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StartseiteCorsoPoetischer Film übers Erwachsenwerden 14.08.2020

Digitale PubertätPoetischer Film übers Erwachsenwerden

"Kokon" ist der zweite Spielfilm der Regisseurin Leonie Krippendorff. Ein sinnlich-poetischer Film über das Erwachsenwerden junger Mädchen in Zeiten sozialer Medien. "Ich wollte, dass es etwas Traumwandlerisches bekommt", sagte Leonie Krippendorff im Dlf.

Leonie Krippendorff im Corsogespräch mit Anja Buchmann

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Lena Urzendowsky ((C) Salzberger.de)
Lena Urzendowsky als Nora in Leonie Krippedorffs Film "Kokon" ((C) Salzberger.de)
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"Es ging mir um die Entwicklung eines Mädchen zu einer jungen Frau," sagt die Regisseurin Leonie Krippendorff im Corsogespräch. Ihr Film "Kokon", der in dieser Woche ins Kino kommt, sei aber auch ein Coming Out Film, denn er erzählt von einer zarten lesbischen Liebeserfahrung der Protagonistin Nora. Viel wichtiger war ihr bei der Konzeption des Drehbuches, einen ungeschönten Blick auf die körperliche Entwicklung junger Frauen zu zeigen. "Mir ist aufgefallen, dass in Coming-of-Age-Filmen zwar das Thema Menstruation immer eine Rolle spielt, aber meistens sehr ästhetisch dargestellt, als kleine Seitengeschichte." Sie habe das selbst aber ganz anders empfunden. "Für mich war das eine sehr verstörende, sehr intensive Zeit, und ich wollte das deswegen auch realistischer darstellen.

Erwachsenwerden mit sozialen Medien

Die Figur der Romi, in die sich die junge Nora verliebt, sei ein sehr freier Mensch, der alle liebe, die sie lieben wolle, unabhängig vom Geschlecht. Sie gibt Nora eine Perspektive zu dieser Freiheit. Bis dahin war Nora sehr von ihrer Schwester und deren Feundin beeinflusst, die stark durch die sozialen Medien und deren Schönheitsideale geprägt sind. "Mein Interesse war es herauszufinden, wie sehr anders es sich jetzt anfühlt aufzuwachsen," sagt Leonie Krippendorff.

Porträt von Leonie Krippendorff. (Salzgeber)Mit ihrem Coming-of-Age-Film "Kokon" war Leonie Krippendorff auf der Berlinale vertreten. (Salzgeber)

Auch wenn es im Positiven, wie im Negativen anders sei, als in ihrem eigenen Erwachsenwerden, stellte sie fest, dass trotzdem "die gleichen Sehnsüchte und auch der gleiche Schmerz im Erwachsenwerden drin ist. Dass also das Herz der Geschichte immer gleich bleibt."

Die Schmetterlings-Metapher

Die Idee, Nora als Raupensammlerin darzustellen, wäre zunächst kein Versuch gewesen, Metapher für's Erwachsenwerden zu finden. Sie wollte ihr einfach aus der eigenen Biographie heraus ein nerdiges Hobby geben, "was ihre kindliche Seite noch etwas betont, die ihre große Schwester Jule schon komplett abgelegt hat." Dass diese Metapher vielleicht etwas erdrückend sein könne, habe sie letztlich in Kauf genommen, "aus der Überzeugung, dass wenn man dem zuschaut, sie trotzdem eine Emotion gibt."

Von Anfang an wäre die Farbgebung des Films, die Retro-Atmosphäre des Films beabsichtigt gewesen. "Wir haben viele dokumentarische Elemente in dem Film und das Kotbusser Tor ist ja auch eine toughe Umgebung, und ich wollte gerne, dass es etwas Traumwandlerisches bekommt, weil es klar war, das ist ein Sommer, an den sich Nora für immer erinnern wird. D.h. es war von Anfang an Konzept des Filmes, dass es nicht nur Dokumentarisches, sondern so eine visuell überhöhte Ebene hat." 

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