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StartseiteForschung aktuellElgin ist gestopft18.05.2012

Elgin ist gestopft

Schaden für Unternehmen größer als für die Umwelt

Umwelt. - In dieser Woche konnte der französische Öl- und Gaskonzern Total-Fina das Leck in seiner Nordsee-Förderplattform Elgin schließen. Über 50 Tage lang strömte dort Erdgas aus. Was bedeutet das für die Umwelt. Der Umweltexperte Hans-Jochen Luhmann vom Wuppertal-Institut Klima, Umwelt, Energie zieht im Gespräch mit Arndt Reuning eine Bilanz.

Hans-Jochen Luhmann im Gespräch mit Arndt Reuning

Die Elgin-Gasplattform des französischen Energiekonzerns Total in der Nordsee (picture alliance / dpa / Total)
Die Elgin-Gasplattform des französischen Energiekonzerns Total in der Nordsee (picture alliance / dpa / Total)
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Reuning: Herr Luhmann, lassen sich die Umweltfolgen denn schon abschätzen?

Luhmann: Das scheint mir ziemlich klar zu sein. Sofern die Angaben, die der Betreiber Total zu dem Vorfall gemacht hat, [stimmen], geht es um zunächst 200.000 Kubikmeter Gas pro Tag [Im Interview sprach der Gesprächspartner versehentlich von Tonnen, die Redaktion], und in der Zusammensetzung wird es im wesentlichen Methan gewesen sein. Es ist eine oberflächliche, also über der Wasseroberfläche befindliche Austrittsstelle, und insofern ist es im Wesentlichen keine Beeinträchtigung der Meeresumwelt, sondern es geht im Wesentlichen um den Treibhauseffekt.

Reuning: Weiß man denn ungefähr, wie viel Glas innerhalb dieser 50 Tage ausgetreten ist?

Luhmann: Es geht in der Summe um einen Treibhauseffekt von etwa einer Viertel Millionen Tonnen CO2-Äquivalent.

Reuning: Es geht also um Treibhausgase. Kann man denn die Methanmenge vergleichen mit einem Industriebetrieb, mit dem Ausstoß an CO2?

Luhmann: Ja, das kann man. Das entspricht etwa den Betriebsemissionen einer mittelgroßen Erdölraffinerie. Also das ist deutlich kleiner als ein großes Kohlekraftwerk, aber es ist eine Industrieanlage, die dort, aber eben nur begrenzt für zwei Monate emittiert hat.

Reuning: Das Elgin-Unglück in der Nordsee ist der einzige Vorfall dieser Art bisher gewesen?

Luhmann: Es gibt einen sehr prominenten Fall in der Nordsee. Wo allerdings nicht eine in Betrieb befindliche Fördersituation, sei es Öl oder Gas, außer Kontrolle geraten ist, sondern es ist... beim Erschließen einer Quelle ist man zufällig auf eine Gasblase sehr oberflächennah gestoßen, und die ist sozusagen dann hochgegangen und das hat einen Krater [gegeben]. Und dort ist in der Nähe, auch vor Aberdeen, eine wirklich große Quelle, und das seit 20 Jahren, am sprudeln. Da geht es also um deutlich größere Mengen.

Reuning: Wer haftet denn eigentlich für solch einen Unfall?

Luhmann: Ja, das ist eine sehr interessante Frage. Die Klimahaftung ist dummerweise nicht korrekt geregelt worden, wir hatten ja festgestellt, es geht um die Größenordnung einer mittleren Raffinerie. Normalerweise ist für die Emission einer mittleren Raffinerie der Raffineriebetreiber zuständig. Das untersteht dem EU-Emissionshandel, also müsste er gegenwärtig zehn Euro pro Tonne CO2 zahlen. Hier aber hat man es so gemacht, dass man die Verantwortung bei den jeweiligen Staat gelassen hat, weil es eben ein Unglücksfall ist. Und die Regelung des Unglücksfalls hat man nicht vorgenommen. Also ist der britische Staat verantwortlich. Und das ist eben eine delikate Situation. Der Betreiber hat das Know-how, was da wirklich ausgetreten ist, am besten. Er ist berichtspflichtig dem britischen Staat und der britische Staat hat einen Vermögensschaden. Das heißt, das Betreiberinteresse und das Interesse des britischen Staates gegenüber den aufsichtführenden Institutionen der Europäischen Gemeinschaft und der UN-Klimakonvention, sind, dass sie das eher niedrig einschätzen wollen. Und genau das ist etwas, was politisch zu regeln ist. Da muss genauer hingeschaut werden.

Reuning: Von welchem Betrag sprechen wir denn hier ungefähr?

Luhmann: Er ist relativ klein, wie auch die Mengen relativ klein sind. Total gibt ja an, dass der Aufwand, bzw. Verlust – man muss sicher mal klarmachen: CH4, Erdgas, ist ein Vermögensgegenstand, wenn der rausbläst, dann entgeht einem das als Verkaufsmenge. Also die sprechen von Aufwand oder Verlust in der Größenordnung von 300 Millionen Euro. Wenn Sie den Klimaschaden hoch bewerten mit etwas längerfristig geltenden Werten für die Treibhausgasemission, dann kommen Sie auf fünf Millionen. Als es handelt sich bei dem Klimaschaden relativ zu dem geschäftlichen Schaden um einen sehr kleinen Betrag.

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