Lohngleichheit
Equal Pay Day: Warum Frauen noch immer weniger verdienen als Männer

In Deutschland ist heute der "Equal Pay Day". Der Aktionstag soll darauf hinweisen, dass Frauen im Schnitt noch immer weniger Lohn für die gleiche Arbeit bekommen als Männer.

    Bei einer Pressekonferenz hängt ein Banner mit der Aufschrift "Equal Pay Day - Lohnlücke".
    Frauen verdienen im Schnitt immer noch weniger als Männer - darauf will der "Equal Pay Day" hinweisen. (picture alliance / dpa / Christophe Gateau)
    Im Mittelpunkt des Aktionstages steht die Zahl 16. Nach Berechnungen des Statistischen Bundesamtes ist das aktuell die Lohnlücke zwischen Männern und Frauen in Deutschland. Frauen verdienen im Schnitt 16 Prozent weniger als Männer - konkret heißt das: Frauen bekamen im vergangenen Jahr im Schnitt 4,24 Euro brutto pro Stunde weniger als Männer.

    Wie kommen die 16 Prozent Lohnunterschied zustande?

    Die Statistiker sprechen bei den 16 Prozent von der "unbereinigten Gender Pay Gap". Gemeint ist die reine Lohnlücke zwischen Frauen und Männern. Andere Faktoren wie unterschiedliche Qualifikation, Beschäftigungsumfang oder Karriere-Level werden dabei nicht berücksichtigt.
    Ein Grund für das im Schnitt geringere Lohnniveau bei Frauen ist, dass sie öfter in schlechter bezahlten Jobs arbeiten. Jede fünfte vollzeitbeschäftigte Frau erzielte in Deutschland laut WSI-Institut zuletzt weniger als zwei Drittel des mittleren Entgelts. Frauen sind damit häufiger von niedrigen Löhnen betroffen als Männer. Zudem spielt eine Rolle, dass Frauen häufiger in Teilzeit arbeiten.

    Werden Frauen gezielt diskriminiert?

    Das ist zumindest möglich, denn nach Angaben des Statistischen Bundesamtes lässt sich nur rund 60 Prozent der Lohnlücke mit höheren Teilzeitquoten bei Frauen und mit geringeren Gehältern in frauentypischen Berufen erklären. Doch auch bei vergleichbarer Tätigkeit und Qualifikation ist der Verdienst von Frauen noch immer rund 6 Prozent niedriger als der von Männern. Nach Angaben der Statistiker könnten dahinter zum Beispiel Schwangerschaften oder andere Erziehungs- und Pflegezeiten stecken, die nicht extra erfasst wurden. Oder aber Diskriminierung aufgrund des Geschlechts.

    Wie hat sich die Lohnlücke in den letzten Jahren entwickelt?

    Sie war vor 20 Jahren noch deutlich größer: Im Jahr 2006 lag die Lohnlücke noch bei 23 Prozent. Seit 2015 ist der Durchschnittslohn bei Frauen spürbar stärker gestiegen als bei Männern. Das hat das Wirtschafts- und Sozialwissenschaftliche Institut der gewerkschaftsnahen Hans-Böckler-Stiftung berechnet. Erst im vergangenen Jahr hat sich die Lücke erstmals binnen eines Jahres um zwei Prozentpunkte verringert; Frauen haben im Schnitt deutlich höhere Lohnsteigerungen bekommen als Männer.

    Was unternimmt die Politik?

    Die Politik in Deutschland und in der EU setzt auf Verbote und Transparenz. Eine vom Geschlecht abhängige, unterschiedliche Bezahlung ist verboten. Zudem soll der Einblick in Löhne und Gehälter es Arbeitgebern schwerer machen, Frauen gezielt niedriger zu entlohnen. In Deutschland gilt seit 2017 das Entgelttransparenzgesetz. Kritiker bemängeln allerdings, dass es in der Praxis bisher wenig Wirkung zeigt. Demnächst gibt es auch eine EU-Regelung dazu. Die europäische Entgelttransparenzrichtlinie muss bis Juli dieses Jahres von den Mitgliedsländern - also auch Deutschland - umgesetzt werden. Die Richtlinie sieht unter anderem vor, dass bereits in der Ausschreibung angegeben wird, welches Einstiegsgehalt oder welche Gehaltsspanne vorgesehen ist.

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    Diese Nachricht wurde am 27.02.2026 im Programm Deutschlandfunk gesendet.