessen und mit den Keplerschen Gesetzen berechnet.
Wer es selbst mal mit der Venus versuchen will: Den nächsten Venustransit gibt es am 11. Dezember – in 95 Jahren. Erst 2117 zieht die Venus wieder vor der Sonne entlang.

Der Venustransit von 1882
Allgemeine Informationen zu Venustransiten