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Dieselgate
VW muss Lösungen vorlegen

Volkswagen muss bis heute in den USA den Umweltbehörden akzeptable Vorschläge machen, wie sie Autos mit manipulierten Dieselmotoren von der Straße holen und die Fehler behoben werden. Um eine Rückrufaktion kommt der Konzern nicht herum. Es könnte sogar sein, dass VW am Ende Autos zurückkaufen muss.

Von Wolfgang Stuf | 20.11.2015

    Das Logo des Volkswagen-Konzerns wird aufpoliert (23.10.2015).
    Das Logo des Volkswagen-Konzerns. (dpa / picture-alliance / Ralf Hirschberger)
    "There's frustration, and there's sometimes anger."
    Der VW-Nordamerika-Chef gibt sich keinen Illusionen hin: Die Kunden seien frustriert und verärgert, sagte Michael Horn am Anfang der großen Pressekonferenz seiner Firma auf der LA Auto Show vor zwei Tagen. Jahrelang hatte VW versucht, seine Dieselmotoren unter dem Schlagwort "Clean Diesel", also "sauberer Diesel", auf den amerikanischen Markt zu bringen. Doch inzwischen ist klar: Nur unter Testbedingungen hielten manche der Motoren die strengen Abgas-Grenzwerte ein - im normalen Fahr-Alltag stoßen sie deutlich mehr giftige Gase aus. In den USA sind fast 500.000 Fahrzeuge betroffen.
    Volkswagen arbeite hart an einer Lösung des Problems, versicherte Horn. Das ist auch nötig: Denn wenn VW den Umweltbehörden bis heute keine akzeptablen Vorschläge macht, wie die betroffenen Autos von der Straße geholt und der Fehler behoben werden soll, könnten die Behörden den Besitzern nach und nach die Betriebserlaubnis ihrer Autos entziehen, denn die muss in den USA jährlich erneuert werden.
    Das sei natürlich eine drakonische Strafe, sagt Mary Nichols, die Chefin der kalifornischen Umweltbehörde CARB. Sie hoffe, dass sie nicht zu diesem Mittel greifen müsse, denn es treffe den Kunden - und es sei ja nicht seine Schuld, dass sein Auto die Grenzwerte überschreitet.
    Um eine Rückrufaktion kommt VW sicher nicht herum - dafür sammelt die Firma gerade die Adressen der betroffenen Besitzer - 120.000, also etwa ein Viertel, hat sich schon gemeldet auf VWs Angebot, ihnen Gutscheine im Wert von bis zu 1.000 Dollar zu schenken. Die sollen die Kunden milde stimmen, lösen aber das Problem nicht, sagt die Umwelt-Aufseherin.
    "Wenn erst bekannt wird, dass die Reparatur bei der Rückrufaktion zu einer schlechteren Motorleistung führt oder den Verbrauch erhöht, könnten die Leute entscheiden, dass sie ihre Autos gar nicht erst in die Werkstatt bringen, sondern einfach so weiterfahren, wie sie sind."
    Und dann würden sie natürlich weiter in überhöhtem Maß die Umwelt verschmutzen. Deshalb könnte VW am Ende gezwungen sein, Autos zurückzukaufen. Heute wollen sich Vertreter von Volkswagen und Umweltschutzbehörden treffen, dann haben die Behörden 20 Tage Zeit, die Vorschläge zu prüfen.