Dienstag, 17. Mai 2022

Dieter Hildebrandt ist tot
Gründungsvater der Lach- und Schießgesellschaft gestorben

Der Kabarettist Dieter Hildebrandt ist gestorben. Er gründete 1956 die Münchner Lach- und Schießgesellschaft, die seither zu einer Institution des deutschen politischen Kabaretts aufstieg. Hildebrandt, der an Krebs erkrankt war, wurde 86 Jahre alt.

20.11.2013

Erst gestern (Dienstag, 19.11.13) war bekannt geworden, dass Hildebrandt schwer an Krebs erkrankt war. Er lag nach Angaben seines engen Freundes Dieter Hanitzsch auf der Palliativstation. Hildebrandt prägte das politische Kabarett in Deutschland über Jahrzehnte.
Neben seinen Live-Auftritten in der Lach- und Schießgesellschaft in München-Schwabing feierte Hildebrandt mit der Satire-Sendung "Scheibenwischer" und mit "Notizen aus der Provinz" große Fernseherfolge. Immer wieder sorgte Hildebrandt mit seinen Kabarettprogrammen im Fernsehen jedoch auch für Ärger und heftige Auseinandersetzungen mit den Fernsehesendern.
"Dieter Hildebrandt ist heute Nacht im Kreis seiner Familie gestorben", teilte die Münchner Lach- und Schießgesellschaft mit, deren Mitbegründer Hildebrandt war. "Bis zum Schluss hatte er Pläne, hatte gekämpft und wollte sich im Dezember auf der Bühne der Münchner Lach- und Schießgesellschaft von seinem Publikum verabschieden. Er hätte uns noch so viel zu sagen gehabt. Wir trauern mit seiner Familie um einen wunderbaren Menschen, lieben Freund, Förderer und eine moralische Instanz."
Liebe zur Schauspielerei
Hildebrandt wurde im schlesischen Bunzlau geboren und begann nach dem Zweiten Weltkrieg ein Studium in München, wo er seither lebte. Er entdeckte zunächst die Liebe zur Schauspielerei, doch bei der sogenannten Schauspielergenossenschaftsprüfung fiel er durch. Zusammen mit Sammy Drechsel gründete er nach seinen Intermezzi als Platzanweiser und als Mitglied in einem Studentenkabarett 1956 die Münchner Lach- und Schießgesellschaft.
Die Diagnose Prostatakrebs hatte er nach Informationen der Münchner Zeitung "tz" erst im Sommer bekommen. Er sagte daraufhin alle Auftritte ab. Nachdem sich sein Zustand vor wenigen Wochen gebessert hatte, durfte er zunächst nach Hause gehen. Dann habe es aber einen schweren Rückschlag gegeben und er sei erneut in die Klinik gekommen, schrieb die Zeitung.
"Es ist ein großer Verlust", sagte sein Freund Hanitzsch, mit dem Hildebrandt das Online-Kabarett-Projekt "Störsender.tv" auf die Beine gestellt hat. "Für uns alle." Am Mittwoch stand auf der Startseite des Projekts: "Danke, lieber Dieter, für alles."
"Politikern den Spiegel vorgehalten"
Viele Prominente drückten ihre Trauer aus. SPD-Chef Sigmar Gabriel sagte, Deutschland habe einen großartigen Kabarettisten verloren und die SPD einen kritischen Unterstützer. CSU-Chef Horst Seehofer erklärte, Bayern verneige sich mit Achtung und Respekt. Hildebrandt habe über Jahrzehnte Politikern in Deutschland den Spiegel vorgehalten. Die Grünen-Politikerin Claudia Roth nannte den Kabarettisten einen blitzklugen Analysten des politischen Geschehens. Linken-Fraktionschef Gregor Gysi bezeichnete Hildebrandt als großen Künstler. Dieser habe Politikern auch wehtun müssen, um sie zum Nachdenken zu veranlassen.