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StartseiteForschung aktuellMeldungen aus der Wissenschaft11.12.2019

Erforscht, entdeckt, entwickeltMeldungen aus der Wissenschaft

Der Sauerstoff kam spontan auf die Erde +++ Freundschaften verlängern das Leben von Makaken +++ Das erste voll-elektrische Verkehrsflugzeug hat seinen Jungfernflug absolviert +++ Auch Dinosaurier hatten Parasiten – in ihren Federn +++ Bildhafte Lebensmittel-Label helfen bei der Kalorien-Reduktion +++ Der Berliner Atomreaktor ist abgeschaltet +++ Die Deutschen leiden stärker an Depressionen

Von Lucian Haas

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Neues aus der Wissenschaft - Die Wissenschaftsmeldungen aus "Forschung aktuell" (Deutschlandradio)
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Der Sauerstoff kam spontan auf die Erde

Die Erdatmosphäre besteht heute zu 21 Prozent aus Sauerstoff. Das war aber nicht immer so. Vielmehr ist der Sauerstoffgehalt im Zuge der Erdgeschichte von nahezu null in mehreren Schüben angestiegen. Bisher wurde das mit einer komplexen Abfolge von biologischen und geologischen Prozessen erklärt. Doch jetzt zeigen britische Forscher der University of Leeds in einer Studie im Fachmagazin Science: Die Sauerstoffanreicherung lässt sich auch als weitgehend spontaner Prozess erklären, als Folge von Rückkopplungen zwischen den globalen Phosphor-, Kohlenstoff- und Sauerstoffkreisläufen. Die neue Theorie liefert nicht nur neue Einsichten in die Erdgeschichte. Sie ist auch für Planetenforscher interessant. Denn damit erhöht sich die Wahrscheinlichkeit, dass auch anderswo sauerstoffreiche Welten existieren könnten.

Quelle: Science


Freundschaften verlängern das Leben von Makaken

Das haben britische Forscher in einer Langzeitstudie auf der sogenannten Affeninsel vor der Küste von Puerto Rico herausgefunden. Sieben Jahre lang beobachteten sie dort das Leben von weiblichen Makaken und achteten dabei vor allem auf deren Sozialkontakte. Dabei zeigte sich: Jene Affen, die besonders enge Kontakte zu einzelnen anderen Makaken pflegten, was die Forscher als eine Art von Freundschaft interpretierten, hatten ein verringertes Sterberisiko. Statistisch ausgedrückt lag die errechnete Wahrscheinlichkeit, dass sie in einem bestimmten Jahr sterben, elf Prozent unter dem Durchschnitt der gesamten erfassten Makakenpopulation. Andere Faktoren wie die Summe an Sozialkontakten oder die Akzeptanz einzelner Tiere in der großen Gruppe zeigten viel geringere Auswirkungen auf die Lebenserwartung. Die Ergebnisse, in den Proceedings of the Royal Society B erschienen, decken sich mit einer wachsenden Zahl von Studien bei anderen Tieren und auch dem Menschen. Stets zeigt sich, dass Individuen mit stabilen Sozialkontakten in der Regel gesünder sind und sicherer leben als Einzelgänger.

Quelle: Proceedings of the Royal Society B


Das erste voll-elektrische Verkehrsflugzeug hat seinen Jungfernflug absolviert

Und zwar im kanadischen Vancouver. Vom dortigen Flughafen hob ein komplett auf Elektro-Antrieb umgerüstetes Wasserflugzeug vom Typ DHC 2 zu einem Testflug über den Fraser-Fluss ab. Am Steuer saß der Chef des auf lokale Kurzstreckenflüge spezialisierten  Luftfahrtunternehmens Harbour Air. Dieses plant bereits, seine gesamte Flugzeugflotte in Zukunft auf Elektro-Antrieb umzustellen. Die DHC 2 ist keine Neuentwicklung, sondern eine bereits ältere, einmotorige Propellermaschine. Allerdings wurde ihr Motor gegen einen Elektroantrieb ausgetauscht, den eine Firma namens magniX aus Seattle entwickelte. Als Stromspeicher dienen Lithium-Ionen-Akkus. Eine volle Ladung reicht für einen Flug über 160 Kilometer. Harbour Air verspricht sich von einem Umstieg auf E-Antriebe nicht nur eine bessere Klimabilanz und Einsparungen bei den Energiekosten. Das Unternehmen will auch die Wartungskosten seiner Flugzeuge stark reduzieren, da Elektromotoren mit ihren wenigen beweglichen Teilen nicht so reparaturanfällig sind wie Verbrennungsmotoren.

