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StartseiteKalenderblattEnttäuschte Hoffnungen15.08.2008

Enttäuschte Hoffnungen

Vor 60 Jahren wurde die Republik Korea ausgerufen

Der Zusammenbruch des japanischen Imperialismus nach dem Zweiten Weltkrieg nährte auch die Hoffnungen der 35 Jahre von Japan beherrschten Koreaner auf einen eigenen Staat. Vor 60 Jahren, am 15. August 1948, riefen sie im Süden der Halbinsel die Republik Korea aus. Doch das Land sollte erneut zum Spielball fremder Mächte werden.

Von Barbara Geschwinde

Die Wiederannäherung beider koreanischen Staaten verläuft bis heute nur zögerlich.  (AP)
Die Wiederannäherung beider koreanischen Staaten verläuft bis heute nur zögerlich. (AP)

"Doch nun sind wir wiedervereint, endlich eine einzige Schar von Brüdern und Schwestern wie einst! Ein frischer Frühling weht über die alte Waffenstillstandslinie: heute, da prunkend und vom Jubel erhebend die Azaleen blühen, an diesem hell gleißenden Tag, hier auf diesem in Jahrzehnten ausgedörrten, so lange vereisten Stück Erde gehen freudvollen Herzens die Söhne und Töchter aus Süd und Nord aufeinander zu."

Eine Utopie des koreanischen Dichters Ko Un über die Wiedervereinigung von Nord- und Südkorea. Die so genannte Teilungsliteratur ist ein eigenes literarisches Genre im zweigeteilten Staat. Begonnen hatte die Spaltung der Nation bereits im Zweiten Weltkrieg. Auf der Konferenz von Kairo 1943 stellten die USA, Großbritannien und China dem koreanischen Volk, das von 1910 bis 1945 japanische Kolonie war, die Souveränität in Aussicht - "zu gegebener Zeit". In Jalta einigten sich Stalin und Roosevelt auf eine internationale Treuhandschaft für Korea, das am 38. Breitengrad in zwei Einflusszonen geteilt wurde. Noch vor dem offiziellen Ende des Zweiten Weltkrieges in Asien marschierte die Sowjetunion am 10. August 1945 in Nordkorea ein und machte am 38. Breitengrad Halt. Eine Teilung, die Parallelen zur deutschen Geschichte aufweist, aber auch Unterschiede deutlich macht, wie der Koreanist Albrecht Huwe erläutert:

" Der erste ist natürlich der Koreakrieg, es hat also ein Bruderkrieg zwischen Nord- und Südkorea stattgefunden, der jetzt natürlich, bei dem Zusammenkommen der beiden Staaten als großes Hindernis im Weg steht. Ein weiterer Unterschied war der, Deutschland war vor und nach dem Zweiten Weltkrieg eigenverantwortlich ein Akteur der Weltgeschichte, aber Korea war das nicht, sondern es war japanische Kolonie und war gewissermaßen nur ein Anhängsel in Anführungszeichen der japanischen Nation und ist einfach nur so in diese Entwicklungen mit hineingezogen worden und ist aber mit der Teilung hart bestraft worden. "

Die amerikanisch-sowjetische Kommission zur Bildung einer provisorischen Regierung hatte nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges keine Einigung erzielen können. So wurde Korea zu einem Schauplatz des Kalten Krieges.

Nordkorea boykottierte die von den Vereinten Nationen für ganz Korea anberaumten Wahlen für eine verfassungsgebende Versammlung, die darum nur in dem von den US-Truppen besetzten Südkorea abgehalten werden konnten. Nach Ausarbeitung einer Verfassung wurde am 15. August 1948 die Republik Korea proklamiert.

" Der 15. August ist für koreanische Geschichte ein sehr wichtiger Tag, einmal weil nach dem Mondkalender ein traditionelles Fest gefeiert wird, das ist so das Erntedankfest, so von der Funktion her wie bei uns Weihnachten und Neujahr zusammen. Das nach dem Mondkalender, aber nach dem Sonnenkalender ist der 15. August eben die Befreiung von der japanischen Kolonialherrschaft und nicht umsonst hat man dann den 15. August 1948 genommen um damit auch den Neuanfang des Südkoreanischen Staates ins Gedächtnis zu rufen. "

Im Norden der koreanischen Halbinsel bemühte sich die Sowjetunion um die Errichtung eines Satellitenstaates. Am 9. September 1948 wurde dann dort die Volksdemokratische Republik Korea gegründet; als Reaktion auf die Gründung Südkoreas. 1950 überschritten nordkoreanische Truppen den 38. Breitengrad und eroberten den größten Teil Südkoreas. UN-Truppen drängten die nordkoreanische Armee zurück - bis zur nordkoreanisch-chinesischen Grenze. Mit chinesischer Unterstützung rückte die nordkoreanische Armee wieder bis zum 38. Breitengrad vor. Drei Jahre später - am 27. Juli 1953 beendete ein Waffenstillstandsvertrag den Krieg. Er bestätigte den Frontverlauf als De-facto-Grenze der beiden Teile Koreas.

Eine Wiederannäherung beider Staaten verläuft bis heute nur zögerlich. Beide Teile ringen um einen Friedensvertrag. Der Wille zur Wiedervereinigung ist das gemeinsame Ziel beider Staaten und des einen koreanischen Volkes, auch wenn die verstreichende Zeit dazu führt, dass sich beide Staaten in vielen Bereichen auseinander entwickeln.

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