Diskussion über SportförderungSporthilfe-Chef fordert Athleten zu Risiko auf

Was passiert, wenn eine Olympiasiegerin nicht mehr da trainieren kann, wo sie wohnt? Der Chef der deutschen Sporthilfe, Michael Ilgner, versprach "Lösungen für Härtefälle" - forderte von den Athleten aber Flexibilität.

Michael Ilgner im Gespräch mit Marina Schweizer | 15.11.2016

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Michael Ilgner, Chef der Deutschen Sporthilfe, sieht der Leistungssportreform gelassen entgegen. (Jessica Sturmberg)
Julia Lier ist Ruderin. Im Sommer gewann sie in Rio im Doppelvierer die Goldmedaille. In Sachsen-Anhalt trainiert sie. Dort ist auch der Arbeitsplatz der 25-jährigen Physiotherapeutin. Geht es nach der Leistungssportreform, müsste sie demnächst umziehen - nach Dortmund zum Bundesstützpunkt. Dafür müsste sie ihren Job aufgeben. Michael Ilgner, Chef der Deutschen Sporthilfe, versicherte auf der 6. Sportkonferenz des Deutschlandfunks, dass es für solche Härtefälle Lösungen gebe.
Ilgner fordert Fleibilität der Athleten
Der ehemaliger Wasserballer schränkte jedoch ein, dass man nicht alles haben könne und berichtete aus seiner eigenen Karriere: "Es gab zwei große Vereine. Da war aber nicht mein Studienwunsch möglich. Und dann musste ich halt das Risiko eingehen, mich in einer anderen Struktur durchzusetzen. Ich hatte dadurch nicht die Fördermöglichkeiten wie zum Beispiel in Berlin oder Duisburg."
Die Deutsche Sporthilfe fördert bundesweit 3.800 Athleten. Spitzenathleten erhalten von ihr monatlich bis zu 1.000 Euro. Die Sporthilfe war in die Entstehung der Leistungssportreform eng eingebunden.
Halb ironisch, halb ernst meinte Ilgner, dass die Finanzierung beispielsweise von Wasserballern, Läufern oder Gewichthebern ein "sehr wunder Punkt" sei. Geht es nach den Reformplänen, spielen diese Sportarten nämlich künftig nur noch eine untergeordnete Rolle. Die Sporthilfe wolle das Geld deshalb künftig noch fokussierter und konzentrierter einsetzen, so Ilgner.
"Es gehört auch Eigenständigkeit dazu"
Die Deutsche Sporthilfe sieht sich laut Ilgner als Dienstleister für die Athleten und die Verbände. Er verteidigte, dass sich die Förderung innerhalb des Systems und damit nach den umstrittenen neuen Plänen abspiele. "Es gehört aber auch ein Stück Eigenständigkeit dazu", sagte Ilgner mit Blick auf die Sporthilfe.
Insgesamt begrüßt Ilgner aber die geplante Reform: "Hauptsache, es wird etwas gemacht." Als zweiten Schritt könne man dann prüfen, wie es ankomme. "Jetzt ist es erst mal notwendig gewesen, dass auf dem Platz mal etwas passiert."