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StartseiteKultur heuteWarum wird immer noch analog fotografiert?30.06.2020

Endlich mal erklärtWarum wird immer noch analog fotografiert?

Schnell gemacht, schnell verschickt - und im Zweifelsfall auch schnell wieder gelöscht: Digitale Fotos haben viele Vorteile. Warum fotografieren manche Künstler und Künstlerinnen trotzdem weiterhin analog?

Von Carsten Probst

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Rotlicht Dunkelkammer Fotografie 14.2.13 (picture alliance / dpa / Thomas Frey)
Aufregend und nur analog möglich: Eine Fotografin entwickelt ihr Bild selbst (picture alliance / dpa / Thomas Frey)
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Oft spielt sicherlich der handwerkliche Prozess eine Rolle, das händische Selbermachen-Wollen von Bildern: Die Bildentwicklung soll nicht von einem Apparat übernommen, sondern Teil des höchstpersönlichen Ausdrucks bleiben. Manchmal mag auch Nostalgie hineinspielen; auch die Faszination, ein Bild zum zweiten Mal zu entdecken, wenn es dann aus der Entwicklung kommt.

Technische Gründe, gerade bei Schwarz-Weiß-Fotografien, sind beispielsweise mitunter die Grauwerte, die auf digitalen Bildern häufig nicht ganz so differenziert gelingen, wie gewünscht. Für manch einen Kritiker schafft Digitalität gar keine eigene fotografische Ästhetik, sondern imitiert nur das Fotografische.

Nur kalte Daten?

Was für die einen gerade der große Reiz und Gewinn der Digitalität ist, ist so für andere ein ewiger Makel. Historisch ähnelt das mitunter den Vorbehalten, die der Fotografie im 19. Jahrhundert von Seiten der traditionellen Künste entgegengehalten wurden - als nur die Malerei als authentischer Ausdruck von künstlerischer Realität akzeptiert wurde und die Fotografie als seelenloses Zufallsbild galt. Digitale Fotografie gilt entsprechend heute im Vergleich zur analogen nur als kalte Benutzeroberfläche von Daten, die eigentlich ausdruckslos sind. Darüber kann man streiten, zu hören ist dieser Vorwurf aber immer noch recht oft. 

Ist digital besser als analog?

Die Digitalisierung hat der Fotografie zweifellos neue Möglichkeiten eröffnet. Aber ist sie dadurch auch besser geworden? Das hängt stark davon ab, was auf welche Weise fotografiert wird. Die vollständig automatisierte Aufnahme mit Autofokus, Zeit- und Entfernungswahl und anschließender automatischer Farbstufenbearbeitung hat auf Dauer schon etwas Ermüdendes. Aber es gibt mittlerweile auch ganz puristische Digital-Kameras ohne Monitor-Bildschirm, die so konzipiert sind, dass sie dem Fotografen oder der Fotografin eben nicht mehr alles abnehmen. Dennoch: Fotografie, die den Blick herausfordert, gibt es in der digitalen Welt trotz aller Manipulationsmöglichkeiten nicht häufiger als in der analogen. 

Auf einem aufgeschlagenen Kunstlexikon liegt eine Brille (picture-alliance / chromorange / Angelika Maroch) (picture-alliance / chromorange / Angelika Maroch)Spezialwissen der Kultur - Endlich mal erklärt Postdramatik? Dystopie? Keine Ahnung. Jede Kulturszene pflegt ihre Fachausdrücke, weil sie griffig sind und zutreffend. Wir erklären endlich mal die Begriffe der Spezialsprachen und antworten auf Fragen, die man sich vielleicht nicht zu stellen traut. Denn Arroganz war gestern.

Das Fotografieren hat sich unter dem Einfluss des Digitalen verändert; aber zwangsläufig besser geworden sind die Ergebnisse damit noch nicht. Insbesondere bei Aufnahmen von Personen oder Landschaften bleibt der Gedanke fesselnd, dass ein Bild durch die direkte Konfrontation - durch die Anwesenheit der Situation - entstanden ist. Das berührt viel mehr, als wenn man weiß, dass am Ende eigentlich nur eine Übersetzung digitaler Daten zu einem Bild zu sehen ist. 

Macht der Bilder gebrochen

Oft ist zu lesen, dass Bilder durch ihre massenweise Verbreitung im digitalen Zeitalter immer mächtiger geworden seien. Das gilt es zu hinterfragen. Vielleicht ist nämlich genau das Gegenteil der Fall, denn das einzelne Bild bedeutet eigentlich fast gar nichts mehr.

Das digitale Zeitalter ist das Zeitalter, in dem die Macht der Bilder endgültig gebrochen ist, weil sie unendlich austauschbar, manipulierbar und reproduzierbar umherschwirren. Vielleicht gibt es auch deshalb bei manchen die Sehnsucht nach einer Rückkehr zum analogen Bildermachen: Um den Bildern wenigstens ein wenig ihrer alten Macht des subjektiven Ausdrucks zurückzugeben.  

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