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StartseiteWirtschaftsgesprächRegierung will E-Autos als Dienstwagen fördern01.08.2018

ElektroautosRegierung will E-Autos als Dienstwagen fördern

Elektroautos sind immer noch eine Seltenheit auf deutschen Straßen. Da hilft auch die E-Auto-Prämie nicht. Heute unternimmt die Bundesregierung einen neuen Versuch, den Verkauf von E-Autos anzukurbeln, der interessant sein könnte, wie Silke Hahne berichtet. Aber es gibt auch Kritik.

Silke Hahne im Gespräch mit Christine Heuer

Eine Stromtankstelle steht am 24.03.2017 in Stuttgart (Baden-Württemberg) an einem Parkplatz an einer vielbefahrenen Straße. (picture-alliance / dpa / Lino Mirgeler)
In Zukunft mehr Elektroautos auf deutschen Straßen? (picture-alliance / dpa / Lino Mirgeler)
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Christine Heuer: Was hat die Regierung vor?

Silke Hahne: Sie will Elektroautos und Hybridautos als Dienstwagen stärker bei der Steuer begünstigen. So geht es aus einem Gesetzentwurf hervor, den das Finanzministerium heute ins Kabinett einbringt und der dem Deutschlandfunk vorliegt. Konkret geht es um die Einkommenssteuer – die zahlen wir ja alle. Wer nun aber einen Dienstwagen oder auch ein Dienstfahrrad hat und das auch privat fährt, der muss diesen privaten Vorteil zusätzlich versteuern. Dafür wird monatlich ein Prozent des Listenpreises seines fahrbaren Untersatzes angerechnet. Wer nun in Zukunft ein batteriebetriebenes Dienstauto fährt, oder eins mit Verbrenner-Motor und Batterie – der muss nur noch ein halbes Prozent dieses Listenpreises versteuern – im Vergleich zum Verbrenner also die Hälfte. Allerdings gibt's eine Einschränkung: Das gilt nur für Autos, die zwischen 2019 und Ende 2021 zugelassen werden, also drei Jahre lang.  

Heuer: Einen Dienstwagen fahren die wenigsten Arbeitnehmer. Ist das überhaupt relevant, wenn die Regierung hier etwas ändert?

Hahne: Ja, schon. Denn Unternehmen stehen für knapp 65 Prozent der Pkw-Neuzulassungen in Deutschland. Selbst wenn man jetzt noch die Autovermieter, die Händler und die Eigenzulassungen der Autobauer herausrechnet: Dann bleiben immer noch eine Menge Autos übrig, hat mir Ferdinand Dudenhöffer vom CAR-Institut der Uni Duisburg erklärt:

"Firmenfuhrparks sind ein wichtiger Kunde: So 20 Prozent der Fahrzeuge in Deutschland gehen in Firmen als Dienstwagen. Wenn alle ersetzt würden durch Elektroautos, hätten wir im Jahr 600.000 Elektroautos auf einen Schlag."

Zum einen also würde die absolute Zahl wachsen, die Sichtbarkeit von Elektro- und Hybridautos; dadurch vielleicht auch der Druck steigen, eine Infrastruktur aufzubauen. Zum zweiten ist das aber auch für Privatleute relevant: Viele Dienstwagen landen nach einem bis drei Jahren auf dem Markt für Gebrauchtwagen und werden dann an private Kunden verkauft. Und zwar gelegentlich für wesentlich weniger Geld als ein Neuwagen kosten würde. Damit rechnet auch Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer - er sagte der Deutschen Presse-Agentur zu der Gesetzesänderung: Damit könne sich auch ein reger Gebrauchtwagenmarkt etablieren. E-Fahrzeuge würden dadurch preiswerter und für eine breite Kundengruppe interessanter.

Heuer: Summa summarum also: Eine sinnvolle Gesetzesänderung?

Hahne: Nun ja, es gibt schon kritische Punkte. Zum einen verzichtet der Staat in den kommenden Jahren auf fast zwei Milliarden Euro Steuereinnahmen, damit rechnet das Finanzministerium zumindest laut Gesetzentwurf. Effektiver wäre es, glaubt der Auto-Professor Ferdinand Dudenhöffer, die Kraftstoffsteuer für Diesel auf den Satz für Benzin anzuheben – das spült Geld in die Staatskasse und könnte zu einem Umschwenken bei Firmen führen – rund zwei von drei Firmenwagen sind nämlich Diesel. Aber auch Umweltschützer sind mit dem Entwurf nicht d'accord. Weil auch Autos gefördert werden, deren Batterie nur für ganz kurze Strecken reicht, nämlich die erwähnten Hybridautos. Weil die mit zusätzlichem Sprittank eine viel größere Reichweite haben, so befürchtet es Gerd Lottsiepen vom ökologischen Verkehrsclub Deutschland, werden Unternehmen auch überwiegend diese Autos kaufen: 

"Wir wissen aber, dass diese Fahrzeuge nur relativ wenig rein elektrisch fahren. Die fahren vor allen Dingen eben auch weitere Strecken auf Autobahnen mit dem Verbrennermotor – und verbrauchen entsprechend ihrer Größe und entsprechend auch, wie sie gefahren werden, viel Sprit."

Er fordert deshalb geringere Fördersätze für Hybride - und außerdem, dass das neue Gesetz auch auf Fahrräder und E-Bikes angewandt wird. Das wäre, rein ökologisch betrachtet, zielführender.

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