Quelle: AFP


Auch Dinosaurier hatten Parasiten – in ihren Federn

In Bernstein haben Forscher schon viele ungewöhnliche Funde von Insekten aus früheren Zeiten gemacht. Das jüngste Beispiel stammt aus Myanmar. Dort entdeckten chinesische Paläontologen in 100 Millionen Jahre alten, fossilen Harzstücken nicht nur Überreste des Gefieders von Flugsauriern. Vielmehr saßen darauf auch noch Laus-ähnliche Insekten, die sich offenbar von den Federn ernährten. Zumindest deuten die starken Mundwerkzeuge der Tierchen und erkennbare Fraßschäden an den konservierten Federn darauf hin. Nach Darstellung der Forscher im Fachmagazin Nature Communications handelt es sich um den bislang ältesten Beleg für federfressende Ekto-Parasiten. Auch heutige Vögel haben immer wieder mit gefräßigen Untermietern in ihrem Federkleid zu kämpfen. Die Parasiten können nicht nur die Federn stark schädigen, sondern auch das Immunsystem der befallenen Tiere schwächen. Ob das auch für die Flugsaurier schon galt, darüber lässt sich nur spekulieren.

Quelle: Nature Communications


Bildhafte Lebensmittel-Label helfen bei der Kalorien-Reduktion

Auf allen verpackten Lebensmitteln prangen heute Angaben zu Inhaltsstoffen und Nährwerten. Verschiedene Studien haben gezeigt, dass Verbraucher sich davon allerdings nur wenig beeinflussen lassen, was sie kaufen oder essen. Britische Forschende liefern im Journal of Epidemiology & Community Health einen Vorschlag, wie das besser gehen könnte. Demnach sollten auf den Labels kleine, bildhafte Symbole aufgedruckt werden, die anzeigen, welche physische Aktivität nötig wäre, um die zugeführte Energiemenge wieder zu verbrennen. Zum Beispiel: Dieser Softdrink enthält 138 Kilokalorien, die man mit 26 Minuten Gehen oder 13 Minuten Rennen wieder verbraucht. Die Studie fasst auch Ergebnisse von Experimenten zusammen, bei denen die Wirkung solcher konkreter Lebensmittel-Label auf Probanden getestet wurde. Dabei zeigte sich: Die entsprechenden Versuchsteilnehmer reduzierten ihre Energieaufnahme tatsächlich, wenn auch nur im Durchschnitt um knapp 80 Kilokalorien pro Mahlzeit. Nach Ansicht der Forscher sollte die Wirkung aber nicht unterschätzt werden. Selbst kleine Kalorienreduktionen können sich mit der Zeit sichtbar aufaddieren.

Quelle: Journal of Epidemiology & Community Health


Der Berliner Atomreaktor ist abgeschaltet

Punkt 14 Uhr hat das Helmholtz-Zentrum Berlin heute seinen Forschungsreaktor BER II endgültig heruntergefahren. Nach Angaben des Forschungszentrums hat das Aus vor allem finanzielle Gründe. Die Wartung der Anlage wurde immer aufwendiger. Somit gibt es jetzt nur noch in München eine vergleichbare Technik, mit der Uran zu wissenschaftlichen Zwecken gespalten werden kann. Alle anderen deutschen Forschungsreaktoren sind bereits stillgelegt. Der Berliner Reaktor wurde 1973 errichtet. Er diente vor allem als Quelle von Neutronen, um damit Materialproben durchleuchten zu können. Die Brennelemente des Reaktors sollen noch etwa drei Jahre vor Ort im Abklingbecken bleiben, bevor sie in das Zwischenlager Ahaus gebracht werden. Der weitere Rückbau wird laut Schätzungen mehr als zehn Jahre dauern und rund 240 Millionen Euro kosten.

Quelle: Agenturen


Die Deutschen leiden stärker an Depressionen

Zumindest im Vergleich mit der Bevölkerung anderer EU-Staaten. Das geht aus Daten der EU-Gesundheitsbefragung EHIS hervor, die das Robert-Koch-Institut heute veröffentlicht hat. Demnach kommt bei 9,2 Prozent der Befragten in Deutschland eine depressive Gefühlslage vor. Der EU-Durchschnitt liegt bei 6,6 Prozent. Mit dieser Quote steht Deutschland auf Platz zwei einer Rangliste von 25 EU-Ländern. Den höchsten Wert von zehn Prozent der Befragten mit depressiver Symptomatik gab es in Luxemburg. Nach Darstellung des Robert-Koch-Instituts sind die hohen Werte aber nicht zwangsläufig ein Alarmzeichen. Die Ergebnisse für Deutschland könnten auch davon beeinflusst sein, dass hierzulande verstärkt über das Thema Depression öffentlich diskutiert wird. Die Sensibilität dafür könnte deshalb höher sein als in anderen EU-Ländern. Darüber hinaus könnten die befragten Bundesbürger auch eher bereit gewesen seien, psychische Symptome offen im Fragebogen zu nennen. Für die Studie wurden in Deutschland zwischen November 2014 und Juli 2015 rund 25.000 Menschen ab 15 Jahren zufällig aus Registern der Einwohnermeldeämter ausgewählt. Rund ein Viertel von ihnen beantwortete den Fragebogen schriftlich oder online.

Quelle: dpa, RKI

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