Mittwoch, 30. November 2022

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Doping
Breisgauer Sp(r)itzensport

Systematisches Anabolika-Doping in den 80er-Jahren, zentral gesteuert, auch im Fußball. Diese brisante Erkenntnis hat die Untersuchungskommission der Dopingvergangenheit der Freiburger Uniklinik aus neuen Akten gewonnen. Was bedeutet das für Deutschlands liebsten Sport?

Fritz Sörgel und Claudia Lepping im Gespräch mit Philipp May | 08.03.2015

    Ein Dopingkontrolleur von hinten mit gelb-grüner Jacke und der Aufschrift "Dopingkontrolle".
    Ein Dopingkontrolleur des Deutschen Fußball-Bundes, hier am Rand des Spiels Dynamo Dresden gegen Rot-Weiß Erfurt Anfang Februar. (dpa / Arno Burgi)
    Sie sei nicht überrascht, sagte Claudia Lepping, ehemalige Spitzenleichtathletin, Anti-Doping-Aktivistin und früher selbst Patientin des Freiburger Doping-Gurus Armin Klümper. Existenzen hingen am Sport, sagte Claudia Lepping. Da bleibe Betrug nicht aus.
    Es herrsche im Vereinssport ein intaktes System von Abhängigkeiten, wo es um den Erfolg gehe, aber nicht um die Entwicklung des Athleten. Doping sei ein schleichender Prozess.
    Kritik an Klopp
    Lepping kritisierte die Aussage des Trainers von Borussia Dortmund, Jürgen Klopp, der gesagt hat: Wenn die Spieler etwas genommen hätten, hätten sie es nicht gewusst. "Sie werden es gemerkt haben", sagte Lepping. Man merke, wenn man anabolisch stimuliert werde. Armin Klümpers Ruf, er könne mit Mitteln nachhelfen, sei ihm vorausgeeilt. "Es gab niemanden, der diesen Mann mal geschüttelt hätte", obwohl Birgit Dressel, Patientin Klümpers, 26-jährig verstorben ist.
    Prof. Fritz Sörgel, Pharmakologe und Kommissionsmitglied, will "aus pharmakologischer Sicht einiges überprüfen." Fußballer gingen zwar einzeln zu den Gurus, aber, so Sörgel: "Es würde mich wundern, wenn es geheim bleiben könnte".
    Wie eine Mischung aus Crystal Meth und Alkohol
    Ein ehemaliger Fußball-Profi habe ihm gesagt, dass das Mittel Captagon, das etwa wie Crystal Meth wirke, von Sportlern mit Alkohol heruntergespült wurde. Stimulierendes Captagon und sedierender Alkohol habe bei den Fußballern offenbar eine besondere Wirkung gehabt. Pharmakologisch könnten solche Vorgänge in Studien nicht getestet werden, da sie viel zu experimentell seien. Diese Experimente in den Vereinen fänden nicht ohne die Trainer statt, so Sörgel.
    Das vollständige Gespräch können Sie als Audio-on-Demand nachhören.