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Energiepolitik Wärmewende im Heizungskeller

Mit 113 Millionen Tonnen CO2 sind Privathaushalte der drittgrößte Verursacher der Gesamtemissionen. Eine Fachtagung in Berlin beschäftigt sich nun mit der Frage, wie die Energiewende auch im heimischen Heizungskeller ankommen kann.

Von Verena Kemna | 28.01.2014

Noch sind in Deutschland etwa zwei Drittel des Gebäudebestands ohne Dämmung, gerade jede fünfte Heizungsanlage entspricht den energetischen Anforderungen, die Potenziale auf dem Wärme- und Klimamarkt sind immens, heißt es beim Bundesindustrieverband Deutschland für Haus- Energie- und Umwelttechnik. Eine Einschätzung, die auch die neue Bundesumweltministerin Barbara Hendricks (SPD) teilt. Vor Vertretern der Fachverbände hat sie sich für eine schnellere Wende auf dem Wärmemarkt ausgesprochen. Schließlich sollen bis 2050 alle Gebäude in Deutschland klimatechnisch neutral sein. Doch bis dahin ist es noch ein langer Weg. Dabei hängen Energie- und Wärmewende eng miteinander zusammen. Gefordert sei eine Politik aus einem Guss, so die Bundesumweltministerin Barbara Hendricks.
"Es geht um eine systemische Politik für den Gebäudesektor und ich bin optimistisch, dass wir genau das erreichen werden, jetzt, wo die Zuständigkeiten für Bau und Umwelt in einem Haus vereint sind und wo sich Wirtschaftsministerium und Umwelt- und Bauministerium gemeinsam um ordnungsrechtliche Anforderungen in Energieeinspargesetze und Energieeinsparverordnung kümmern werden."
Auch die neue Bundesregierung werde das Gebäudesanierungsprogramm fortsetzen und ausbauen. Bereits in den vergangenen vier Jahren seien eineinhalb Millionen Heizungsanlagen gefördert worden. Ein anderer Schwerpunkt sei die Energieberatung. Komplexe technische Anforderungen und finanzielle Förderinstrumente seien für jeden Hauseigentümer eine echte Herausforderung.
Eine systematische Energieberatung ist der Zündschlüssel der Wärmewende, weil es häufig gar nicht an Investitionsbereitschaft fehlt und erst recht nicht an guten und passenden Angeboten. Woran es aber fehlt, ist der Überblick.
Der Bund werde die Energieberatung stärken, verspricht Bundesumweltministerin Barbara Hendricks. Was sie den Anwesenden Experten bei der Wärmekonferenz nicht versprechen kann, sind steuerliche Anreize für die Finanzierung von energetischen Sanierungskonzepten. Die Bundesumweltministerin verweist auf den Koalitionsvertrag.
"Zum Beispiel hat sich die Koalition auf steuerliche Maßnahmen welcher Art auch immer nicht verständigt. Deswegen kann ich ihnen hier keine Aussichten bieten. Es kann sein, vier Jahre sind lang, dass sich das nochmal ändert, aber versprechen kann ich es ihnen nicht, weil dort der kleinste gemeinsame Nenner war, wir ändern gar nichts."
Abschreibungsmöglichkeiten oder andere steuerliche Anreize sind also vorerst nicht zu erwarten. Dennoch hofft Andreas Lücke, Hauptgeschäftsführer des Bundesindustrieverbands für Haus- Energie- und Umwelttechnik, dass die Energiewende künftig mehr als bisher zu einer Wärmewende wird.
"Der Klimaschutz ohne den Wärmemarkt funktioniert nicht. Im Wärmemarkt liegen die größten CO2-Minderungspotenziale überhaupt. Und daher gehen wir davon aus, dass die Bundesumweltministerin sich als unsere Verbündete erweist."
Günter Merz, Geschäftsführer vom Gebäude-Klima-Fachverband, verweist auf die Potenziale in öffentlichen Gebäuden:
"Wenn Sie an die ganzen Krankenhäuser denken, an Hotels, an Universitäten, wo riesige gebäudetechnische Anlagen drin sind, die stammen zum großen Teil noch aus den 70er-Jahren und hier besteht ein enormer Sanierungsbedarf. Und wenn wir an den nicht rangehen, dann kriegen wir auch die Energiewende nicht in den Griff."