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StartseiteForschung aktuellErfolgreiche Lückenfüller26.11.2010

Erfolgreiche Lückenfüller

Rapide Säugetierentwicklung nach dem Ende der Saurier

Paläontologie. - Der Erfolg der Säugetiere steht eng in Verbindung mit dem Aussterben der Dinosaurier. Als die Urzeitriesen vor 65 Millionen Jahren verschwanden, konnten sich die Säuger auf allen Kontinenten ausbreiten – nicht nur zahlenmäßig, sondern auch in ihrer Körpergröße. Aus mausgroßen Tieren wurden im Laufe der Zeit tonnenschwere Lebewesen. Wie es dazu kam, das berichtet heute in internationales Forscherteam im Fachblatt "Science."

Von Michael Stang

Afrikanische Elefanten sind die größten derzeitigen Landsäugetiere. (Dagmar Röhrlich)
Afrikanische Elefanten sind die größten derzeitigen Landsäugetiere. (Dagmar Röhrlich)

Erst als die Dinosaurier am Ende der Kreidezeit vor 65 Millionen Jahren plötzlich vom Erdboden verschwanden, starteten die Säugetiere ihren globalen Siegeszug. Denn plötzlich gab es ausreichend Platz und Futter, sagt Felisa Smith von der Universität von New Mexico in Albuquerque.

"Die Säugetierevolution ging sehr schnell vonstatten. Von Fußballgroßen Tieren entwickelten sie sich innerhalb von 20 Millionen Jahren zu schweren Riesen, die fünfmal so schwer wie heutige Elefanten waren."

Als Rekordhalter unter den Säugetieren gilt Indricotherium, ein früher hornloser Verwandter der Nashörner, mit einer Schulterhöhe von mehr als fünf Metern und einem geschätzten Gewicht von etwa 15 Tonnen. Bislang war nicht geklärt, welche Faktoren diese späte rasante Entwicklung der Säugetiere bestimmten, obwohl sie zum Ende der Kreidezeit bereits 140 Millionen Jahre lang existierten. Smith:

"Die gängige Theorie in den Lehrbüchern ist die, dass die Säugerevolution nur auf Zufall basierte und es keinen spezifischen Grund gab, dass überall auf der Welt die Säugetiere groß und erfolgreich wurden. Bei unseren Hochrechnungen aber sahen wir, dass ein alternatives Szenario viel besser passte: Nach dem Aussterben der Dinosaurier konnten die Säugetiere die plötzlich frei gewordenen ökologischen Nischen besetzen und so lange wachsen bis sie an ihre Grenzen kamen."

Für ihre Studie, die heute im Fachmagazin "Science" erscheint, hatte die amerikanische Biologin Tausende Säugetierzähne untersucht. Diese verraten nicht nur, was ein Tier einst gefressen hat – man kann Pflanzenfresser einfach von Raubtieren unterscheiden - sondern anhand von Zahnform und –größe lässt sich auch auf die einstige Körpergröße schließen. Ihren Daten zufolge gab es auf allen Kontinenten eine rasche Größenzunahme vieler Säugetierarten vor rund 65 Millionen Jahren, direkt nach dem Aussterben der Dinosaurier, so Felisa Smith. Jedoch kamen sie nie annähernd an die Dimensionen heran, die etwa Sauropoden mit ihren 27 Metern Körperlänge erreichten.

"Der erste Faktor ist die Körpertemperatur, die die maximale Körpergröße bestimmt. Hinzukommt die Landmasse, auf der nur eine begrenzte Menge an Nahrung vorkommt. Säugetiere sind gleichwarm und müssen 90 Prozent der Energie ihrer Nahrung dafür aufbringen, dass sie nicht erfrieren oder überhitzen. Reptilien hingegen sind wechselwarm und stecken nur zehn Prozent der Energie in ihren Temperaturhaushalt. Reptilien und Dinosaurier, die vermutlich auch wechselwarm waren, können daher physiologisch betrachtet zehnmal größer als Säugetiere werden."

Das relative warme Klima und die Futtervorkommen begrenzten vermutlich das Wachstum der Landsäugetiere. Gewaltige Größenunterschiede innerhalb der Säuger gibt es zwischen Pflanzenfressern und Fleischfressern, so Felisa Smith.

"Am meisten verblüfft hat mich die Tatsache, dass die Säugetierevolution auf allen Kontinenten nahezu identisch ablief und diese Entwicklung ein wirklich globales Phänomen war. Hinzukommen Entwicklungen innerhalb der Gruppen. Nach dem Aussterben der Dinosaurier gab es noch keine Fleischfresser bei den Säugern, die haben sich dann aber rasch entwickelt. Erstaunlicherweise wurde aber nie ein Fleischfresser schwerer als eine Tonne, egal ob Bär, Löwe oder Tiger. Das muss also deren Maximalgewicht sein, denn in den vergangenen 40 Millionen Jahren hat sich nirgends auf der Welt ein schwererer Fleischfresser entwickelt."

Denn das Jagen, Fressen und Verdauen von Fleisch sei physiologisch betrachtet äußerst aufwändig. Pflanzenfresser haben es da einfacher. Das sei auch der Grund, warum auch heute noch Elefanten oder Nashörner jeden Fleischfresser überragen.

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