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StartseiteCorsoDie Kosten des Ruhms27.05.2019

Elton-John-Biopic „Rocketman“Die Kosten des Ruhms

Elton John gehört zu den Musikern mit den am meisten verkauften Tonträgern weltweit. Mit seinen extravaganten Bühnenoutfits wurde der schwule Pianist, Sänger und Entertainer zum Markenzeichen. In „Rocketman“ werden nun auch die dunkleren Seiten seines Lebens erzählt - das Meisterwerk eines Biopics.

Von Hartwig Tegeler

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Taron Egerton als Elton John und Jamie Bell als Bernie Taupin in schrillen Bühnenkostümen (www.imago-images.de)
Ein Ausschnitt aus der Musiker-Biographie "Rocketman" (www.imago-images.de)
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Irgendwann sagt ein Plattenmanager - da wird langsam und dann immer schneller klar, dass dieser Musiker ein Star werden wird - hochschießen wie eine Rakete, bei diesen Songs, bei dieser Bühnenpräsenz -, der Mann sagt in "Rocketman" zu Elton:

"Und bitte: Nimm nur keine Überdosis!"

Dem Drogentod entkommen

Dem Drogentod ist er gerade noch entkommen, obwohl er zugedröhnt einmal versuchte, sich im Swimmingpool zu ertränken. Was kommt, nach den ersten Erfolgen, das wusste Elton John - in "Rocketman" großartig gespielt von Taron Edgerton, der übrigens auch alle Songs singt - Elton John wusste wohl, was da kommt.

"Es wird ein wilder Ritt."

Und auch diese Frage liegt unter "Rocketman" wie eine schwelende Lunte.

"Wie wird aus einem kleinen dicken Jungen ein Rockstar?"

Star-Druck und ein zwielichtiger Manager

Dexter Fletcher hat einen Film gedreht, der die alte These am Fallbeispiel erzählt, dass jeder Star ein Borderliner ist, ein Zerrissener, ein Enttäuschter, der daraus in aller Widersprüchlichkeit seine Kreativität schöpft, aber eben immer auf der Kante lebt. Konsequenterweise beginnt "Rocketman" damit, dass Elton John in einer dieser irren Verkleidungen, die er auf der Bühne trug, und zwar in diesem Fall eine mit Teufelshörnern - Achtung: "Dämonen" - , in eine Gruppe von Anonymen Alkoholikern stürzt, sich zu seiner Sex-, Alkohol- und Drogensucht bekennt und dann, dann sehen wir seine Geschichte in Rückblende.

Ein Opener, der diesen "Lady-Di-Candle-in-the-Wind-Gut-Mensch-Glamour-Kitsch", der Elton John in den letzten Jahren umgeben hat, mit einem Faustschlag zur Seite wischt und stattdessen erzählt, wie ein schwuler Junge, der unter der mangelnden Liebe seiner Mutter und seines Vaters litt, ein großer Künstler wurde, allerdings in Gefahr lief, wie viele andere vor und viele andere nach ihm, zerrieben zu werden zwischen der eigenen tragischen Leidensgeschichte, dem Star-Druck und einem zwielichtigen Manager.

"Das Problem ist, dass du nie irgendwie versucht hast, mich zu verstehen. Und was ich alles durchleben musste. Feuern hätte ich dich sollen, als du Schluss gemacht hast mit mir."

Das Problem war, dass Elton John mit John Reid eine Beziehung führte - was in diesem Mainstream-Film übrigens zu einer ganz und ganz unverklemmten schwulen Sex-Szene führt. Später erweist sich die Liebe zwischen dem Musiker und seinem "Verwalter" als kapitalistisches Ausbeutungsverhältnis.

"Du hast einen Vertrag mit mir seit vielen Jahren. Ich kassiere meine 20 Prozent auch dann noch, wenn du dich längst umgebracht hast."

Die Abgründe des Musikgeschäfts

Doch Dexter Flechters Film "Rocketman" schafft es auf ziemlich geniale Weise, die Abgründe des Musikgeschäfts zu zeigen und doch gleichzeitig die Faszination der Musik Elton Johns und ihrer Entstehung aus den Texten von Songwriter Bernie Taupin – Jamie Bell spielt ihn – spürbar, aber auch hörbar werden zu lassen.

"Rocketman" ist mit anderen Worten ein Musiker-Biopic - und das ist keineswegs selbstverständlich in diesem Genre -, das Bilder für das findet, was der Film erzählt. Wo in einem der ersten fulminanten Bühnenauftritte Elton Johns das "Abheben", das wir ja manchmal bei Musik empfinden, sprichwörtlich wird: Elton fängt an zu schweben und das Publikum mit ihm.

Eine wunderbare, aber vor allem in dieser Erzählung über Musik überzeugende visuelle Idee. Dazu gehören dann auch wenige Musical-Szenen, weil auch die eine visuelle Form dafür finden, um deutlich zu machen, wie im ganzen Leben des Elton John – helle wie lichte Seiten – die Grenze zwischen den Songtexten und dem realen Leben auf surreal-phantastisch-tragische Weise verschwimmen.

"Ich hatte die Melodie komplett im Kopf. Ich sah die Noten vor mir und musste sie nur noch ausschreiben."

"Rocketman" ist das Meisterwerk eines Musiker-Biopics. Lustvoll in seiner Musikalität, realistisch in seinen dunklen Seiten, wenn es um die Kosten des Ruhms geht.

Letzter Song im Film "I'll Still Standing". Elton John hat überlebt. Keine Überdosis. Im Nachspann sind übrigens Bilder vom realen Elton John alias Reginald Kenneth Dwight mit Ehemann und Kindern zu sehen. Und dazu zu lesen der Satz, dass er, Elton John, jeden Tag zählt, den er weiter "clean" ist.

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