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EEG-Umlage
Kupferproduzent befürchtet Ende der Sonderkonditionen

Der Gewinn der größten Kupferhütte Europas, Aurubis mit Sitz in Hamburg, ist eingebrochen, wie die aktuelle Jahresbilanz zeigt. Kupferverarbeitung ist sehr energieintensiv, deswegen sorgt sich der Konzern außerdem um die anstehende Reform des Erneuerbare-Energien-Gesetzes.

Von Axel Schröder | 16.12.2013

Per Schiff wird Europas größter Kupferproduzent, die Hamburger Aurubis, mit Nachschub für die Schmelzöfen versorgt. Massengutfrachter liefern das Kupferkonzentrat vor allem aus Südamerika. Und um daraus Jahr für Jahr eine Million Tonnen hochreines Kupfer zu gewinnen - für die Elektro-, Automobil- und die Telekommunikationsbranche - braucht Aurubis viel Strom, sehr viel Strom. Das erklärt Peter Willbrandt, der Vorstandsvorsitzende der Aurubis:
"Wir brauchen fast eine Milliarde Kilowattstunden pro Jahr. Das können sie vergleichen, wenn sie sagen: ein durchschnittlicher Haushalt, drei Personen, ungefähr 3.500 Kilowattstunden, dann sind das 250.000 bis 300.000 Haushalte. Das ist eine relativ große Stadt. Haushalte! Nicht Personen in einer Stadt! Das ist ungefähr unser Bedarf. Also eine Stadt wie Düsseldorf."
Und dementsprechend hoch fällt die Stromrechnung für Aurubis aus. Noch höher wäre sie, wenn das Unternehmen die EEG-, also: Erneuerbare-Energien-Umlage in voller Höhe zahlen müsste.
"Wenn wir nur bei der EEG bleiben: Wir sind bei 5,3 Cent, wir brauchen eine Milliarde Kilowattstunden, dann kann das relativ leicht rechnen: wenn wir den vollen Satz bezahlen müssten – nur EEG! – dann sind wir bei über 50 Millionen Euro zusätzliche Belastungen für die Aurubis und das wäre schon signifikant. Und das sind Kosten, die wir immer haben würden, egal, welchen Zyklus wir gerade durchlaufen. Und deswegen ist das für uns so ein wichtiger Faktor."
Vollständig von der EEG-Umlage befreit ist auch die energieintensive Aurubis nicht. Sie zahlt zwar nicht 5,3 Cent Zuschlag pro Kilowattstunde, sondern nur 0,05 Cent. Jährlich sind das immerhin noch drei Millionen Euro zusätzlich. Die Ankündigung von EU-Wettbewerbskommissar Joaquin Almunia, die Sonderkonditionen für energieintensive Unternehmen überprüfen zu lassen und am Ende möglicherweise zu kippen, würde der Wettbewerbsfähigkeit des Hamburger Kupfer-Konzerns schwer schaden, erklärt Vorstandschef Willbrandt:
"Wir konkurrieren nicht mit Unternehmen, die in Deutschland sind. Es gibt nur wenige Kupfererzeuger in Europa. Die eigentliche Konkurrenz, die sitzt in Asien - in China, in Indien – und das ist auch teilweise ein unfairer Wettbewerb. Wir haben sehr viel an der Effektivität und an der Effizienz gearbeitet, sind heute wettbewerbsfähig. Aber wenn man diese Magnitude an Zusatzbelastungen, an zusätzlichen Kosten, die auf den Strompreis aufgeschlagen werden könnten, sieht, dann muss man sagen, dass das ein Volumen annimmt, dass die Wettbewerbsfähigkeit doch deutlich zu unseren Ungunsten beeinflussen würde und schlechterstellen würde."
Und das will Peter Willbrandt – auch vor dem Hintergrund der neuen, ernüchternden Bilanzzahlen – natürlich verhindern.