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StartseiteCampus & KarriereErfolgreicher, aber seltener als Männer28.07.2008

Erfolgreicher, aber seltener als Männer

Wie Frauen in Deutschland gründen

Frauen in Deutschland gründen immer noch seltener eine eigene Existenz als Männer und das auch in einem späteren Lebensalter. Nur knapp 29 Prozent beträgt ihr derzeitiger Anteil an der Selbständigenquote. Dabei gründen sie durchaus risikobewusster und scheitern weniger als ihre männlichen Mitbewerber. Warum weiß Christiane Friderich von der Bundesweiten Gründerinnenagentur.

Moderation: Kate Maleike

Frauen gründen risikobewusster und scheitern weniger als ihre männlichen Mitbewerber. (Stock.XCHNG / Constantin Kammerer)
Frauen gründen risikobewusster und scheitern weniger als ihre männlichen Mitbewerber. (Stock.XCHNG / Constantin Kammerer)
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Gründersommer

Kate Maleike: Gründen Frauen tatsächlich zögerlicher als Männer oder überlegen sie einfach nur länger, damit es auch tatsächlich hinhaut?

!Christiane Friderich: Sicherlich beides. Also, Frauen sind da schon risikobewusster, zögerlich aus vielen Gründen, einfach auch später. Das ist bedingt durch die Biografie. Also bedingt durch die Tatsache, dass es Kinder gibt oder eventuell Kinder geben wird.

Maleike: Wie unterstützt denn die Gründerinnenagentur? Was machen Sie anders, als zum Beispiel eine normale Existenzgründerberatung, die es ja auch an den Industrie- und Handelskammern gibt?

Friderich: Die Bundesweite Gründerinnenagentur wurde 2004 ins Leben gerufen nach einer Ausschreibung, ist jetzt seit viereinhalb Jahren, wird von drei Bundesministerien gefördert und hat eigentlich übergeordnet einen neutralen Auftrag. Das heißt, wir stellen Informationen zur Verfügung, bündeln die, vernetzen, forcieren bestimmte Themen, wir haben im Gegensatz zu einer Einzelberatung, zum Beispiel bei der IHK, keinen Auftrag, einzelne Gründerinnen zu beraten. Das ist sicherlich der große Unterschied. Und wir haben einen ganz klaren frauenspezifischen Fokus auf alles, was wir tun, denken, schreiben und, ja, publizieren auch, ja.

Maleike: Wie würden Sie denn den Gründergeist derzeit bei den Frauen beschreiben?

Friderich: Ich denke, Frauen sind im Aufbruch. Es gibt auch "Frauen an den Start!", also da gibt es ja genug Initiativen, Frauen oder Gründerinnen werden auch im Moment Fokus der Forschung, da ist Bewegung ins Spiel gekommen und insgesamt ist ja eine ansteigende Tendenz der Gründungen von Frauen auch zu verzeichnen. Das schwankt natürlich ein bisschen immer mit der Konjunktur, aber da ist schon ein Gründergeist auf jeden Fall da.

Maleike: Gibt es denn Boombereiche oder Bereiche, in denen Frauen ganz besonders gut mit eigenen Geschäftsideen Erfolg haben?

Friderich: Ja, auf jeden Fall. Also, das Eine ist, dass wir ja in Richtung einer Dienstleistungsgesellschaft gehen und da fühlen sich Frauen auch aufgehoben. Die gründen weniger in Industrie und Produktion, sondern wirklich in diesem Dienstleistungsbereich. Das ist das Eine. Und das Andere sind klare Märkte. Das ist der Seniorenmarkt der kommt, oder auch der Gesundheits- und Sozialmarkt. Das ist eine ganz große Branche. Und noch als drittes würde ich nennen die Kreativwirtschaft. Da sind Frauen zu Hause und auch in ihrem, das passt dann auch wieder zu diesem Prinzip der Soloselbständigkeit und dieser Freiberuflichkeit auch, die Frauen am häufigsten als Gründungsform wählen.

Maleike: Wir haben vorhin ja schon das spätere Lebensalter angesprochen, aufgrund der Biografie, aufgrund eben der Vereinbarkeit auch von Familie und Beruf gründen die Frauen später. Es gibt aber eine neue Studie des BMBF, dass nun auch bei Studentinnen das Existenzgründertum wieder zunimmt. Wie erklären Sie sich das?

Friderich: Das sind zweierlei Dinge. Also, diese neue BMBF-Studie hat ja zum ersten Mal tatsächlich Studenten und Studentinnen befragt über deren Gründungsneigung, Gründungsaktivität und hat tatsächlich auch festgestellt, da ist eine Offenheit gegenüber dem Thema Selbständigkeit auf jeden Fall da. Das ist das Eine. Ob sie es tatsächlich tun, wird ja in dieser Studie gar nicht so nachgefragt. Also, es ist eine Gründungsoffenheit. Es ist aber tatsächlich so, wenn Frauen dann eine Festanstellung bekommen, gehen sie durchaus auch in eine Festanstellung, können aber dann erleben mit einer Kinderpause, dass es dann schwerer ist, wieder zurückzukehren in den Beruf und dann ist aber eine Selbständigkeit genau das richtige Mittel, um wieder entsprechend seiner Qualifizierung einsteigen zu können.

Maleike: Bekommen Frauen denn, Ihrer Meinung nach, genug Unterstützung auf dem Weg zur eigenen Chefin?

Friderich: Natürlich nicht, sonst würde es uns ja nicht geben. Das ist sicherlich sehr unterschiedlich. Das ist regional sehr unterschiedlich. Und es ist auch so, dass Frauen gar nicht mal unbedingt so einen frauenspezifischen Ansatz für sich selber fahren und sich da schlau machen, was es denn speziell für Frauen gibt, auch an Netzwerken gibt. Da könnte es sicherlich noch mehr geben. Der Bedarf ist von Frau zu Frau oder von Mensch zu Mensch ja auch unterschiedlich an Beratung.

Maleike: Kommen wir noch mal zurück auf die Studentinnen. Sie gehen als Mitarbeiterin der Gründerinnenagentur auch an die Hochschulen und fördern sozusagen diesen Gründergeist auf dem Campus. Da gibt es auch Positives aus den Geisteswissenschaften zu vermelden.

Friderich: Das ist richtig, ja. Wir sind dabei, Veranstaltungen mit Universitäten zu organisieren, die in diese Richtung gehen, die Frauen, die in den Geistes- und Sozialwissenschaften studieren, diese Option der Selbständigkeit nahebringen sollen und einfach auch Lust vermitteln sollen und sie auch motivieren sollen, sich damit zu beschäftigen als eine wirklich machbare Option im Leben.

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