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StartseiteKalenderblattEin Stück amerikanische Geschichte10.01.2012

Ein Stück amerikanische Geschichte

Vor 150 Jahren starb der amerikanische Waffenkonstrukteur und Erfinder Samuel Colt

Schon als Kind träumte Samuel Colt von Feuerwaffen. Mitte des 19. Jahrhunderts begann die Massenproduktion des von ihm entwickelten und nach ihm benannten Revolvers. Mit seiner Pistole mit Kugeln in einer drehbaren Trommel drückte er Amerika seinen ganz persönlichen Stempel auf.

Von Irene Meichsner

1836 bekam Samuel Colt ein Patent auf seinen Revolver.  (AP Archiv)
1836 bekam Samuel Colt ein Patent auf seinen Revolver. (AP Archiv)

Er träumte schon als Kind von Feuerwaffen. Als Sechsjähriger bastelte sich Samuel Colt, der 1814 in Hartford im US-Bundesstaat Connecticut geboren wurde, angeblich aus Ersatzteilen seine erste eigene Pistole. Mit 15 Jahren kündigte der Junge auf Flugblättern an:

"Sam Colt wird am 4. Juli 1829 auf dem Stadtweiher ein Floß himmelhoch in die Luft sprengen."

"Das Experiment misslang ihm allerdings. Doch immerhin: Er schaffte es, die Zuschauer mit Matsch und Wasser zu überschütten",


... schreibt der amerikanische Waffenexperte John Taffin. Auf Wunsch seines Vaters ging Colt zur See. Beim Anblick eines Steuerrads soll ihm die zündende Idee gekommen sein, die er sich auch gleich konkret vorstellte.

"Mit seinem Taschenmesser schnitzte er aus Holz das Modell eines Revolvers."

In der Pistole, die Colt vorschwebte, steckten die Kugeln in einer drehbaren Trommel mit mehreren Kammern. Dadurch würde man mit ihr, anders als bisher, nicht nur einen Schuss, sondern, ohne nachzuladen, mehrere Schüsse nacheinander abgeben können. In Paterson im US-Staat New Jersey gründete Colt eine Firma. 1836 bekam er ein Patent auf seinen Revolver. Er ähnelte übrigens einer Waffe, die sein Landsmann Elisha Collier in England produzieren ließ. Die ersten fünfschüssigen Revolver vom Typ "Colt Paterson" gingen an die texanische Polizei.

"Jetzt hatte ein Texas Ranger, der zwei Pistolen mit sich führte, also zehn Schüsse anstatt nur zwei."

Die Texas Rangers feuerten mit den Revolvern vor allem auf Indianer. Captain Samuel Walker schrieb über eine Begegnung mit rund 80 Komantschen:

"Ungefähr die Hälfte wurde getötet oder verwundet. Bis dahin hatten sich die Indianer uns immer überlegen gefühlt - mit ihrem Kampf von Mann zu Mann, mit ihren Pferden. Jetzt hatten wir ihnen ordentlich Angst eingejagt."

Außerhalb von Texas blieb das Interesse an der neuen Waffe zunächst gering. Colt versuchte sein Glück mit elektrischen Unterwasserzündern. Dann lieferte er seinem Freund Samuel Morse die wasserfesten Kabel, die dieser für seine unterseeischen Telegrafenleitungen brauchte. Erst 1847, für Colt völlig unverhofft, wendete sich das Blatt: Die Armee bestellte bei ihm auf Empfehlung von Samuel Walker tausend Revolver für den Krieg gegen Mexiko.

"Colt hatte keine Fabrik mehr, keine Maschinen, keine Muster und kein Geld. Aber er besaß das, was viele als die Genialität der Yankees bezeichnen - und so entwickelte er aus dem Gedächtnis ein verbessertes Modell."

Zusammen mit Walker entwarf Colt eine Pistole mit nun sechs Kugeln. Die Produktion der schweren "Colt Walkers" überließ er anfangs noch einem etablierten Waffenfabrikanten. Dann gründete Colt in Hartford ein neues Unternehmen: die legendäre "Colt’s Patent Fire-Arms Manufacturing Company".

Bald waren vor allem die leichteren Pistolen aus der sogenannten "Dragoon"-Serie auch bei Zivilisten so beliebt, dass der Name "Colt" zum Synonym für den Revolver wurde. Ihre ausgeprägte Waffenliebe verdankten die Amerikaner also nicht zuletzt Samuel Colt. Auf einem großen Gelände am Connecticut River errichtete Colt 1855 einen durchorganisierten Firmenkomplex mit Waschküchen, Wohn- und Clubräumen für die Angestellten - und einem Herrenhaus für die Familie Colt, die im Reichtum schwelgte. Bei der Produktion verfuhr Colt nach dem "System der austauschbaren Teile", das heißt: Die Waffen wurden aus standardisierten Einzelteilen zusammengesetzt.

Samuel Colt, der am 10. Januar 1862 im Alter von nur 47 Jahren in Hartford starb, legte damit schon lange vor Henry Ford den Grundstein für die industrielle Massenproduktion. Während des Bürgerkriegs belieferte seine Firma die Unionstruppen mit fast 130.000 Revolvern.

"Colt war ein Visionär, und seine Fortschritte bei der Produktion revolutionierten die amerikanische Industrie",

so der demokratische Kongressabgeordnete John Larson vor einigen Jahren,

"Er hat unsere Geschichte wesentlich mitgestaltet. Colt ist untrennbar verbunden mit den Schlüsselereignissen und den großen Persönlichkeiten, die Amerika formten und unsere kollektive Fantasie beherrschen: mit dem Goldrausch, den Texas Rangers und dem Mexikanischen Krieg, dem Bürgerkrieg, Jesse James, Wyatt Earp und dem Wilden Westen."

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