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StartseiteForschung aktuellMeldungen aus der Wissenschaft25.09.2019

Erforscht, entdeckt, entwickeltMeldungen aus der Wissenschaft

Yachten fördern die Bioinvasion +++ Ein Eis-Satellit erkennt auch Wassertiefen +++ Ein Gletscher am Mont Blanc droht einzustürzen +++ China öffnet ein Riesenteleskop für die internationale Forschung +++ Machu Picchu wurde bewusst auf einer Verwerfungszone erbaut +++ Das Mikrobiom von Schwämmen wird von Viren kontrolliert

von Lucian Haas

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Neues aus der Wissenschaft - Die Wissenschaftsmeldungen aus "Forschung aktuell" (Deutschlandradio)
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Yachten fördern die Bioinvasion

Und zwar im Mittelmeer. Dort haben Forscher bei einer Studie herausgefunden, dass 71 Prozent der untersuchten privaten Segelboote und Yachten an ihrem Rumpf ortsfremde Meeresorganismen tragen. Bei rund der Hälfte der Yachten fanden die Wissenschaftler Spezies, darunter Muscheln und Kleinkrebse, die im jeweiligen Hafen neu waren. Damit könnten die kleinen Schiffe auch potenziell invasive Arten verbreiten und somit erheblich dazu beitragen, sensible Ökosysteme im Mittelmeer zu gefährden, schreiben die Forscher im Journal of Applied Ecology. Bisher wurde die Rolle des Schiffsverkehrs für die sogenannte Bioinvasion vor allem mit Blick auf große Schiffe und Tanker diskutiert. Sie können ortsfremde Arten zum Beispiel im Ballastwasser rund um den Globus verschleppen. Für die Studie fuhren die Forscher in 25 Häfen rund ums Mittelmeer und nahmen Proben am Rumpf von 600 Segelbooten und Motoryachten.

Quelle: British Ecological Society


Ein Eis-Satellit erkennt auch Wassertiefen

Vor rund einem Jahr ist der IceSat der Nasa gestartet. Dieser Satellit vermisst mit einem Laser die Höhe und damit die Dicke von Meereis. Bei der Auswertung der Daten haben Forscher allerdings herausgefunden, dass IceSat auch auf einem unerwarteten Gebiet Nutzen bringt: Die Laserimpulse dringen bis zu 40 Meter tief in Wasser ein und bieten so die Möglichkeit, den Untergrund von Seen und von flachen Küstenpartien im Meer zu kartieren. Hierzu fehlten bislang global verwertbare Datensätze. Die Messungen von IceSat eigneten sich zum Beispiel dafür, das Wasservolumen von Binnengewässern genauer zu erfassen, schreiben Wissenschaftler im Geoforschungs-Magazin Eos. Ein bereits gestartetes Forschungsprojekt zielt darauf, auf Basis der IceSat-Daten die Topographie des Meeresgrunds um pazifische Inseln und Atolle genauer zu bestimmen. Das könnte helfen, Risiken von Sturmfluten und Tsunamis besser abzuschätzen.

Quelle: EOS


Ein Gletscher am Mont Blanc droht einzustürzen

Der heiße Sommer dieses Jahres hat dafür gesorgt, dass sich im Planpincieux-Gletscher auf der italienischen Seite des Mont Blanc große Risse gebildet haben. Die Gemeinde Courmayeur in der Region Aostatal ließ deshalb jetzt zwei kommunale Straßen sperren. Die Stiftung Fondazione Montagna sicura, die Umweltveränderungen im Hochgebirge rund um den Mont Blanc erforscht, warnte vor möglichen Eislawinen. Vom Gletscher könnten rund 250.000 Kubikmeter Eis abbrechen. Die Stiftung stufte diese Entwicklung als eine Folge des Klimawandels ein. Der Mont Blanc ist mit 4810 Metern der höchste Berg der Alpen und steht auf der Grenze zwischen Frankreich und Italien.

Quelle: dpa


China öffnet ein Riesenteleskop für die internationale Forschung

500 Meter Durchmesser hat die Empfangsschüssel des weltgrößten Radioteleskops namens FAST im Südwesten Chinas. Nach über fünf Jahren Bauzeit steht es kurz vor dem Regelbetrieb. Seit 2016 konnten Astronomen schon auf vorläufige Messdaten zugreifen – allerdings bisher nur Forscher aus China. Laut einem Bericht des Fachmagazins Nature sollen künftig aber auch Astronomen aus aller Welt Zugriff auf Beobachtungsdaten von FAST erhalten. Das hätten die Projektverantwortlichen angekündigt. Eine Besonderheit von FAST ist, dass es dank seiner großen Antennenfläche auch extrem schwache Radiosignale empfangen kann. Solche können zum Beispiel von den rotierenden Kernen toter Sterne, sogenannten Pulsaren, ausgesendet werden. Die meisten kleineren Radioteleskope sind dafür nicht empfindlich genug. Während der Testphase von FAST haben chinesische Astronomen bereits mehr als 100 neue Pulsare entdeckt.

Quelle: Nature


Machu Picchu wurde bewusst auf einer Verwerfungszone erbaut

Die Ruinenstadt der Inkas in Peru ist für ihre geheimnisvollen Bauten aus riesigen, exakt gehauenen  Felsblöcken berühmt. Brasilianische Forscher haben auf einer Geologentagung in den USA eine neue Theorie präsentiert, warum die Inkas einen eigentlich besonders abgelegenen Berg als Standort für Machu Picchu wählten: Dort befindet sich der Kreuzungspunkt von zwei geologischen Verwerfungen der Anden. Deshalb sei der felsige Grund von Natur aus schon viel stärker gebrochen. So hätten die Inkas viel leichter an das nötige Baumaterial für die Stadt gelangen können. Nach den Erkenntnissen der Forscher sollen auch andere bekannte Städte der Inkas über Kreuzungspunkten von Verwerfungszonen sitzen – darunter Ollantaytambo, Pisac und Cusco.

Quelle: Geological Society of America


Das Mikrobiom von Schwämmen wird von Viren kontrolliert

Schwämme im Ozean leben in einer ungewöhnlichen Symbiose – und zwar einer Dreiecksbeziehung mit Bakterien und Viren. Das haben Meeresforscher aus Kiel herausgefunden. Dass Schwämme von Bakterien besiedelt sind, ist schon länger bekannt. Sie helfen ihnen, Nahrung zu verdauen. Jetzt konnten die Forscher nachweisen: Im Mikrobiom der Schwämme sind stets auch spezifische Viren zu finden, und zwar sogenannte Bakteriophagen. Das sind Viren, die bestimmte Bakterien befallen. Zugleich wirken sie aber auch mäßigend auf das Immunsystem der Schwämme, so dass andere Bakterienarten nicht davon angegriffen werden. Das Ergebnis ist eine Symbiose zwischen vielzelligen Lebewesen, den Schwämmen, und einer Gemeinschaft von Mikroorganismen – wobei die Viren als dritter Partner eine wichtige regulierende Rolle spielen. Die zugehörige Studie ist in der Fachzeitschrift Cell Host and Microbe erschienen.

Quelle: Cell Host & Microbe

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