Donnerstag, 06. Oktober 2022

Equal Pay im Fußball
Eine Diskussion wird nicht reichen

Bundeskanzler Olaf Scholz war zu Besuch beim Deutschen Fußball-Bund. Anlass war seine Forderung nach gleichen Prämien für Frauen- und Männerteams des DFB. Die hatte er während der Fußball-EM aufgestellt. Politik und Spielerinnen können nun den Druck hoch halten, meint Andrea Schültke.

Ein Kommentar von Andrea Schültke | 09.08.2022

Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD, l) spricht während eines Besuchs des DFB-Campuses. Bernd Neuendorf, DFB-Präsident sieht ihn von der Seite aus an.
Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD, links) hat während seines Besuchs des DFB-Campuses auch seine Forderung gleicher Prämien für Nationalspielerinnen und -spieler gegenüber DFB-Präsident Bernd Neuendorf (rechts) wiederholt. (Sebastian Gollnow/picture alliance/dpa)
„Wir bleiben hungriger“, erklären die deutschen Fußballerinnen auf der Internet-Seite des DFB. Es ist die Werbung für das erste Heim-Länderspiel der Frauen nach der gelungenen Europameisterschaft. Anfang Oktober geht es in Dresden gegen Frankreich, die Gegnerinnen aus dem EM-Halbfinale. Austragungsort: das Rudolf-Harbig-Stadion mit mehr als 32.000 Plätzen. Das ist schon mal was. Üblicherweise werden die Frauen mit kleinen Stadien abgespeist und mit schlechten Anstoßzeiten, etwa mittags. Deshalb sind sie hungriger - auf Gleichberechtigung im Fußball.

Geht doch!

Beim Länderspiel in Dresden klappt das: Anpfiff 20.30 Uhr, zur besten Sendezeit, übertragen in der ARD. Geht doch! Aber die Spielerinnen sind auch hungriger etwa auf ein Grundgehalt. Damit sie vom Fußball leben und nicht nebenher noch in anderen Jobs Geld verdienen müssen. Hungriger auf professionelle Trainingsbedingungen wie bei den männlichen Kollegen und hervorragende Ausbildungsmöglichkeiten für den weiblichen Fußball-Nachwuchs.
Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) unterhält sich bei seinem Rundgang auf dem DFB-Campus mit der DFB-Vizepräsidentin für Gleichstellung und Diversität, Celia Sasic.
Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) unterhält sich bei seinem Rundgang auf dem DFB-Campus mit der DFB-Vizepräsidentin für Gleichstellung und Diversität, Celia Sasic. (Thomas Boecker/DFB/dpa)
Der EM-Erfolg hat auf allen Ebenen Appetit gemacht auf mehr. Die Frauen haben geliefert – das ist die beste Grundlage um zu zeigen, dass Selbstverständliches fehlt. Dass die Frauen im Jahr 2022 immer noch nicht die gleichen professionellen Rahmenbedingungen haben wie ihre männlichen Kollegen. Von Equal Pay, also den gleichen Prämien für die DFB-Frauen und Männer-Teams, reden die anderen. Und es ist gut, dass sie das tun. So halten die Politiker*innen das Thema aktuell, die Diskussion am Laufen. Und erhöhen den Druck auf den DFB.

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Gut also, dass Olaf Scholz die Einladung des Verbands angenommen hat. Er konnte aber auch gar nicht anders. Erst fordern und dann nicht Handeln wäre ein schlechtes Zeichen gewesen. Dass der Termin so zeitnah nach dem EM-Erfolg kommt, ist wichtig für die öffentliche Wahrnehmung der großen Leistung der Fußballerinnen. Und auch Bernd Neuendorf, der DFB-Präsident, kann gar nicht anders, als Gesprächsbereitschaft zu zeigen.

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Die Diskussion, die er heute angeregt hat, darüber, ob das bisherige Prämiensystem noch zeitgemäß ist, ist allerdings zu wenig und wird nicht reichen. Dafür drücken sowohl Olaf Scholz als auch die hungrigen Fußballerinnen mit ihren Forderungen zu sehr aufs Tempo. Gleiche Bedingungen für die Frauen zu verschleppen wird für den DFB jetzt schwierig. Denn wann immer eine Spielerin in der Zukunft die zu langsame Umsetzung kritisiert, wird sie wahrgenommen und sollte sich nach den heutigen Worten des Bundeskanzlers der Unterstützung aus der Politik sicher sein können.

Ein Signal über den Sport hinaus

Also: Gut, wenn die Fußballerinnen hungriger bleiben und die Politik sogar mehr fordert als die Frauen selbst. Dann kämpfen mehrere Seiten für etwas Selbstverständliches: Gleichberechtigung im Fußball. Und das sendet ein Signal weit über den Sport hinaus. Letztendlich wird sich das Reden auch versilbern. Denn wenn alle Forderungen umgesetzt sind, steht am Ende unweigerlich die gleiche Bezahlung.