Nächster Rücktritt
Epstein-Skandal: Kann sich Großbritanniens Premierminister Starmer im Amt halten?

Die Veröffentlichung der Akten im Fall des US-Sexualstraftäters Jeffrey Epstein hat die britische Regierung in eine Krise gestürzt. Nach dem Stabschef von Premierminister Starmer trat nun auch dessen Kommunikationsdirektor zurück. Muss auch Starmer selbst gehen?

    Der britische Premierminister Keir Starmer spricht im Freien zur Seite.
    Unter Druck: Premierminister Keir Starmer (picture alliance / empics / Jordan Pettitt)
    Die Epstein-Akten belegen enge Kontakte zwischen dem früheren britischen Wirtschaftsminister Mandelson und dem Sexualstraftäter. Erst vor einem Jahr hatte Starmer Mandelson zum Botschafter in den USA ernannt.

    Starmers Stabschef und Kommunikationsdirektor treten zurück

    Starmers Stabschef McSweeney übernahm am Sonntag die Verantwortung dafür und erklärte seinen Rücktritt. Er habe Starmer zur Ernennung von Mandelson als Botschafter in Washington geraten, obwohl er von dessen Freundschaft zu Epstein wusste. Das sei ein Fehler gewesen. Mandelson habe der Labour-Partei, dem Land und dem Vertrauen in die Politik geschadet. Am Montag trat auch Starmers Kommunikationsdirektor Allan zurück.
    Mandelson soll während der Finanz- und Wirtschaftskrise sensible Informationen an Epstein weitergegeben haben. Die britische Polizei hat inzwischen zwei Häuser von Mandelson durchsucht und ermittelt gegen ihn wegen Amtsmissbrauchs.

    Rücktrittsforderungen gegen Starmer nicht nur aus der Opposition

    Der Rücktritt seines Stabschefs McSweeney sollte Premierminister Starmer wohl ein Stück weit aus der Schusslinie bringen, löste in der Fraktion von Labour aber gemischte Gefühle aus. Am Montag soll Starmer vor den eigenen Abgeordneten sprechen.
    Die Chefin der konservativen Tories, Badenoch, forderte Starmer zum Rücktritt auf. Er müsse selbst die Verantwortung für den Skandal übernehmen. Ähnlich äußerte sich der Grünen-Vorsitzende Polanski. Noch schwerer wiegen für Starmer aber Rücktrittsforderungen aus seiner eigenen Partei.

    Wie viel Rückhalt hat Starmer noch?

    Starmer galt schon vor dem Mandelson-Skandal als schwacher Premier und ist bei vielen Wählern unpopulär. In Umfragen liegt Labour seit Längerem deutlich hinter der von dem Rechtspopulisten Farage geführten Partei "Reform UK" zurück. Innerhalb der Fraktion von Labour gibt es deshalb Medienberichten zufolge Überlegungen, Starmer zu stürzen.
    Bisher hat sich allerdings noch kein Kandidat für eine Nachfolge hervorgetan. Starmers ehemalige Stellvertreterin Rayner musste wegen des Verdachts von Steuervergehen zurücktreten. Gesundheitsminister Streeting, dem auch Ambitionen auf Starmers Posten nachgesagt wurden, gilt als Vertrauter von Mandelson.

    "Rücktritt schadet der Wirtschaft"

    Arbeitsminister McFadden von Labour sagte in der BBC, nach den vielen konservativen Premierministern in kurzer Folge werde ein erneuter Rücktritt dem Land schaden: "Wir können nicht alle 18 Monate unseren Premierminister wechseln. Das schadet der Wirtschaft, dem Vertrauen in uns und unserem internationalen Ruf". Unterstützung erhielt Starmer unter anderem auch von Ex-Premierminister Brown.
    Aufschluss über die Hintergründe von Mandelsons Berufung zum Botschafter könnten interne Unterlagen zur Sicherheitsüberprüfung geben. Premier Starmer hat zugesagt, diese so schnell wie möglich offenzulegen.

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    Diese Nachricht wurde am 09.02.2026 im Programm Deutschlandfunk gesendet.