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StartseiteUmwelt und VerbraucherNeuer Standard braucht neue Empfänger12.02.2015

Digitalfernsehen DVBT 2Neuer Standard braucht neue Empfänger

Zehn Jahre, nachdem das frei über Antenne empfangbare Digitalfernsehen DVBT eingeführt wurde, steht der Umstieg auf das Nachfolgeformat DVBT 2 an. Etwa ab 2017 benötigen Zuschauer dann auch ein neues Empfangsgerät. DLF-Redakteur Stefan Römermann kennt die Einzelheiten.

Stefan Römermann im Gespräch mit Georg Ehring

Weiterführende Information

Georg Ehring: Stefan Römermann hier im Kölner Studio, welche Folgen hat das für die Zuschauer?

Stefan Römermann: Wer tatsächlich über Antenne fernsieht, der braucht vor allem neue Technik. Denn die bisherigen Fernseher und Receiver mit einem Empfangsmodul für digitales Antennen-Fernsehen können mit dem neuen Standard nichts anfangen. Das Bild bleibt schwarz.
Wenn ich die passende Technik dann aber habe, dann kann ich in zwei bis drei Jahren über die Antenne aber eben auch hochauflösendes Fernsehen, also HDTV, empfangen. Wer neben den Programmen von ARD und ZDF auch die privaten Fernsehsender sehen möchte, muss dafür allerdings künftig wohl bezahlen. Denn Sender wie RTL oder ProSieben werden über Antenne dann voraussichtlich nur noch verschlüsselt ausgestrahlt. Wer die da sehen möchte, braucht dann ein Abo. Denn Privaten sagen, dass die Kosten für die Produktion und Verbreitung von hochauflösenden Fernsehprogrammen nun mal viel teurer sind – und sie das durch Werbung allein nicht mehr bezahlen können. Wie hoch die Gebühr dann genau sein wird und welche Programme da drin sein werden, das steht noch nicht fest. Aber nur so zum Vergleich: Über Satellit läuft das ja schon ähnlich. Wer da Privatfernsehen in HD bekommen möchte, zahlt dafür jetzt pro Jahr rund 60 EUR.

Ehring: Was tun mit altem Fernseher oder Empfangsgerät?

Römermann: Ich brauche schlicht und einfach ein neues Zusatzgerät, dass den neuen Standard umwandeln kann. Das wird dann zwischen Antenne und Fernseher gestöpselt. Mancher erinnert sich ja vielleicht noch an den Umstieg vom analogen aufs digitale Antennenfernsehen vor rund 10 Jahren. Da brauchte man ja für alte Fernseher auch plötzlich so ein kleines Kästchen, einen DVB-T-Reciever. Das wird jetzt auch wieder so sein, nur dass man eben keinen DVB-T-Reciever braucht, sondern einen für den Nachfolgestandard. Das Problem dabei: Die Geräte gibt es noch nicht zu kaufen. Es gibt zwar auch in Deutschland schon Geräte, bei denen in der Beschreibung steht, dass da ein DVB-T2-Modul drin ist. Aber da gibt es einige Begriffs-Verwirrung. Denn das, was hier in Deutschland bisher durch Politik und Medien als DVB-T2 geistert, ist etwas anderes als das DVB-T2, wie es beispielsweise in Großbritannien oder Dänemark benutzt wird. Deutschland setzt hier nämlich auf etwas verbesserte Technik. Aber funktioniert eben nicht mit den Geräten, die in anderen Ländern schon benutzt werden. Da braucht man eben dann trotzdem das Zusatzgerät. Und die Zusatzgeräte oder Receiver wird es dann voraussichtlich ab Ende kommenden Jahres zu kaufen geben. Und ein bisschen später gibt es dann wahrscheinlich auch wieder Fernseher, die das passende Empfangsmodul gleich eingebaut haben.

Ehring: Es geht ja auch um Mobilfunkfrequenzen – was hat es damit auf sich?

Römermann: Dabei geht es vor allem um das schnelle Internet. Denn es gibt ja immer noch Regionen, wo es in einzelnen Städten und Dörfern keine ordentlichen Internet-Anschlüsse gibt. Hier soll es dann zukünftig bezahlbares, schnelles Internet per Funk geben – verspricht die Bundesregierung. Nur braucht man dafür eben Funk-Frequenzen, über die dann Verbindung mit dem Internet hergestellt werden können. Und die Bundesregierung hat gestern nun beschlossen, dass ein Teil der Frequenzen, auf denen bisher das digitale Antennen-Fernsehen ausgestrahlt wird, dass diese Frequenzen jetzt für den Mobilfunk versteigert werden. Bei ARD und ZDF ist man über die Entscheidung nicht so richtig glücklich. Denn dadurch muss der Umstieg vom bisherigen Standard DVB-T1 zum neuen Standard wohl schneller stattfinden, als ursprünglich geplant. Das heißt, Verbraucher haben dann weniger Zeit sich umzustellen und sich die Zusatzgeräte zu besorgen.

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