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StartseiteSport Aktuell"Es muss ein Wunder geschehen"15.01.2021

Eishockey-Präsident Fasel zur WM"Es muss ein Wunder geschehen"

Belarus ist noch Co-Gastgeber der Eishockey-WM im Mai. Für weltweite Empörung sorgten freundschaftliche Umarmungsfotos des belarussischen Diktators Lukaschenko mit dem Präsidenten des Eishockey-Weltverbandes René Fasel. In einem Interview mit der ARD-Sportschau verteidigt Fasel das umstrittene Treffen. Die WM wird der Weltverband wohl dennoch verlegen.

Von Robert Kempe

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Rene Fasel spricht und hält seine Hände gefaltet. (picture alliance / ASSOCIATED PRESS | Nikolai Petrov)
IIHF-Präsident René Fasel beim Gespräch in Belarus (picture alliance / ASSOCIATED PRESS | Nikolai Petrov)
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Er kenne Lukaschenko seit über dreißig und habe auch schon mit ihm Eishockey gespielt, erklärt der Präsident der Internationalen Eishockey-Föderation, René Fasel, die herzlich wirkenden Umarmungen mit dem belarusischen Diktator Lukaschenko. Im Interview mit der ARD-Sportschau verteidigt Fasel die Reise. Es sei darum gegangen, die WM zu retten. "Mit diesen Bildern von dieser Umarmung, die im Osten sehr üblich ist seit vielen Jahren und besonders unter Leuten aus meiner Generation und seiner Generation. Ich würde sagen, dass so eine Umarmung gleich einem Handschlag ist. Und dann hat dieser Shit Storm natürlich alles wieder in Frage gestellt."

Der umstrittene Präsident von Belarus, Alexander Lukaschenko (l.) und der Präsident des Eishockey-Weltverbands, René Fasel, begrüßen sich herzlich bei einem Treffen in Minsk am 11. Januar 2021. (www.imago-images.de) (www.imago-images.de)Umstrittener Gastgeber - Lukaschenko hält an Eishockey-WM fest
Seit Monaten fordern Sportler, Politiker und Menschenrechtler, Belarus die Eishockey-WM im Frühling zu entziehen. Machthaber Lukaschenko will davon nichts wissen und machte das jetzt bei einem Treffen mit IIHF-Präsident Fasel deutlich.

"Wir wollten die Chance nutzen"

Trotz großen Drucks hat der Weltverband Belarus bisher die WM nicht entzogen. Obwohl Machthaber Lukaschenko rigoros gegen sein eigenes Volk vorgeht. Eine schon im Dezember geplante Reise, musste Fasel, der seit 1994 Präsident des Weltverbandes ist, wegen einer COVID-19-Infektion absagen. Experten hatten Fasel vor einer Reise nach Belarus gewarnt. Der wehrt sich dagegen, naiv gehandelt zu haben.

"Wir waren nicht da - noch einmal - um mit Präsident Lukaschenko Wodka zu trinken und irgendwie zu feiern. Wir wollten diese Chance nutzen, mit einem kleinen Prozentsatz vielleicht etwas zu erreichen, wo wir vielleicht eine Änderung, wenigstens einen Dialog zwischen der Opposition und der Regierung von Belarus verschnellern können."

Können nichts fordern

Neben organisatorischen Punkten habe man Infektionsschutzmaßnahmen besprochen. Aber auch die politische Situation im Land habe man diskutiert. Lukaschenko, so Fasel, hätte sich offen und dialogbereit gezeigt:

"Noch einmal: Wie kann ein internationaler Eishockey-Verband wie wir etwas politisch fordern von Präsident Lukaschenko? Sicher nichts. Das ist auch nicht unsere Aufgabe. Es ist nur ein Teil der Sicherheit. Die Sicherheit muss ein Bestandteil der WM sein. Wir können ja nicht erlauben, dass da Tausende von Demonstranten während einem Eishockeyspiel da sind, das geht ja nicht."

Durch die Kritik und den Druck der letzten Tage ist aber auch Fasel zu der Einsicht gelangt, dass der Verband nur schwer an der WM in Belarus festhalten kann:

"Ich muss es sagen. Ich könnte fast sagen, es muss ein Wunder geschehen."

In den nächsten Tagen will die IIHF endlich eine Entscheidung verkünden.

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