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StartseiteUmwelt und VerbraucherBorkum bekommt ein "smartes" Rathaus25.03.2019

Energieverbrauch in kommunalen GebäudenBorkum bekommt ein "smartes" Rathaus

Rathäuser, Kindergärten und Schulen: Gebäude in kommunaler Hand sind oft alt und energetisch nicht immer auf dem neuesten Stand der Technik. Dabei lässt sich nicht nur mit Wärmedämmung, sondern auch schon mit einem intelligenten Gebäudemanagement Energie sparen. Wie das geht zeigt die Modellkommune Borkum.

Von Felicitas Boeselager

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Die Luftaufnahme zeigt Borkum, die größte der ostfriesischen Inseln im Nationalpark Niedersächsisches Wattenmeer (dpa)
Intelligentes Heizen auf der Insel - eine besondere Herausforderung für die Modellkommune Borkum, die mit einem "smarten" Rathaus Vorbild sein will (dpa)
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Wer über den knarzenden Holzboden des über 100 Jahre alten Rathauses von Borkum geht, dem fällt sicher nicht der Begriff "Smart Rathaus" ein. Aber genau das soll das Rathaus jetzt werden: Smart. Durch die Digitalisierung soll Energie gespart und die Umwelt geschont werden, erklärt der stellvertretende Bürgermeister Frank Pahl: "Das betrifft Wärme-Kälte-Versorgung und Verteilung, Lüftung, Klimatisierung zum Beispiel, Beleuchtung innen und außen, Heizung."

Das Projekt wird von der deutschen Umwelthilfe und dem Bundesumweltministerium gefördert. Sie haben deutschlandweit fünf Städte ausgewählt, mit denen sie ein Modell für Kommunen in ganz Deutschland entwickeln wollen, erzählt Steffen Holzmann, der das Projekt bei der DUH betreut. "Es ist ja auch so, dass beim Klimaschutz insgesamt, das Thema Gebäude ein ganz großes ist, die Wärmewende, wie wir sie bezeichnen, ist ein noch deutlich dickeres Brett als die Energiewende und gerade an der Stelle haben wir versucht einzuhaken und eben diesen kleinen Kommunen zu helfen sich selbst zu helfen."

Energieersparnis durch automatisiertes Heizen von Gebäuden

Kleinen Kommunen fehlt häufig das Wissen und das Personal, um sich mit neuen Technologien auseinanderzusetzen, sagt Holzmann. Eine kluge Automatisierung kann Kommunen dann aber entlasten: "In den meisten Kommunen ist es zum Beispiel so, dass der Hausmeister zu Beginn der Winterferien einmal durch die Gemeinde fährt und Heizungen in den Sparbetrieb schaltet und am Ende der Ferien kurz vorher wieder seine Runde dreht und die Heizungen wieder nach oben fährt. Das ist natürlich im Prinzip schon mal in die richtige Richtung gedacht. Es ist aber so, dass für kürzere Unterbrechungen ein solcher manueller Betrieb nicht wirtschaftlich ist." So werden manche Gebäudeteile zum Beispiel auch außerhalb der Ferien nicht durchgängig gebraucht. Um das zu lösen könnte man dem Steuerungssystem einen Nutzungsplan zur Verfügung stellen. Bestenfalls, sagt Holzmann, schone die Automatisierung die Umwelt und den Geldbeutel der Kommune.

In den fünf Modellkommunen wurden jeweils drei verschiedene Gebäude ausgewählt. In Borkum sind es das Rathaus, der Kindergarten und eine Schule geworden. An anderen Orten wurden aber zum Beispiel auch ein Festsaal und ein Schwimmbad in das Projekt aufgenommen. So erhofft sich die Deutsche Umwelthilfe ein besonders vielfältiges Testfeld. "Bei Borkum war es zum Beispiel die Insellage, die uns durchaus interessiert hat, weil man hier einfach wie in einem Labor Dinge ausprobieren kann, die man in einer vernetzteren Kommune, die stärker an einen Landkreis und somit an Nachbarkommunen angebunden ist, so gar nicht machen kann."

Besondere Herausforderung in Borkum: Der Denkmalschutz 

Für die Borkumer stellt das Rathaus eine ganz besondere Herausforderung dar, sagt Frank Pahl: "Ja, das ist ein Spagat zwischen Moderne und denkmalgeschützten Gebäude, aber dem Denkmalschutz muss natürlich auch Rechnung getragen werden, gerade bei solch einem Gebäude." So können hier zum Beispiel nicht überall neue, energiesparende Fenster eingebaut werden. Ein Problem, das sicher viele Kommunen haben. Trotzdem lässt sich sparen, sagt Holzmann: "Bei Gebäuden, die eine Verwaltungs- oder Schulcharakteristik haben, sind es im Bereich elektrische Energie zwischen 15 und 20 Prozent, die gegenüber dem Standard eingespart werden können, beim Heizbetrieb sogar bis zu 30 Prozent. Das klingt jetzt erstmal nicht nach viel, es hat aber den großen Vorteil, dass ich das machen kann ohne die Heizungsanlage auszutauschen oder ohne die Wände zu dämmen. Das heißt diese Spareffekte kommen noch oben drauf."

Frank Pahl hofft, dass Borkum auf diese Weise zum Vorbild für andere Gemeinden wird: "Natürlich mit dem Ziel diese Ergebnisse dann auch  auf die anderen 10.000 kleineren und mittleren Kommunen zu transportieren, wir werden dann hier Leuchtturm sein und auch hoffentlich eine entsprechende Außenwirkung haben."

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