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StartseiteForschung aktuellMeldungen aus der Wissenschaft10.01.2020

Erforscht, entdeckt, entwickeltMeldungen aus der Wissenschaft

In Indonesien wurden gleich mehrere neue Vogelarten entdeckt +++ Der Homo erectus kam später nach Südostasien als bislang vermutet +++ Ein Weichmacher verursacht Brüche in der DNA +++ 18-karätiges Gold gibt es jetzt auch in leicht +++ Graupapageien sind sehr hilfsbereit

Von Lucian Haas

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Neues aus der Wissenschaft - Die Wissenschaftsmeldungen aus "Forschung aktuell" (Deutschlandradio)
Neues aus der Wissenschaft – die Wissenschaftsmeldungen aus "Forschung aktuell" (Deutschlandradio)

In Indonesien wurden gleich mehrere neue Vogelarten entdeckt

Vögel zählen zu den am besten untersuchten Tiergruppen der Welt. Dennoch ist ein Forschungsteam jetzt auf drei kleinen Inseln vor der Ostküste Sulawesis gleich auf 15 bislang nicht beschriebene Singvogel-Arten und Unterarten gestoßen. Das Forschungsteam hatte sechs Wochen lang Vögel auf den indonesischen Inseln Taliabu, Peleng und Batudaka gesammelt. Die Inseln waren auch deshalb ausgewählt worden, weil sie bis dahin als biologisch relativ unerforscht galten. Weltweit sind etwa 11.000 Vogel-Arten bekannt. In den vergangenen 30 Jahren wurden nur rund 160 neue beschrieben. Schätzungen zufolge könnte es aber tausende weitere Spezies geben, die noch nicht wissenschaftlich erfasst sind. Die Studie ist im Fachmagazin Science erschienen.

Quelle: Science


Der Homo erectus kam später nach Südostasien als bislang vermutet

Darauf weist die Studie eines japanischen Forschungsteams im Fachmagazin Science hin. Demnach erreichten die ersten Vertreter der Frühmenschen die Region vor 1,3 bis 1,5 Millionen Jahren. Das ist etwa 300.000 Jahre später als bislang angenommen. Die Studie basiert auf Funden in der bedeutenden Ausgrabungsstätte Sangiran auf Java, in der bereits Überreste dutzender Hominiden gefunden wurden, darunter die ältesten menschlichen Fossilien Südostasiens. Die Chronologie der Funde war bislang allerdings nicht vollständig geklärt – insbesondere die Ankunft von Homo erectus. Die Forscher nutzten eine Kombination aus Spaltspuren- und Uran-Blei-Datierung, um das Alter bestimmter Minerale zwischen den Fundschichten zu bestimmen. Diese weisen auf die jüngere Besiedlung hin.

Quelle: Science 


Ein Weichmacher verursacht Brüche in der DNA

Forschende der Harvard Medical School haben in Experimenten mit Fadenwürmern beobachtet, wie der Kunststoff-Weichmacher DEHP die Ausbildung gesunder Eizellen und Embryonen stören kann. Den im Fachmagazin PLoS Genetics veröffentlichten Erkenntnissen nach kann DEHP auch in geringer Konzentration das Auftreten von Doppelstrangbrüchen der Erbsubstanz DNA fördern und die üblichen DNA-Reparaturmechanismen der Zelle behindern. So können gravierende Chromosomendefekte entstehen. DEHP steht für Diethylhexyl-Phtalat. Es ist ein von der Kunststoffindustrie weltweit noch häufig eingesetzter Weichmacher. Allerdings gilt er schon länger als reproduktionstoxisch, weshalb sein Einsatz in der EU speziellen Zulassungsregeln unterliegt. Aus Babyspielzeug ist DEHP seit Jahren verbannt. Die Wirkungsweise des Weichmachers in den Zellen war bisher aber nicht genauer bekannt. Nach Ansicht der Forscher sprechen die Ergebnisse ihrer Studie dafür, den Einsatz von DEHP als Weichmacher noch stärker zu beschränken.

