Montag, 30.11.2020
 
Seit 02:30 Uhr Zwischentöne
StartseiteUmwelt und VerbraucherDas Aus für das AKW Philippsburg31.12.2019

EnergiewendeDas Aus für das AKW Philippsburg

Mit dem Jahresende kommt auch das Aus für das AKW Philippsburg, das vorletzte noch laufende Atomkraftwerk in Baden-Württemberg. 35 Jahre war der Meiler in Betrieb – nicht immer pannenfrei. Trotzdem freut sich nicht jeder über die Abschaltung von Philippsburg 2.

Von Thomas Wagner

Hören Sie unsere Beiträge in der Dlf Audiothek
Das Kernkraftwerk Philippsburg im Jahre 2011 (dpa / picture-alliance / Uli Deck)
Block 2 des Kernkraftwerks Philippsburg war 35 Jahre in Betrieb (dpa / picture-alliance / Uli Deck)
Mehr zum Thema

Rüsten gegen den Blackout Unsichere Stromversorgung in Zeiten der Energiewende

Energiemanagement Blackout - Wie sicher ist die deutsche Stromversorgung?

Hitzewelle AKW Grohnde geht vom Netz - Weser zu warm

Den ersten Block des Atomkraftwerks (AKW) Philippsburg hatte der Betreiber Energie Baden-Württemberg AG  (EnBW) bereits im März 2011 vom Netz genommen. Mit der Abschaltung von Block 2 lässt sich EnBW bis zum letztmöglichen Tag Zeit - allerdings ein paar Stunden kürzer, als gesetzlich erlaubt gewesen wäre.

Umweltminister verspricht Versorgungssicherheit

Bereits am Wochenende feierten Atomkraftgegner vor dem AKW eine Abschaltparty. Auch in der vom grünen Ministerpräsidenten Winfried Kretschmann geführten baden-württembergischen Landesregierung herrschte zumindest Erleichterung. In einer per Video verbreiteten Stellungnahme sagte Umweltminister Franz Untersteller von den Grünen: "Wenn ein Kernkraftwerk abgeschaltet wird, dann nehmen erst einmal die Risiken, die mit dieser Technologie verbunden sind ab."

Auch wenn mit der Abschaltung von Philippsburg 2 in Baden-Württemberg 13 Prozent des dort erzeugten Stroms auf einen Schlag wegfallen, sei die Versorgungssicherheit laut Untersteller gewährleistet - durch einen Maßnahmenmix aus Stromimport, einer stärkeren Erzeugung von erneuerbaren Energien und einem verstärkten Netzausbau.

Der importierte Strom stammt jedoch zu einem überwiegenden Teil aus Frankreich, das seinen Strom noch zu 70 Prozent durch Kernenergie erzeugt. Das ist nur ein Argument derjenigen, die das Abschalten von Philippsburg und die Energiewende insgesamt ablehnen. Sie verteidigen den Atomstrom als die umweltfreundlichste Energieform.

Von Anfang an in der Kritik

Kritik am AKW Philippsburg gab es jedoch von Beginn an, denn der Meiler steht im Oberrheingraben, einem erdbebengefährdeten Gebiet. Zudem gab es immer wieder Pannen. Zuletzt kam 2016 heraus, dass ein Notsystem nicht richtig funktionierte und der Reaktor gegen externe Störungen nicht ausreichend gesichert sei.

Nach der Abschaltung von Philippsburg 2 sind noch sechs AKW in Deutschland in Betrieb, für die wird Ende 2022 das Aus kommen. Dann könnte Deutschland vom Netto-Stromexporteuer zum –importeuer werden. Zumal der notwendige Ausbau erneuerbarer Energien, insbesondere der Bau von Windrädern, ins Stocken geraten ist – in Baden-Württemberg unter anderem durch die Klage von Umwelt- und Tierschützern gegen weitere Windkraftanlagen.

Das könnte sie auch interessieren

Entdecken Sie den Deutschlandfunk