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StartseiteInformationen am MittagStudie: Youtube hat Nachhilfelehrer-Status erreicht04.06.2019

Digitales LernenStudie: Youtube hat Nachhilfelehrer-Status erreicht

Youtube-Videos stehen bei Schülerinnen und Schülern einer Studie zufolge hoch im Kurs. Sie ziehen Erklär-Videos selbständig für das schulische Lernen heran. Etwa 60 Prozent wünschen sich jedoch eine kritische Auseinandersetzung mit der Video-Plattform und ihren Inhalten.

Von Panajotis Gavrilis

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Die Studentinnen Erin Maudlin und Frances Yoshikane sitzen auf dem Boden und gucken ein Youtube-Video auf einem Smartphone, um die Anleitung für eine Aufgabe zu erhalten. (imago/ZUMA Press)
818 Jugendliche wurden zu ihrem Nutzungsverhalten gefragt. Am meisten werden Whatsapp, Youtube und Instagram genutzt. (imago/ZUMA Press)
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Der Satz des Pythagoras, erklärt in zweieinhalb Minuten auf Youtube. Das Video – über eine halbe Million Mal geklickt.

Für Schülerinnen und Schüler gehört Youtube zum digitalen Leitmedium – das ist nicht neu. Aber: Fast die Hälfte der jungen Nutzer ziehen selbständig solche Erklär-Videos für das schulische Lernen heran oder für künstlerische Fächer wie Kunst oder Musik.

Das geht aus einer Studie hervor, die der "Rat für kulturelle Bildung" in Auftrag gegeben hat. Youtube dient also nicht nur der Unterhaltung.

Die kommerzielle Plattform habe einen Status als Hilfs- und Nachhilfelehrer erreicht,  sagt Margrit Lichtschlag von der Geschäftsstelle des Rates für kulturelle Bildung.

"Hierbei ist festzustellen, dass für die Jugendlichen offenbar digitale und analoge Welten komplett miteinander verschränkt sind und sie da eigentlich keinen Unterschied mehr machen. Und dass Youtube jetzt als eines der digitalen Leitmedien auch gleichzeitig eben ein digitaler Kulturort ist, das war eben doch in gewissem Maße überraschend. Weil dann doch sonst davon gesprochen wird, dass es ausschließlich zur Unterhaltungszwecken dient."

Youtube-Clips als Inspiration

818 Jugendliche zwischen zwölf und 19 Jahren wurden zu ihrem Nutzungsverhalten gefragt. Am meisten werden WhatsApp, Youtube und Instagram genutzt.

Bei der Auswahl von Youtube-Videos greifen der Studie zufolge 91 Prozent auf Empfehlungen von Freunden zurück, zu 65 Prozent auf Influencer, zu 44 Prozent auf Tipps von der Familie. Auf Tipps von Lehrern gehen 30 Prozent ein.

Für viele, so die Studie weiter, seien die Youtube-Clips in hohem Maße anregend, selbst künstlerisch aktiv zu werden.

Und: Das habe auch das Rezo-Video als aktuellstes Beispiel gezeigt, das viel im Unterricht an Schulen diskutiert wurde: Etwa 60 Prozent, so die Studie, wünschen sich eine kritische Auseinandersetzung mit Youtube-Videos und der Plattform an sich, so Lichtschlag:

"Sie sehen schon kritisch, dass gewissermaßen die Inhalte, die dort eingestellt werden, ja auch nicht geprüft sind. Man muss ja schon suchen, bis man mal das Richtige findet. Aber man muss sagen, dass die Vorteile bei den Jugendlichen überwiegen, dass sie eben sehen, dass sie sich etwas auswählen können und dass sie den Zeitpunkt selber bestimmen können. Aber dieser Wunsch nach kritischer Reflektion in Schule, der bringt glaube ich zum Ausdruck, dass sie sehen, dass da ein Bedarf ist an Informationen und auch an Auseinandersetzung mit diesem Medium, den sie selber so vielleicht nicht decken können, sondern auf den sie hingewiesen werden müssen durch den Umgang mit diesen Medien in der Schule."

Man dürfe dieses Medium nicht ignorieren heißt es vom "Rat für kulturelle Bildung" weiter. Der Rat wird von namenhaften Stiftungen unterstützt wird, darunter die Bertelsmann-, Mercator- oder die Deutsche Bank Stiftung.

Feedback-Kultur an der Schule nicht ersetzen

"Es ist nichts dagegen einzuwenden, wenn Jugendliche solche Erklär-Videos verwenden", sagt  Heinz-Peter Meidinger, Präsident des Deutschen Lehrerverbandes. Er fügt aber hinzu: Unterricht und der Bildungsprozess an der Schule seien etwas ganz anderes als Youtube-Videos:

"Da geht es nicht nur darum, etwas zu erklären, auch in einem Video zu erklären, sondern es geht um gegenseitigen Austausch, es geht um eine Feedbackkultur. Sie haben im Internet, bei Youtube haben sie kein Feedback auf gleicher Ebene. Es geht darum, Fragen stellen zu können, Fragen beantwortet zu bekommen. Und deswegen wird Youtube nie ein Medium sein, das Schule ersetzen oder Schule übertreffen kann."

Der Präsident des Lehrerverbandes sieht bei Schülerinnen und Schülern, die sich auf Youtube informieren, kein Problem. Das größere Problem seien die Jugendlichen, die sich zuhause überhaupt nicht mit Hausaufgaben und Schulvorbereitungen beschäftigten.

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