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StartseiteSport AktuellSportmediziner Armin Klümper gestorben01.07.2019

Doping in WestdeutschlandSportmediziner Armin Klümper gestorben

Der Sportmediziner Armin Klümper behandelte Spitzenathleten - seine Freiburger Spezialambulanz steht für Doping in Westdeutschland. Klümper wird auch in Verbindung mit dem Tod der Siebenkämpferin Birgit Dressel gebracht. Trotzdem hatte er neben vehementen Kritikern auch treue Anhänger. Nun ist Klümper mit 84 Jahren in Kapstadt gestorben.

Von Thomas Purschke

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Dr. Armin Klümper (Sportmedizin) in seiner Praxis in Freiburg 15.11.1978. HM  (www.imago-images.de)
Dr Armin Klümper Sportmedizin in seiner Praxis in Freiburg 15 11 1978 HM (www.imago-images.de)
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Kein Name ist so sehr mit Doping in Westdeutschland verbunden wie der von Armin Klümper. Zahlreiche Spitzenathleten, darunter Bundesliga-Fußballer und Leichtathleten gehörten zu seinem Patientenstamm. Auch führende Politiker, Unternehmer, Erzbischöfe und Journalisten sollen von ihm behandelt worden sein.

Klümper bestritt Verantwortung für Birgit Dressels Tod

In den siebziger Jahren hatte Armin Klümper in der Universitätsklinik Freiburg eine Sportmedizinische Spezialambulanz errichtet, eine der ersten ihrer Art weltweit. Bis zum Jahr 2000 arbeitete er in einer eigenen Ambulanz in Freiburg, der Mooswald-Klinik, die mit großzügiger Unterstützung durch Stadt, Land und Bund gebaut wurde. Auch die Mainzer Siebenkämpferin Birgit Dressel war von ihm behandelt worden. Nach ihrem Tod im April 1987 an einem multiplen Organversagen bestritt Klümper jede Mitverantwortung.

Diese sei aber durch Dressels Trainer Kohlbacher einige Jahre später vor der Staatsanwaltschaft bestätigt worden, sagte der Heidelberger Doping-Aufklärer Werner Franke anlässlich Klümpers Tod dem Deutschlandfunk. Klümper sei Teil eines kriminellen Systems gewesen, so Franke. Schon damals sei Anabolika-Gabe im Leistungssport verboten und ein klares Körperverletzungsverbrechen gewesen.

Nie wegen Dopings verurteilt

Armin Klümper wurde nie von einem Gericht wegen Dopings verurteilt. Lediglich wegen Rezeptbetruges gab es 1989 eine Verurteilung zu einer Geldstrafe. Doch zahlreiche erhalten gebliebene Dokumente und Aussagen von Athleten zeichneten ein klares Bild. Doping-Bekämpfer Werner Franke kritisiert deshalb die Politik und Justiz, die damals national medaillenorientiert korrupt gewesen seien und solch kriminelles Tun jahrelang gefördert hätten.

Noch 1997 unterzeichneten zahlreiche aktive und ehemalige Spitzensportler eine Zeitungsanzeige, worin sie Klümper als "leidenschaftlichen Arzt" mit einem "ausgeprägten medizinischen Ethos" verteidigten. Darunter war auch der frühere Turn-Weltmeister Eberhard Gienger, der heute als Abgeordneter im Bundestag sitzt und sportpolitischer Sprecher der CDU/CSU-Bundestagsfraktion ist.

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