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StartseiteWirtschaftsgesprächVW verärgert die Konkurrenz20.03.2019

E-MobilitätVW verärgert die Konkurrenz

Die deutsche Automobilbranche ist im Umbruch - und zwischen den drei Konzernen VW, Daimler und BMW knirscht es gewaltig. Denn VW setzt alles auf die Elektrokarte, was in München und Stuttgart gar nicht gut ankommt.

Von Ursula Mense

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Logos der drei deutschen Autobauer VW, BMW und Daimler (dpa/Monika Skolimowska)
Elektrisch in die Zukunft? Darüber gibt es unterschiedliche Ansichten bei den drei Autobauern (dpa/Monika Skolimowska)
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VW geht in die Elektrooffensive - doch die neue Strategie aus Wolfsburg kommt beim Konkurrenten in München, bei BMW, gar nicht gut an. Es gibt zwar nur Insider-Bemerkungen, aber die zeigen: Bei BMW hält man das VW-Strategiepapier für ein schlecht getarntes VW-Förderungskonzept.

Denn: Der Autobauer will keine Technologieoffenheit mehr für die Zukunft der Mobilität, sondern der Autobauer setzt alles auf die E-Mobilität. Also keine Diesel- oder Benzinautos, keine Hybridfahrzeuge, auch keine Brennstoffzelle. Und damit unterscheiden sie sich in Wolfsburg ganz und gar von BMW und auch von Daimler, die beide weiterhin ein Nebeneinander aller Technologien wollen.

VW als Tonangeber verärgert die Branche

Was im VW-Konzept für besonderen Unmut sorgt, ist die Idee, dass der Bund, Stromkonzerne und Herstellern, einen "Mobilitätsfonds Elektromobilität"  finanzieren soll. Für kostenlosen Ladestrom für Autos, die weniger als 20.000 Euro kosten, also für Kleinwagen. Und die haben BMW und Daimler nicht unbedingt im Programm.

Auch die Idee einer nach Fahrzeuglängen abgestuften Kaufprämie bestätigt BMW darin, dass es sich bei der neuen Strategie aus Wolfsburg bloß um ein VW-Förderkonzept handelt. Denn ihre Stromer würden dabei herausfallen.

Das VW-Hochhaus in Wolfsburg (imago stock&people / Michael Gottschalke)Nach dem Diesel-Skandal ändert VW seine Strategie massiv (imago stock&people / Michael Gottschalke)

Die Chuzpe, mit der VW vorgeht, verärgert inzwischen die ganze Branche. Denn die sieht es nicht aus, dass der Konzern, der die ganze Autoindustrie in die Krise gestürzt hat, nun der Tonangeber sein kann.

VW hat außerdem angekündigt, den Automobilverband VDA verlassen zu wollen. Gleichzeitig gibt es neue Kooperationen zwischen den einstigen Rivalen BMW und Daimler.

Tiefgreifender Umbruch in der Autobranche

Während es im Moment so aussieht, als versuche VW eine für sich passende Strategie allen aufzuzwingen, hoffen die beiden anderen Großen BMW und Daimler mit einer Partnerschaft Milliarden zu sparen. Sie wollen gemeinsame Plattformen für zukünftige Modellreihen entwickeln. Beim Carsharing und beim autonomen Fahren wollen sie auch zusammengehen.

Dabei spielt der Druck zu sparen sicher eine große Rolle. Gleichzeitig geht es aber auch darum, den Anschluss an die Elektromobilität nicht zu verlieren. Denn da gibt es immer mehr starke Konkurrenz, vor allem auch aus China. Und es stimmt auch, was auch VW anführt: Die CO2-Ziele sind sonst nicht zu schaffen.

Insofern sitzen die Autobauer alle in einem Boot. BMW-Chef Harald Krüger will sich denn auch mit Daimler-Chef Dieter Zetsche und VW-Chef Herbert Diess treffen - nachdem er die Jahreszahlen verkündet hat: Einen Gewinnrückgang von fast 17 Prozent.

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