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StartseiteComputer und KommunikationEntlohnung für die Blogger31.07.2010

Entlohnung für die Blogger

Was sogenannte Social-Payment-Dienste bieten

Internet.- Schöpfer von Internetinhalten, die dem Nutzer kostenlos zur Verfügung gestellt werden, scheitern häufig an der Refinanzierung ihrer Arbeit. Nun soll eine neue Möglichkeit für klingende Kassen bei den Netzproduzenten von Text, Video und Audio sorgen.

Von Jan Rähm

Sogenannte Social-Payment-Dienste versprechen faire Vergütung für die Autoren und wenig Aufwand für die Konsumenten. (AP)
Sogenannte Social-Payment-Dienste versprechen faire Vergütung für die Autoren und wenig Aufwand für die Konsumenten. (AP)

Social Payment heißt ein neues verheißungsvolles Konzept, das Bloggern, Podcastern und auch jeder anderen freien Form digitalen Publizierens eine Vergütung für die geleistete Arbeit einbringen soll. Bisher konnten die Internet-Publizisten in erster Linie nur mit Werbung Geld verdienen. Jedoch haben dabei kleinere Anbieter meist das Nachsehen gegenüber den Großen im Netz, die den Bärenanteil der Werbe-Etas für sich verbuchen können. Außerdem fürchten viele von ihnen, sich durch Werbung abhängig zu machen, erklärt der Berliner Blogger und Podcaster Tim Pritlove.

"Viele Sachen, da funktioniert Werbung einfach nicht gut. Für kleinere Anbieter ist Werbung auch noch mal besonders anstrengend, weil man das eben auch überhaupt nicht unter Kontrolle hat und in gewisser Hinsicht ist es auch so, wenn ich etwas nach Außen sende und nach Außen kommuniziere, dann wird die Werbung ja auch Teil meiner Botschaft."

Dank Social Payment sollen all jene, die digital Inhalte veröffentlichen ihre Unabhängigkeit wahren und trotzdem für ihre Arbeit bezahlt werden können. Und das geht so: Sowohl der Konsument als auch der Veröffentlicher melden sich bei einem Dienst-Anbieter an. Wobei jeder angemeldete Nutzer gleichzeitig Geld empfangen kann, aber auch welches ausgeben muss. So soll verhindert werden, dass es reine Nutznießer der Systeme gibt. Einmal angemeldet, hinterlegt man eine Summe X, von der monatlich ein festgelegter Betrag an die Produzenten digitaler Inhalte geht. Wer wie viel bekommt, bestimmt jeder Nutzer selbst. Will er jemanden vergüten, klickt er auf eine speziell gekennzeichnete Schaltfläche auf dessen Webseite. Das Geld wird dabei gleichmäßig unter allen verteilt, auf deren Schaltflächen man gedrückt hat. Aktuell gibt es in Deutschland mit "Flattr" und "Kachingle" zwei aktive Dienste, die die Verteilung jeweils aber ein wenig unterschiedlich vornehmen. Wie, das erklärt Jörg Eisfeld-Reschke vom Institut für Kommunikation in sozialen Medien, kurz Ikosom in Berlin:

"Bei Kachingle ist es so, dass ich einmal zustimme, diese Seite zu unterstützen und dann trackt die Seite mich. Jedes mal, wenn ich auf diese Seite drauf gehe, merkt dieser Dienst das. Flattr macht das anders. Die bekommen immer dann Daten, wenn ich auf einen Flattr-Button draufdrücke. Das heißt aber auch, ich muss jedes mal, wenn ich einen Inhalt unterstützen möchte, drauf klicken auf den Flattr-Button. Und da wird man sehen, welcher Ansatz funktionieren wird. Beziehungsweise glaube ich, dass beide Dienste dann noch daran arbeiten müssen, es den Nutzern noch einfacher zu machen, eine Seite zu unterstützen."

Einen ersten Eindruck des so erzielbaren Einkommens haben die Seitenbetreiber Anfang des Monats mit der Juniabrechnung des Dienstes Flattr bekommen. Die Höhe der Zahlungen unterschied sich erheblich. Weithin bekannte Blogs und Podcasts konnten einige Hundert Euro für sich verbuchen. Die Tageszeitung TAZ, die als erstes klassisches Medium am Social Payment teilnimmt, durfte sich über fast 1000 Euro freuen. Viele andere Blogger mussten sich mit ein- oder zweistelligen Beträgen zufrieden geben. Manchmal mit weniger, als sie selbst bezahlt haben. Bedenkt man zudem, dass die Dienste noch nicht öffentlich nutzbar sind, entsteht der Eindruck, als würden Blogger für Blogger zahlen, das Geld quasi nur im Kreis herumreichen.

"Es ist im Moment so, dass die Blogger die Early Adopters sind. Ich glaube aber, dass sich die Situation ändern wird, dass es eben nicht mehr nur die Blogger sind, die Geld im Kreis herum drehen. Es wird mit Sicherheit sich verändern, wenn erst mal eine große News-Seite oder eine große Musik-Seite oder eine große Sportseite Social Payment bei sich integrieren. Weil damit erreicht man noch einmal ganz andere Nutzer, als in dem Social-Media-Kreis, in dem es im Moment zirkuliert."

Es gibt jedoch Befürchtungen, dass in dem Moment, in dem die ganz großen Medien auf den Social-Payment-Zug aufspringen, sich die Vergütungen für die kleinen deutlich verringern werden. Tim Pritlove ist anderer Meinung.

"Also ich denke nicht, dass wir das so schnell erleben werden, dass die großen Medien auf Micropayment umsteigen. Das ist so meine persönliche Erwartung, weil sie ja noch ganze andere Business-Modelle haben. Aber wenn es passiert, dann wäre es eben eher gut, weil das Beste, was natürlich für so ein Nanopayment-System passieren kann, ist, dass möglichst viele Leute das nutzen. Und umso mehr Medien es gibt, die sagen: 'Hier, das ist ein Vergütungsmodell und wenn ihr uns unterstützt wollt, dann seid doch dabei', umso mehr sind natürlich dann auch mit im Boot. Und das kann dann eben für kleinere Anbieter nur gut sein, wenn möglichst viele Leute einen Account haben und den dann auch entsprechend zum Einsatz bringen, wenn sie eben wirklich mal auf was anderes stoßen als die großen Medien, die sie sonst verwenden."

Praktisch betrachtet ist die Integration von Flattr oder Kachingle auf einer Internetseite schnell erledigt. Doch auch wenn die Zahlungen über Social-Payment-Systeme häufig als Spenden bezeichnet werden - für den deutschen Fiskus sind es Einnahmen wie jede andere auch. So stellen das Bundesministerium der Finanzen sowie die Berliner Senatsverwaltung unmissverständlich fest, dass Einkünfte via Flattr, Kachingle und Co regulär zu versteuern seien. Doch bevor diese Frage auf breiter Front relevant wird, muss sich Social Payment erst einmal durchsetzen.

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