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StartseiteInformationen am MittagBernie Sanders' glühendes Plädoyer für Joe Biden18.08.2020

Digitaler Parteitag der DemokratenBernie Sanders' glühendes Plädoyer für Joe Biden

Youtube-Videos statt eines voll gefüllten Kongresszentrums - wegen der Corona-Pandemie findet der Nominierungsparteitag der Demokraten nur online statt. Die zentrale Botschaft des ersten Abends: Bei den kommenden Wahlen muss die Demokratie verteidigt werden. Das betonte auch der Partei-Linke Bernie Sanders.

Von Thilo Kößler

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Bildschirmfoto der C-SPAN-Übertragung der Rede von Senator Bernie Sanders am ersten Tag des Online-Parteitags der Demokraten, der all-virtual 2020 Democratic National Convention. (imago images / ZUMA Wire)
Rede von Senator Bernie Sanders am ersten Tag des Online-Parteitags der Demokraten (imago images / ZUMA Wire)
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Ruhige Musik zu nachdenklichen Bildern: We, the people, wir das Volk, lautete das Motto des ersten Abends dieses virtuellen Parteitags der Demokraten – statt wehender Fahnen, statt Grußworten vor kreischendem Publikum zeigten die Parteistrategen in ästhetischen Bildsequenzen, in Landschaftsaufnahmen, in Portraits ein realistisches Bild eines Landes, das sich im Zeichen von Polizeigewalt und Rassismus mit tiefen Selbstzweifeln plagt und das um fast 170.000 Corona-Tote trauert. Zu Wort kamen in kurzen Testimonials, in kurzen persönlichen Videobotschaften, Menschen aus dem ganzen Land, die in der authentischen Atmosphäre ihrer alltäglichen Umgebung über ihre Sorgen, Nöte und Erfahrungen in dieser schwierigen Zeit berichteten. Der Kleinunternehmer Scott Richardson aus Pennsylvania zum Beispiel, frustriert und ratlos darüber, wie das Land so tief in die Krise rutschen konnte.

Bei den Wahlen muss die Demokratie verteidigt werden

Oder der Bruder von George Floyd in Minneapolis, der Ende Mai unter dem Knie eines weißen Polizisten starb – George sollte noch am Leben sein, sagte er, und zählte die Namen von vielen weiteren Opfern der Polizeigewalt auf, die nicht hätten sterben dürfen.

Oder Cristin Orciza aus Arizona, die vom Corona-Tod ihres Vaters berichtete. Er hatte Trump gewählt und ihm vertraut, dass das Virus harmlos sei. Er starb einen Tod aus Leichtfertigkeit.

Die zentrale Botschaft dieses Abends mit vielen nachdenklichen Bildern und Statements aus dem Alltag des Landes: Unter Donald Trump haben sich die USA dramatisch verändert. Unter Donald Trump wird das politische System angegriffen. Bei den kommenden Wahlen müsse die Demokratie verteidigt werden.  Michelle Obama, die ehemalige First Lady, warnte, man solle nicht glauben, dass es nicht noch schlimmer kommen könne – es werde noch schlimmer kommen, wenn Donald Trump eine zweite Amtszeit erhielte. Man müsse verhindern, dass das Chaos noch größer wird, sagte Michelle Obama: Joe Biden müsse gewählt werden, als ob das Leben davon abhänge.

Die USA an einer Wegscheide

Das war auch der Grundtenor bei Bernie Sanders, dem streitbaren Senator aus Vermont, der zur Ikone der Parteilinken aufstieg: vergesst allen Richtungsstreit, redete er seinen Anhängern ins Gewissen, aber auch allen, die bei der letzten Wahl Donald Trump wählten: Die Demokratie stehe auf dem Spiel.

Die Rede von Bernie Sanders wurde zu einem geradezu glühenden Appell, am 3. November Joe Biden zu wählen. Er stimme mit ihm nicht in allem überein, sagte er, aber er sei sich sicher, Joe Biden werde vom ersten Tag seiner Präsidentschaft an mit seiner Vizepräsidentin Kamala Harris den richtigen Kurs einschlagen und die richtigen Entscheidungen treffen. Ähnlich äußerte sich ein prominenter Republikaner – John Kasich, ehemals Gouverneur von Ohio. Er stand auf einem Feldweg an einer Kreuzung und sagte: Die USA stehen vor einer Wegscheide. Es gehe bei diesen Wahlen um mehr als jemals zuvor in der jüngeren Geschichte der USA.

Die Demokraten werden jetzt auf die Einschaltquoten warten und sich fragen: Ist das Konzept aufgegangen? Hat dieser erste Abend einen so bleibenden Eindruck hinterlassen wie bei einem herkömmlichen Parteitag? Der Dienstag steht unter dem Motto: Leadership matters – Führung zählt. Im Mittelpunkt wird der sogenannte Roll Call stehen – die Abstimmung über den Präsidentschaftskandidaten der Demokraten, Joe Biden. Zum ersten Mal in der Geschichte der Partei wird ein demokratischer Spitzenkandidat virtuell gewählt.

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