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StartseiteWirtschaft und GesellschaftEs tut sich was in Bochum04.10.2019

Ehemaliges Opel-GeländeEs tut sich was in Bochum

Anfang Dezember 2014 wurde das Opel-Werk in Bochum geschlossen. Seither haben sich viele Firmen auf dem riesigen Areal angesiedelt. Sie schaffen nicht nur neue Arbeitsplätze, sondern auch eine Perspektive für die Studierenden der Ruhr-Universität Bochum.

Von Klaus Deuse

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Das Areal Mark 51/7 mit dem Logistikzentrum der DHL-Logistik in Bochum (imago / Hans Blossey)
Das Areal Mark 51/7 in Bochum mit dem Logistikzentrum der DHL-Logistik (imago / Hans Blossey)
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Als vor fünf Jahren das Aus für das Werk des Autobauers Opel in Bochum feststand, endete ein Kapitel Industriegeschichte, verloren 3.000 Mitarbeiter ihren Arbeitsplatz. Nach einem hartnäckigen Kampf um das Werk resümierte die damalige IG-Metall-Bevollmächtigte Eva Kerkemeier:   

"Es ist ein entsetzliches Ende, weil es über 50 Jahre Geschichte von vielen, vielen Menschen beinhaltet, die ihre Familie durch eine tolle Arbeit ernähren konnten. Und die bis zum Schluss gehofft hatten, ja, dass Opel nicht schließt."

Da war die Welt noch in Ordnung: Das Opel-Werk in Bochum 1968. (dpa/picture alliance/Klaus Rose)Das Opel-Werk in Bochum 1968 (dpa/picture alliance/Klaus Rose)

Doch inzwischen haben sich neue Perspektiven eröffnet, denn in Bochum hat man früh Pläne für die Nutzung des riesigen Opel-Areals entwickelt, das nun, benannt nach der geographischen Lage, als Standort "Mark 51/7" firmiert. Zuständig ist die "Perspektive Bochum 2022", eine eigens gemeinsam von der Stadt Bochum und Opel gegründete Gesellschaft.

"Wir haben insgesamt fast eine Million Quadratmeter. Und wir sind seit 2015 Eigentümer der Fläche und entwickeln da was Neues drauf." Sagt Enno Fuchs, Geschäftsführer von "Perspektive Bochum 2022". Neues, das man bereits sehen kann. So errichtet der Logistik-Primus Deutsche Post DHL auf einer Fläche von 140.000 Quadratmetern ein Mega-Paketzentrum, in dem vom kommenden Jahr an pro Stunde 50.000 Pakete sortiert werden. DHL beschäftigt in dem Zentrum über 600 Mitarbeiter.

"Das ist schon mal ein großer Schluck aus der Arbeitsplatzpulle", stellt Enno Fuchs sichtlich zufrieden fest.

Etwa 60 Firmen auf ehemaligem Opel-Gelände

Rund 60 Prozent der Fläche konnten bereits vermarktet werden. Angesiedelt auf  "Mark 51/7" hat sich auch ein Tochterunternehmen eines der größten Zulieferer für die Automobilindustrie.

"Bosch, die in dem Bereich von Embedded Systems, wie das heißt, also Sicherheit im Bereich Automobil, forschen und entwickelen, dort Produkte in den Markt bringt. All das, was man für autonomes Fahren braucht."

Etwa 400 Mitarbeiter beschäftigt das Unternehmen zurzeit. In der Endausbaustufe rechnet man mit bis zu 2.000 Beschäftigten. Auf die verkehrstechnisch günstige Lage durch Autobahnen rund um Bochum setzt außerdem das französische Unternehmen Faiveley, ein international führender Bremsenhersteller für Züge - zum Beispiel für die Schnellzüge ICE und TGV. Am Ende, so Enno Fuchs, werden auf der ehemaligen Opel-Fläche etwa 60 Firmen und Nutzer ihren Sitz haben. Darunter auch diverse öffentlich-rechtliche und private Forschungseinrichtungen.

"Vor allen Dingen die Ruhr Uni Bochum forscht und entwickelt dort im Bereich Internet der Dinge, Industrie 4.0, Sensorik- und Sensorforschung. Aber auch Neuronenforschung. Da geht es  unter anderen um diese Mensch-Maschine-Interaktion."

Standort-Plus: Gut ausgebildete Menschen

In einem, wie es Wissenschaftler nennen, Think-Tank. Darüber hinaus hat die Ruhr-Universität vom Land Nordrhein-Westfalen  jüngst einen Förderbescheid über knapp 21 Millionen Euro für den Aufbau eines Worldfactory Start-up-Centers erhalten, das ebenfalls auf "Mark 51/7" entsteht.  Dort können Gründer Technologien wie etwa 3-D-Drucker oder Lasercutter nutzen, die sie sich nicht selbst leisten können, um ihre Produktideen in Prototypen umzusetzen und zur Marktreife zu entwickeln.

Investoren, hat  Enno Fuchs in Gesprächen festgestellt, schätzen an dem Standort die Verfügbarkeit von Fach- und Spezialkräften:

"Vor allen Dingen eben akademischen Nachwuchs, der ja aktuell noch in großer Menge aus Bochum, aus dem Ruhrgebiet abwandert. Und denen können wir hier jetzt Arbeitsplatzangebote machen in einem attraktiven Umfeld."

Bis zu 6.000 Arbeitsplätze könnten entstehen

Auf der Grundlage der bereits geschlossenen Verträge geht Enno Fuchs davon aus, dass unter dem Strich auf "Mark 51/7" 6.000 Arbeitsplätze entstehen. Doppelt so viele wie zum Zeitpunkt der Schließung des Opel-Werkes. Bochum und damit das Ruhrgebiet verfügen über Potenzial für die Zukunft. Vor fünf Jahren formulierte die damalige IG-Metall-Bevollmächtigte Eva Kerkemeier geradezu trotzig:

"Wir können doch hier im Ruhrgebiet eins: das ist Strukturwandel. Das machen wir doch nicht erst jetzt, seit Opel geht, sondern das machen wir doch seit Anfang bis Mitte der 60er-Jahre. Und bis jetzt haben wir das immer hingekriegt."

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