Mittwoch, 12.08.2020
 
Seit 20:30 Uhr Lesezeit
StartseiteSport am Wochenende"Es gibt kein Null-Risiko im Umgang mit dieser Krise"25.04.2020

Diskussion um Geisterspiele"Es gibt kein Null-Risiko im Umgang mit dieser Krise"

Es sei an der Zeit, kreative Wege aus dem Lockdown in der Coronakrise zu suchen, sagte Rechtsprofessor und Mitglied des Deutschen Ethikrates, Reinhard Merkel im Dlf. Der Start der Bundesliga unter den strengen Auflagen der DFL sei dabei ein "interessantes Modell".

Reinhard Merkel im Gespräch mit Astrid Rawohl

Hören Sie unsere Beiträge in der Dlf Audiothek
Leere Eingänge und Kassenhäuschen beim FC Köln (imago)
Leere Eingänge und Kassenhäuschen beim 1. FC Köln (imago)

Die Deutsche Fußball-Liga hat ein Konzept erarbeitet, das unter medizinischen und organisatorischen Gesichtspunkten eine Wiederaufnahme des Spielbetriebs ermöglichen soll. Nun muss die Politik entscheiden, wann der Ball wieder rollt - wenn überhaupt, dann frühestens ab Mitte Mai.

Coronavirus (imago / Rob Engelaar / Hollandse Hoogte)Übersicht zum Thema Coronavirus (imago / Rob Engelaar / Hollandse Hoogte)

Kreative Wege aus dem Lockdown sind nötig

Reinhard Merkel, Rechtsprofessor und Mitglied des Deutschen Ethikrates, ist sich der vielen Kritikpunkte an einer möglichen Wiederaufnahme des Spielbetriebs bewusst, es sei jedoch an der Zeit, kreative Wege aus dem Lockdown der gesamten Gesellschaft zu suchen, sagte er im Dlf. Einen Re-Start unter den strengen Auflagen der DFL sieht er als ein "interessantes Modell für diese Kreativität". In diesem Fall sei es auch gerechtfertigt, eine Gruppe – wie die Profifußballer – anders zu behandeln als andere Gruppen, bei denen solche Exit-Strategien noch nicht möglich seien.

Der emeritierte Professor für Strafrecht und Rechtsphilosophie, Reinhard Merkel, steht neben einem Radiomikrofon. (Vladimir Balzer)Der emeritierte Professor für Strafrecht und Rechtsphilosophie, Reinhard Merkel, (Vladimir Balzer)

Klar sei jedoch, dass vorab alle epidemiologischen Einwände aus dem Weg geräumt werden müssten. Dafür seien die Experten zuständig. Den Einwand, dass für den Ligastart dringend benötigte Testkapazitäten genutzt würden, hält Merkel für überzogen. Vor dem Hintergrund der ökonomischen und auch der "Lebensform-Bedeutung" des Fußballspiels seien 25.000 Tests "eine vernachlässigbare Größe". 

16.03.2020, Hessen, Frankfurt/Main: Coronavirus - DFL-Pressekonferenz am 16.03.2020 im Sheraton Airport Hotel & Conference Center in Frankfurt am Main Christian Seifert ( Vorsitzender der Geschäftsführung der DFL, Mitglied des Ligavorstands und Vizepräsident des DFB ) spricht im Anschluss an die Mitgliederversammlung der Deutschen Fu all Liga (DFL) auf einer Pressekonferenz. Die 36 Profi-Clubs entschieden angesichts der Coronavirus-Krise, die Bundesliga und 2. Liga bis mindestens zum 2. April auszusetzen. Foto: Poolfoto Arne Detert ( dpa ) Foto: Revierfoto/Revierfoto/dpa | Verwendung weltweit (Revierfoto) (Revierfoto)Bundesliga - Fußball steht nicht über allemDie Bundesliga ist bereit, den Ball wieder rollen zu lassen, hat DFL-Chef Christian Seifert klargemacht. Doch die Entscheidung, ob Fußball wichtiger sei als andere Kulturgüter, müsse die Politik treffen, kommentiert Matthias Friebe.

Es geht um mehr als nur Unterhaltung

Beim Fußball gehe es um mehr als nur Unterhaltung. Auch die ökonomischen Aspekte spielten eine Rolle. Und: "Es geht um die dringende Notwendigkeit für die gesamte Gesellschaft, darüber nachzudenken, wie wir intelligent aus diesem Lockdown herauskommen." Merkel warnt davor, dass das weitere Beibehalten eines undifferenzierten Lockdowns "ein massiv unerlaubtes Risiko für die Gesellschaft darstellen kann. (...) Das allergrößte Risiko wäre, überhaupt kein Risiko mehr einzugehen. Das würde die Gesellschaft in eine verheerende Situation bringen", mahnt der Rechtsprofessor.

Das stelle die Politik aktuell vor große Herausforderungen. Es gebe zurzeit keine Entscheidung, die risikolos sei. Die Politik müsse in einem bisher unbekannten Maße Verantwortung übernehmen.

Äußerungen unserer Gesprächspartner geben deren eigene Auffassungen wieder. Der Deutschlandfunk macht sich Äußerungen seiner Gesprächspartner in Interviews und Diskussionen nicht zu eigen.

Das könnte sie auch interessieren

Entdecken Sie den Deutschlandfunk