
Vor allem die wirtschaftliche Dynamik hat den weltweiten Ausbau erneuerbarer Energien zuletzt stark beschleunigt. Weltweit fließt etwa vier- bis fünfmal so viel Kapital in erneuerbare Energien wie in neue Kohle-, Gas- und Atomkraftwerke zusammen.
Uruguay, das 2008 eine schwere Energiekrise erlebte, verfügt dank eines damals entwickelten Plans nahezu vollständig über grünen Strom. In Pakistan und Uganda treiben vor allem die Bürgerinnen und Bürger durch Eigeninitiativen den Ausbau voran. In China wächst die Kapazität an erneuerbaren Energien längst rasant. Und selbst in den USA, wo Präsident Trump die Förderung fossiler Brennstoffe unterstützt, gehen einzelne Bundesstaaten ganz andere Wege.
Inhalt
Verschiedene Wege zu erneuerbaren Energien
Welche erneuerbaren Energien genutzt werden, ob Wasser-, Wind oder Solarenergie, ist von Land zu Land verschieden. China etwa baut vor allem Solar- und Windkapazitäten im Rekordtempo aus. Das ist politisch gewollt und verschafft dem Land zugleich technologische Vorteile. Den Weltmarkt für Solarmodule beherrscht China inzwischen zu über 90 Prozent.
In den USA setzt Präsident Donald Trump zwar auf mehr die Förderung fossiler Energie. Viele US-Bundesstaaten – darunter auch konservative wie Texas – treiben aber dessen ungeachtet den Ausbau von Wind- und Solarenergie massiv voran, weil es profitabel ist.
In Uruguay hat ein überparteilicher Konsens den erneuerbaren Energien nach der Energiekrise 2008 den Weg bereitet. Das Land deckt seinen Strombedarf inzwischen fast zu 100 Prozent aus erneuerbaren Quellen, vor allem aus Wasserkraft, Wind und Biomasse.
In Nigeria ersetzen Solaranlagen zunehmend teure und lautstarke Dieselgeneratoren. Äthiopien erzeugt rund 96 Prozent seines Stroms aus Wasserkraft, vor allem durch den großen Nil-Staudamm, und exportiert bereits grünen Strom in Nachbarländer.
In Pakistan haben sich angesichts hoher Strompreise Bürger und Landwirte in Eigeninitiative mit privaten Solaranlagen ausgestattet. Geholfen hat dabei, dass die Importpreise für chinesische Solarmodule drastisch gesunken sind. Der dezentrale Boom zwang dann den Staat, Stromnetz- und Steuerregeln anzupassen.
Herausforderungen und Probleme beim Ausbau der Erneuerbaren
Ein Hemmnis beim Ausbau der erneuerbaren Energien ist oft das bestehende Stromnetz. So auch in Deutschland, wo der Ausbau der Stromtrassen nicht so schnell vorankommt, wie es nötig wäre. So kommt es gerade bei starkem Wind zu Netzengpässen.
Ähnliche Probleme hat China, wo riesige Stromleitungen quer durch das Land gebaut werden, weil ertragreiche Standorte für Wind- und Solarenergie wie Wüsten oder windreiche Regionen meist fernab der Industrie- und Ballungszentren liegen. In Äthiopien erreicht der grüne Strom des Nilstaudamms die Hälfte der ländlichen Bevölkerung nicht, weil Anbindungen fehlen.
In Pakistan wiederum verliert der staatliche Energieversorger Kunden, weil es einen Boom bei den dezentralen privaten Dachanlagen gibt. Die Fixkosten des öffentlichen Netzes müssen auf die weniger werdenden verbleibenden Kunden umgelegt werden.
Durch den Ausbau der erneuerbaren Energien und die Elektrifizierung des Verkehrs entstehen auch neue Abhängigkeiten. China beherrscht den Markt für Solarmodule und besitzt dort ein Quasi-Monopol. Ähnlich sieht es bei Batterien etwa für E-Autos aus, wo auch China technologisch führend ist. Hier kann eine technische Abhängigkeit von chinesischen Herstellern etwa bei Ersatzteilen und Wartung entstehen.
Energiebedarf durch KI: Warum Rechenzentren die Wende bremsen
Eine besondere Herausforderung stellt in einigen Ländern der Ausbau der Künstlichen Intelligenz dar. Diese erfordert riesige Rechenzentren, die viel Energie verschlingen und Wasser für die Kühlung benötigen. Hinzu kommt die Elektrifizierung des Verkehrs. Da der Ausbau der erneuerbaren Energien kurzfristig damit nicht Schritt halten kann, setzen Länder wie China vorübergehend weiter auf fossile Energieträger wie Kohle.
Als Lösung wird auch der Ausbau der Atomenergie immer wieder propagiert. Da der Bau eines Kernkraftwerks aber zwischen 15 und 20 Jahren dauert, ist das keine Lösung für KI-Rechenzentren, die jetzt gebaut werden. Wind- und Solaranlagen gelten dagegen als schneller realisierbar, da ihre Planungs- und Bauzeiten in der Regel deutlich kürzer sind.
Elektromobilität und Stromnetz: Wie Erneuerbare genutzt werden
Aus Wind, Sonne, Wasserkraft und Biomasse wird vor allem Strom erzeugt. Der wird zur Versorgung von Gebäuden und Haushalten, für Kühlung und Wärme eingesetzt. Auch im Individualverkehr gewinnt Strom an Bedeutung. Der Umstieg auf Elektrofahrzeuge schreitet rasant voran.
In China sind bereits 60 Prozent aller neu verkauften Autos elektrisch oder Hybridfahrzeuge. Zudem stellen Kommunen weltweit ihre Busflotten auf E-Busse um. Auch im Lkw- und Schwerverkehr nimmt die Elektrifizierung allmählich zu.
Fossile Energien: Wo Erdöl, Erdgas und Kohle unersetzlich bleiben
Erdöl, Erdgas und Kohle sind aber weiter gefragt. Noch immer stammen rund 80 Prozent des weltweiten Energieverbrauchs aus fossilen Energieträgern. Denn erst seit gut 20 Jahren hat die Welt angefangen, sich davon unabhängig zu machen.
In Ländern wie den USA ist der Großteil der Bevölkerung mangels flächendeckender Alternativen weiter auf benzinbetriebene Autos angewiesen, um den täglichen Arbeits- und Einkaufsweg zu bewältigen. Auch im Schwer- und Güterverkehr bleibt Erdöl bislang die wichtigste Energiequelle. Selbst in Ländern wie Uruguay macht der Erdölimport vor allem für den Verkehr und die Industrie nach wie vor rund 35 Prozent des gesamten Energiemixes aus.
Auch für energieintensive Prozesse in der Industrie und in Großanlagen wie etwa Erdölraffinerien bleiben fossile Energieträger weiterhin als Prozessenergie und Rohstoff im Einsatz. Und in Ländern mit unzureichender oder teurer Strominfrastruktur greifen viele Haushalte zum Kochen und Heizen weiter auf fossile Brennstoffe zurück – beispielsweise in Pakistan auf Flüssiggas oder in ländlichen Regionen Äthiopiens auf Petroleum und Holzkohle.
Onlinetext: Klaus Gürtler; Quellen: Deutschlandfunk





















