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StartseiteWirtschaftsgesprächBeinharter Kampf um die besten Händler18.10.2018

Ebay verklagt AmazonBeinharter Kampf um die besten Händler

Die Online-Handelskonzerne Ebay und Amazon konkurrieren nicht nur um Kunden, sondern auch um die besten Verkäufer. Deren Erfolg gewinnt zunehmend an Bedeutung für die Plattformen. In dem Wettbewerb geht es offenbar nicht immer mit rechten Dingen zu. Ebay klagt jetzt gegen Amazon.

Silke Hahne im Gespräch mit Sandra Schulz

Die Anzeige eines elektronischen Warenkorbs auf einem Computerbildschirm auf der Internetseite eines Onlinehändlers, aufgenommen am 10.01.2014 in Schwerin (Mecklenburg-Vorpommern). (picture alliance / dpa / ZB / Jens Büttner)
Der Kunde kauft beim Drittanbieter, die Onlineplattform verdient mit - Kooperationen mit Dritthändlern sind zwischen Handelsplattformen heiß umkämpft. (picture alliance / dpa / ZB / Jens Büttner)
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Der Vorwurf wiegt schwer und mutet gleichzeitig seltsam an, angesichts der Milliardenumsätze der Konzerne: Amazon soll versucht haben, Ebay besonders verkaufsstarke Händler abzujagen, und zwar mit verbotenen Mitteln. Amazon-Mitarbeiter sollen sich Konten bei Ebay angelegt haben, um dann über das Ebay-Nachrichten-System Mails an diese Händler zu verschicken. Mails, in denen die Verkäufer dazu bewegt werden sollten, ihre Waren bei Amazon anzubieten. 

Mutmaßlicher Verstoß gegen Ebay-Regeln

Und das ist kein harmloses Geplänkel zwischen Konkurrenten. Für das Ebay-Nachrichtensystem gelten klare Regeln: Absprachen für Geschäfte außerhalb von Ebay sind nicht erlaubt, der Austausch von Kontaktdaten zu diesem Zweck genauso wenig.

Das war offenbar auch den Amazon-Mitarbeitern bewusst, wenn die Vorwürfe von Ebay stimmen: Demnach sollen die Amazon-Leute nämlich verschiedene Codes, etwa Abkürzungen, benutzt haben - so sollen sie das Wort "Amazon" mit Bindestrichen oder Leerzeichen zwischen den Buchstaben geschrieben haben, um auf ihr Unternehmen zu verweisen. Ihre eigenen Kontaktdaten sollen sie ähnlich verschlüsselt versendet haben. Laut Ebay, um ihre Spuren zu verwischen.

Dritthändler-Kooperationen sind besonders lukrativ

Laut früheren Berichten des "Wall Street Journal" über diese Praktiken haben rund 50 Amazon-Vertreter so mehr als 1.000 Nachrichten versendet. Nach diesen ersten Berichten hatte Amazon auch angekündigt, die Anschuldigungen zu untersuchen. Das ist nun nicht oder nicht schnell genug passiert - Ebay fordert also eine richterliche Unterlassungsverfügung, Schadenersatz und Geldstrafen. 

Denn das Geschäft der Händler gewinnt zunehmend an Bedeutung für die Plattformen. Sie profitieren etwa durch Provisionen von den Verkäufen, müssen aber selber weder Produktion noch Versand organisieren und bezahlen. Die Kosten sind also gering im Verhältnis zum Ertrag. Amazon setzt deshalb zunehmend auf die Dritthändler als Wachstums-Treiber: Im ersten Halbjahr standen sie zum ersten Mal für mehr als die Hälfte der auf Amazon verkauften Artikel.

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