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StartseiteMusikjournal"Man ist viel offener geworden"14.01.2019

Entwicklung der Musikwissenschaft "Man ist viel offener geworden"

Die Musikwissenschaft kann in Deutschland nicht nur auf eine lange akademische Karriere verweisen, sie ist sogar ein deutsches Gewächs. Heute gehe es in der Disziplin vor allem darum, einen kulturwissenschaftlichen Ansatz zum Verstehen von Musik zu entwickeln, sagte die Musikwissenschaftlerin Melanie Wald-Fuhrmann im Dlf.

Melanie Wald-Fuhrmann im Gespräch mit Raoul Mörchen

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Notenbaltt von Wolfgang Amadeus Mozart (imago stock&people)
Mittlerweile seien in der Musikwissenschaft viele Teildisziplinen hinzugekommen, sagt Melanie Wald-Fuhrmann. "Man ist viel offener geworden, was Kanon und Repertoire angeht". (imago stock&people)
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Die Musikwissenschaft hat sich von Deutschland und Österreich aus als Disziplin ausgebreitet. Wann und wo und wie die Musikwissenschaft anderorts Wurzeln geschlagen hat und wieweit diese Wurzeln zurückreichen zu den deutschen Ursprüngen, das war vor zwei Jahren Gegenstand eines musikhistorischen Symposiums in Mainz – die Ergebnisse liegen jetzt in: "Wege zur Musikwissenschaft – Gründungsphasen im internationalen Vergleich" vor, herausgegeben von Stefan Keym und seiner Kollegin Melanie Wald-Fuhrmann. 

Melanie Wald-Fuhrmann, Direktorin des Max-Planck-Instituts für empirische Ästhetik  (dpa/ picture alliance/ Andreas Arnold)Melanie Wald-Fuhrmann, Direktorin des Max-Planck-Instituts für empirische Ästhetik (dpa/ picture alliance/ Andreas Arnold)

Die vergleichsweise junge Disziplin gebe es seit den 1880er-Jahren, erklärte Wald-Fuhrmann im Dlf. 1898 habe der österreichische Musikwissenschaftler Guido Adler an der Universität Wien das erste musikwissenschaftliche Institut gegründet. Die Zeit sei allgemein eine Zeit der disziplinären Ausdifferenzierung gewesen. "Einer der Ableger war die Musikwissenschaft." Dass Leipzig und Wien zur damaligen Zeit die großen Zentren der Musikwissenschaft waren, sei kein Zufall gewesen, so die Musikwissenschaftlerin. Schon Mendelssohn habe in Leipzig in seine Idee des Musikkonservatoriums akademische Lehrveranstaltungen zur Musiktheorie, Musikgeschichte und Musikästhetik integriert. 

"In Wien war es ähnlich. Eine Stadt, wo Musik ungeheuer wichtig ist." Viele Musiker, die selbst nicht mehr aktiv gewesen seien, hätten angefangen, sich für alte Quellen zu interessieren. Daraus seien Sammlungen entstanden. "Und Sammlungen müssen dann natürlich erforscht werden". Damit war um 1900 der Weg zum Studium der Musikwissenschaft geebnet. Die theoretische Grundlage für die Disziplin habe "Gründungsvater" Guido Adler dann mit seinem kanonischen Text "Umfang, Ziel und Methode der Musikwissenschaft" geschaffen. Darin unterteilte er das Fach in die Teildisziplinen Historische-, Systematische- und die Vergleichende Musikwissenschaft. "Die Dreiteilung des Faches ist in Deutschland und Österreich nach wie vor präsent", so Wald-Fuhrmann.

Mittlerweile seien aber auch viele Teildisziplinen hinzugekommen: "Man ist auch viel offener geworden, was Kanon und Repertoire angeht."

Äußerungen unserer Gesprächspartner geben deren eigene Auffassungen wieder. Der Deutschlandfunk macht sich Äußerungen seiner Gesprächspartner in Interviews und Diskussionen nicht zu eigen.

Wald-Fuhrmann, Melanie / Keym, Stefan: "Wege zur Musikwissenschaft: Gründungsphasen im internationalen Vergleich", Bärenreiter, 69,99 Euro 

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