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StartseiteKalenderblattEntdecker der Neuen Welt20.05.2006

Entdecker der Neuen Welt

Vor 500 Jahren starb Christoph Kolumbus

Christoph Kolumbus war nicht der erste Europäer, der Amerika entdeckte. Die Wikinger waren vor ihm da, vielleicht auch bretonische Fischer. Doch erst Kolumbus Fahrten veränderten die Welt. Er selbst wollte von einem neuen Kontinent nichts wissen. Noch auf dem Sterbebett bestand er darauf, in Indien gewesen zu sein.

Von Ulrike Rückert

Eine undatiertes Porträt von Christoph Kolumbus. (AP Archiv)
Eine undatiertes Porträt von Christoph Kolumbus. (AP Archiv)

Als Christoph Kolumbus am 20. Mai 1506 im spanischen Valladolid starb, nahm die Welt keine Notiz davon. Sein Ruhm war verblasst, er war in Ungnade gefallen. Andere erforschten das Land, das er entdeckt hatte. 1492 hatte Kolumbus den westlichen Seeweg nach Asien gesucht, doch nicht nur als neuen Handelsweg. Er war als Eroberer ausgefahren, das bezeugen die Titel und Ämter, die er Königin Isabella abgerungen hatte: Don Christopher Columbus, Admiral des Ozeanischen Meeres auf Lebenszeit, Vizekönig und Generalstatthalter auf jedem Stück Festland und jeder Insel, die ich entdecken werde.

Auch zehn Prozent aller Profite aus diesen Ländern waren ihm zugesichert. Hätte er Erfolg gehabt, wäre der Wollwebersohn aus Genua zu den Herren der Welt aufgestiegen: Gold ist vortrefflich. Mit Gold häuft man Schätze an; wer Gold hat, erreicht auf Erden, was er will. Und wenn Gott unser Herr nicht widerspricht, befördert es die Seelen ins Paradies.

So brach er mit drei Schiffen und rund 100 Mann auf, um China zu unterwerfen. Und mit einer Ladung Glasperlen, Blechglöckchen und roter Mützen wollte er die Reichtümer Indiens einhandeln. Die Absurdität des Unterfangens war niemandem bewusst. Doch bekanntlich traf Kolumbus nicht auf die Armeen des Kaisers von China, sondern auf die nackten Bewohner karibischer Eilande. Monatelang jagte er von Insel zu Insel auf der Suche nach Gold, nach den Marmorpalästen und Handelshäfen, von denen Marco Polo berichtet hatte: kein König, keine Stadt. Dörfer, lausige Dörfer. Erbärmliche Hütten, Fischernetze.

Und vor allem: kein Gold. Bescheidene Schmuckstücke, etwas Goldsand, sonst nichts. Dennoch kehrte Kolumbus im Triumph zurück und erklärte, er habe Indien entdeckt. Die spanischen Könige schickten ihn sofort wieder aus, diesmal mit 17 Schiffen, um eine Kolonie zu gründen. Wieder suchte er nach Beweisen dafür, dass er Asien gefunden hatte. Bartolomé de Las Casas, der Chronist der Conquista, schrieb dazu:

"Es ist bemerkenswert, wie ein Mensch, wenn er sich nur etwas zutiefst wünscht und fest daran glaubt, in allem Gesehenen oder Gehörten eine Bestätigung findet."

Vor der Küste von Kuba versuchte Kolumbus im Juni 1494, Tatsachen selbst zu schaffen:

"Und du wirst jeden, der mit uns segelt, aufrufen. Du wirst sie einzeln fragen, ob sie daran zweifeln, dass dieses Land der indische Kontinent sei. Da wird ein jeder dies mit einem heiligen Eid bekräftigen. Ein Eid, der für die Ewigkeit gilt! Wer ihn bricht, wird schwer bestraft werden."

Mit Kolumbus begann die Versklavung und Vernichtung der Bevölkerung. Doch auch Gewalt zauberte kein Gold herbei. Die spanische Kolonie auf der Insel Hispaniola geriet außer Kontrolle, Rückkehrer erhoben in Spanien schwere Vorwürfe gegen den Vizekönig. Isabella wartete ungeduldig auf das versprochene Gold. Als Ersatz schickte Kolumbus Sklaven, doch das hatte Isabella verboten. Im Herbst des Jahres 1500 wurde Kolumbus in Ketten nach Spanien gebracht und aller Ämter enthoben. Eine letzte Entdeckungsfahrt sollte ihn rehabilitieren, sie wurde ein Albtraum aus Fieber, Sturm und Schiffbruch.

Krank und verbittert kämpfte Kolumbus in seinem letzten Lebensjahr um seine Titel und Privilegien. Die Abfindung mit einer kastilischen Grafschaft lehnte er ab. Er steigerte sich in religiöse Wahnideen, hielt sich für das auserwählte Werkzeug Gottes.

"Ich schenkte dem König und der Königin die indischen Lande, und ich sage, ich schenkte sie ihnen, denn durch den Willen Gottes gab ich sie ihnen, so als gehörten sie mir."

Dass Kolumbus nicht Indien, sondern einen unbekannten Kontinent entdeckt hatte, sprach Amerigo Vespucci als Erster öffentlich aus:

"Denn in jenen Gegenden habe ich einen Kontinent gefunden, der dichter besiedelt und von mehr Tieren bewohnt ist als unser Europa, als Asien oder Afrika. Wir können ihn mit gutem Recht 'Neue Welt' nennen."

Nach Amerigo Vespucci, der die Küste Südamerikas erkundete, wurde die Neue Welt benannt. Christoph Kolumbus war vergessen.

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