Samstag, 20. August 2022

Archiv

Eine Frage des Gewissens
Kirche in Polen will Flüchtlinge aufnehmen

Polens nationalkonservative Regierung fürchtet bekanntlich eine "Überfremdung" der Gesellschaft durch die Aufnahme von Flüchtlingen - speziell muslimischen. Nun macht sich die katholische Kirche in Polen für die Aufnahme von Menschen aus dem Nahen Osten stark.

Von Henryk Jarczyk | 11.06.2016

    Kirche in Tschenstochau von oben
    Die polnische Kirche will anders als die Regierung des Landes Flüchtlinge aus dem Nahen Osten aufnehmen. (Wolfgang Frotscher/dpa/picture alliance )
    Wenn es die Regierung nicht macht, dann eben wir, dürfen sich einige Bischöfe in Polen gedacht haben. Zum Abschluss ihrer Vollversammlung in Warschau sprachen sie sich nun also dafür aus, besonders bedrohte Menschen aus dem Nahen Osten von polnischen Familien und Pfarreien betreuten zu lassen. Wobei es vorrangig darum gehe, unterstreicht Weihbischof Krzysztof Zadarko, jene aufzunehmen, die in Polen auch blieben wollten und nicht möglichst schnell nach Westeuropa weiterreisen möchten.
    "Wir dürfen Menschen, die vor Tod und Verfolgung flüchten, nicht im Stich lassen. Wir müssen uns aufgeschlossen zeigen und versuchen herauszufinden, wie wir humanitäre Korridore für diejenigen organisieren können, die den Willen äußern, in Polen zu bleiben. Das ist nicht so selbstverständlich, wenn die Mehrheit der Flüchtlinge, wenn natürlich nicht alle, lieber in westlichen Ländern unterkommen will."
    Keineswegs im Alleingang
    Der Einwand kommt nicht von ungefähr. Denn bereits kurz nach Ausbruch der Krise hatten polnische Pfarreien etwa ein Dutzend Flüchtlinge betreut. Allerdings nur kurze Zeit. Die Betroffenen, so heißt es, seien vermutlich wegen der zu erwartenden weitaus besseren Sozialleistungen schnell Richtung Westen aufgebrochen. Genau dem wollen die Initiatoren der geplanten Hilfsaktion nunmehr vorbeugen. Die von der Kirche jetzt geplante Maßnahme, soll außerdem keineswegs im Alleingang durchgeführt werden, wie Pawel Rytel-Adrianik Pressesprecher des polnischen Episkopats betont:
    "Die Kirche will in Fragen der Flüchtlinge nicht auf eigene Faust - also ohne mit dem Staat zusammenzuarbeiten - handeln. Die Fragen der sozialen Sicherheit garantiert der Staat, aber seitens der Kirche kommt die konkrete Umsetzung. Die Federführung übernimmt die Caritas, die in circa fünftausend Pfarrgemeinden in Polen vertreten ist. Die Caritas wird dann mit dem Staat in den Fragen der Flüchtlinge zusammenarbeiten, wenn es um Volontariat und Hilfe in verschiedenen Bereichen geht."
    Caritas im Nahen Osten hilft bei der Auswahl der Flüchtlinge
    Die Büros der katholischen Hilfsorganisation Caritas im Libanon, Jordanien, Syrien und im Irak würden bei der Auswahl der bedürftigsten Familien helfen, ergänzt der Vorsitzende des Bischöflichen Rates für Migration Krzysztof Zadarko. Inwieweit die Maßnahme mit der polnischen Regierung bereits geklärt wurde, ist nicht bekannt. Genauso wenig wie die Antwort auf die Frage, wie viele Menschen tatsächlich aufgenommen werden sollen. Nach Informationen der polnischen katholischen Nachrichtenagentur dürfte es sich allerdings nur um eine relativ kleine Gruppe von Flüchtlingen handeln. Was wiederum Widerstände innerhalb der nationalkonservativen Regierung erheblich senken dürfte.