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StartseiteForschung aktuellMeldungen aus der Wissenschaft02.08.2019

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Reformpläne der EU für die Landwirtschaft nicht zukunftsfähig +++ Neue Risikogene für Epilepsie identifiziert +++ Führungskräfte treffen häufig defensive Entscheidungen +++ Die Milchstraße ist keine Scheibe +++ Der Klimawandel erhöht die Wahrscheinlichkeit von Hitzewellen +++ Elf neue Froscharten in Ecuador entdeckt

von Kathrin Baumhöfer

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Neues aus der Wissenschaft - Die Wissenschaftsmeldungen aus "Forschung aktuell" (Deutschlandradio)
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Die Reformpläne der EU für die Landwirtschaft sind nicht zukunftsfähig.

Das Urteil eines internationalen Teams von Forschenden – nachzulesen in der Fachzeitschrift Science – fällt vernichtend aus: Von dem Bekenntnis zu mehr Nachhaltigkeit finde man in den konkreten Vorschlägen gemeinsamer Agrarpolitik nach 2020 nichts mehr wieder. Mehr noch: Die Pläne seien ein Rückschritt im Vergleich zu den Regeln, die bisher gelten, urteilen die Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen.

Sie stützen ihre Aussage auf die Analyse von rund 450 Publikationen. Eine der zentralen Fragen war die nach der Vereinbarkeit der Vorschläge mit den Nachhaltigkeitszielen der UNO.

Darüber hinaus kritisieren die Forschenden, dass die EU Instrumente erhalten wolle, die sich nachweislich als ineffizient, klima- und umweltschädlich und als sozial ungerecht herausgestellt hätten. Als Beispiel nennen sie die Direktzahlungen an Landwirte – rund 70 Prozent des Budgets – die allein auf Grundlage der bewirtschafteten Fläche vergeben werden.

Beschlossen sind die Reformen in der EU-Agrarpolitik noch nicht. Die entscheidende Verhandlungsrunde beginnt im Herbst.

Quelle: iDiv, Science 


Ein Team internationaler Forscher hat neue Risikogene für Epilepsie identifiziert.

Die Krankheit hat viele Formen und Schweregrade, ein Teil davon mit erblichen Komponenten. Die Fälle, die auf dem Defekt eines einzelnen Gens beruhen, sind bereits gut untersucht. Diese Studie konzentrierte sich auf den großen Rest; analysiert wurden die Gene von mehr als 17.000 Menschen von allen Kontinenten.

Die mehr als 200 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler stießen auf seltene und sehr seltene Genvarianten, die mit einer erhöhten Anfallsbereitschaft in Verbindung stehen. Darüber hinaus haben schwere und minder schwere Fälle von Epilepsie ähnliche genetische Merkmale.  

Langfristiges Ziel ist eine möglichst maßgeschneiderte Behandlung von Patientinnen und Patienten.

Quelle: American Journal of Human Genetics


Wenn es um Entscheidungen geht, ist vielen Managern das Hemd näher als der Rock.

Im Fachjargon ist von "defensiver Entscheidung" die Rede – immer dann, wenn jemand eine Entscheidung trifft, die zuallererst dazu dient, sich selbst zu schützen – was nicht immer die beste Option ist, wenn es beispielsweise ums Unternehmen geht.

Das Max-Planck-Institut für Bildungsforschung hat untersucht, wie häufig so etwas vorkommt und dafür anonym 950 Führungskräfte einer öffentlichen Einrichtung befragt. 80 Prozent von ihnen haben nach eigenen Angaben mindestens eine der zehn wichtigsten Entscheidungen im vergangenen Jahr defensiv getroffen. Im Schnitt war etwa ein Viertel der wichtigsten Entscheidungen nicht unbedingt im besten Interesse der Organisation.

Erste Ergebnisse aus DAX-Unternehmen zeigen, dass defensive Entscheidungen hier noch verbreiteter sind, schreiben die Autoren im Fachmagazin Business Research.

Als wesentliche Faktoren werden vor allem der Umgang mit Fehlern und die Kommunikation im jeweiligen Unternehmen genannt.

Quellen: MPIB, Business Research 


Auch die Milchstraße ist keine Scheibe.

Nach den Berechnungen polnischer Forscher und Forscherinnen lässt sich das jetzt beweisen. Sie haben unsere Heimatgalaxie in 3D kartiert – und damit bestätigt, was bislang nur vermutet werden konnte: Von oben betrachtet ist die Milchstraße spiralförmig – von der Seite aber ist diese Spirale zwar flach, aber leicht geschwungen und sieht aus wie ein sehr lang gezogenes "S" das auf der Seite liegt.

Für ihre Berechnungen – nachzulesen im Fachmagazin Science – nutzten die Astronomen vor allem Messwerte der Cepheiden: junge Riesen-Sonnen, die in der Milchstraße liegen und um ein Vielfaches heller leuchten als unsere Sonne. Das Besondere: Sie pulsieren in einem Takt, der von ihrer Helligkeit abhängt. Aus dem Vergleich mit der von der Erde aus gemessenen Helligkeit konnten die Wissenschaftler auf die jeweilige Entfernung der Cepheiden schließen.

Um den Einfluss von Staub auf die Messwerte möglichst klein zu halten, untersuchten die Astronomen das Infrarotlicht der Sterne, das kaum absorbiert wird.

Quelle: Science


Der Klimawandel erhöht die Wahrscheinlichkeit auf Hitzewellen wie die der vergangenen Woche.

Zu diesem Ergebnis kommen Forscherinnen und Forscher des World Weather Attribution Project, das der Frage nachgeht, inwiefern die Hitzewelle mit dem menschengemachten Klimawandel zusammenhängt. Die Studie kombiniert eine lange Reihe von Beobachtungen und Messungen sowie zahlreiche Klimamodelle.

Die weiteren Ergebnisse: Ohne Klimawandel wäre die jüngste Hitzewelle an allen gemessenen Standorten 1,5 bis 3,0 Grad kühler ausgefallen. Und: Alle bislang in Europa untersuchten Hitzewellen – also auch etwa die von 2003 und die vom vergangenen Jahr –  sind nachweislich durch den menschengemachten Klimawandel heftiger und wahrscheinlicher geworden.

Nach Angaben der UNO könnte dieser Juli der weltweit heißeste seit Beginn der Wetteraufzeichnungen gewesen sein.

Quelle: World Weather Attributiuon Project


Zoologen haben in Ecuador elf neue Froscharten entdeckt.

… und "Entdecken" hat hier durchaus mit "Suchen" zu tun: Es handelt sich um echte Mini-Amphibien, die meisten nicht größer als zwei Zentimeter. Sie alle leben in den Anden, ihr Verbreitungsgebiet ist oft nicht größer als die Stadtfläche von Moskau.

Eine der neuen Arten, die im Fachmagazin ZooKeys beschrieben werden, ist der mehrfarbige Regenfrosch, der – wie der Name sagt – in zahlreichen Farben und Kombinationen vorkommt, weshalb man bisher davon ausging, dass es sich um mindestens zwei verschiedene Arten handelt.

Die jetzt erschienene Studie konnte zeigen, dass es sich genetisch betrachtet um eine Spezies handelt – wenn auch um eine sehr variable.

Quelle: ZooKeys

 

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