Quelle: PLoS Genetics


18-karätiges Gold gibt es jetzt auch in leicht

Es besteht aus Gold, glänzt wie Gold, wiegt bei gleichem Volumen aber deutlich weniger: Forschende der ETH Zürich haben ein Verfahren entwickelt, mit dem sich Plastikwerkstoffe herstellen lassen, deren Goldgehalt einem traditionellen 18-Karat-Gold entspricht, die aber fünf bis zehn Mal leichter sind. 18 Karat Gold besteht normalerweise zu drei Vierteln aus dem Element Gold und einem Viertel aus Kupfer. Beim neuen Leichtgold ersetzen Proteinfasern und spezielle Polymere das Kupfer. Als eine Art Legierungspartner bilden sie eine Matrix, in die plättchenartige Gold-Nanokristalle eingebettet sind. Zudem enthält das Leichtgold viele winzige Lufteinschlüsse, die mit bloßem Auge nicht erkennbar sind. Als Anwendungsgebiete für das Plastikgold sehen die Forscher vor allem die Herstellung von wertvollen Gold-Uhren und Schmuck mit reduziertem Gewicht. Die Studie ist im Fachjournal Advanced Functional Materials erschienen.

Quelle: Advanced Functional Material


Zungenfett verstärkt Schlaf-Apnoe

Stark übergewichtige Menschen leiden häufig unter periodischen Atemaussetzern im Schlaf, einer sogenannten obstruktiven Schlaf-Apnoe. Das geht mit sehr lautem Schnarchen einher. Nehmen sie ab, verbessern sich die Symptome. Warum das so ist, war bisher allerdings unklar. US-Forscher haben jetzt eine mögliche Erklärung gefunden – an unerwarteter Stelle: Untersuchungen an 67 Patienten mit Schlaf-Apnoe zeigten, dass das Risiko vor allem von einer verfetteten Zunge ausgeht. Verloren die Probanden an Gewicht, reduzierte sich auch das im Zungenmuskel eingelagerte Fett. Dadurch weiteten sich die Atemwege und das Schlaf-Apnoe-Syndrom wurde schwächer. Laut den Analysen hatten auch andere verfettete Muskeln des Kau- und Atemapparates einen Einfluss auf die Schlaf-Apnoe – aber weitaus weniger als die Zunge. Die Erkenntnisse könnten neue Therapie-Ansätze zur gezielten Behandlung von Schlaf-Apnoe ermöglichen, so die Forscher. Die Studie ist im American Journal of Respiratory and Critical Care Medicine erschienen.

Quelle: American Journal of Respiratory and Critical Care Medicine


Graupapageien sind sehr hilfsbereit

Diese Vögel helfen Artgenossen, selbst wenn sie dafür keine Gegenleistung erhalten. Das haben Forschende des Max-Planck-Instituts für Ornithologie bei Verhaltensexperimenten beobachtet. Damit befänden sich die Papageien auf einem ähnlichen geistigen Niveau wie Rabenvögel, Delfine und Primaten. Im Laborversuch bekamen Graupapageien, einzeln in Plexiglas-Kammern gehalten, einige Metallmarken. Diese konnten sie gegen Futterrationen eintauschen. Manchmal war aber die Futteröffnung versperrt. Dann schoben die Tiere selbstlos ihre Marken benachbarten Vögeln zu, bei denen die Tauschöffnung offen war. Sie reagierten auch nicht mit Neid, wenn die anderen das erhaltene Futter verzehrten. Ein so soziales Verhalten ist allerdings nicht allen Papageien gleichermaßen eigen. Frühere Experimente hatten zum Beispiel gezeigt, dass Blaukopf-Aras sehr eigennützig sind. Die aktuelle Studie ist im Fachmagazin Current Biology erschienen.

Quelle: Current Biology

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