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StartseiteForschung aktuellMeldungen aus der Wissenschaft11.02.2020

Erforscht, entdeckt, entwickeltMeldungen aus der Wissenschaft

Die chinesische Regierung hat die Vorgaben zur Virus-Statistik geändert +++ Sensibelchen werden die Verlierer beim Klimawandel sein +++ Industrieabgase lagern sich seit über 200 Jahren auf dem Himalaja ab +++ Ein Algorithmus kann die Wirkung von Antidepressiva vorhersagen +++ Manche Spinnen locken ihre Beute mit Farbmustern +++ Städte dienen als Klima-Freiluftlabor +++ Donald Trump will die Ausgaben für die Wissenschaft kürzen +++

Von Michael Stang

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Neues aus der Wissenschaft - Die Wissenschaftsmeldungen aus "Forschung aktuell" (Deutschlandradio)
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Die chinesische Regierung hat die Vorgaben zur Virus-Statistik geändert

Bislang haben sich nachweislich mehr als 42.700 Menschen mit dem neuen Corona-Virus (2019-nCoV) infiziert. Allerdings zählt die chinesische Gesundheitskommission Menschen, bei denen das Virus mit einem Test nachgewiesen wurde, die aber keine Symptome der Lungenkrankheit zeigen, schon seit einigen Tagen nicht mehr mit. Dieses Vorgehen widerspricht der Definition der Weltgesundheitsorganisation (WHO). Ein Grund, warum die Statistik geändert wurde, nannte die chinesische Kommission nicht. Nach Angaben der WHO starben bislang mehr als 1.000 Infizierte. Außerhalb Chinas wurde das Virus bisher in 24 Ländern bei knapp 400 Personen nachgewiesen.

Quelle: WHO | Agenturen


Sensibelchen werden die Verlierer beim Klimawandel sein

Das geht aus einer Studie im Fachblatt NATURE Climate Change hervor. Dazu hatten Biologen und Paläontologen erstmals ihre Forschungsansätze kombiniert. Konkret hatte ein Team der Universität Erlangen-Nürnberg, des Museums für Naturkunde Berlin und des Alfred-Wegener-Instituts Daten von fossilen und heute lebenden Meeresorganismen verglichen, um vorherzusagen, welche Tiergruppen am stärksten vom Klimawandel bedroht sind. Demnach wird die Kombination von der Erwärmung der Meere bei gleichzeitigem Sauerstoffentzug besonders vielen Tiergruppen zusetzen. Sensibel reagieren dürften vor allem Fische, wohingegen Schnecken und Austern weniger bedroht sind. Organismen, die bei urgeschichtlichen Erwärmungsphasen besonders stark betroffen waren, werden demnach auch in Zukunft empfindlich auf derartige Veränderungen reagieren.

Quelle: NATURE Climate Change | FAU


Industrieabgase lagern sich seit über 200 Jahren auf dem Himalaja ab

Klimaforschende der Ohio State University haben Eisbohrkerne aus dem Dasuopu-Gletscher im Himalaja untersucht. Wie sie im Fachblatt PNAS darlegen, gab es auf dem "Dach der Welt" ab 1780 einen deutlichen Anstieg von Schwermetallen wie Cadmium, Nickel, Chrom oder auch Zink. Die Studienautoren führen dies überwiegend auf die Kohleverbrennung in England zurück, also auf den Beginn der Industrialisierung, als mit der Heizenergie von Kohle Dampfmaschinen angetrieben wurden. Demnach hinterließen Menschen schon vor über 200 Jahren deutliche Spuren in der Atmosphäre, die aufgrund vorherrschender Westwinde auch auf dem Himalaja abgelagert wurden.

Quelle: PNAS


Ein Algorithmus kann die Wirkung von Antidepressiva vorhersagen

Bei Menschen mit Depressionen liegt mitunter ein Mangel an Neurotransmittern im Gehirn vor. Eine Therapieform ist daher die Gabe von Antidepressiva, die den Hirnstoffwechsel in ein Gleichgewicht bringen. Ein internationales Forschungsteam hat mehr als 300 Patienten mit Depressionen untersucht, die entweder den Wirkstoff Sertralin oder ein Placebo erhielten. Ziel war zu untersuchen, ob und wie eine Künstliche Intelligenz bei der Suche nach einem Wirkstoff helfen kann. Im Fachblatt NATURE Biotechnology stellen die Forschenden einen Algorithmus vor, der die Gehirnaktivität depressiver Patienten analysiert. Demnach können bestimmte Muster in bestimmten Hirnwellen Hinweise liefern, ob eine medikamentöse Behandlung anschlägt oder nicht. Den Daten zufolge identifizierte der Algorithmus eine Signatur in den EEG-Daten, die Rückschlüsse auf eine Wirksamkeit für das Antidepressivum erlaubt, so die Studienautoren.

Quelle: NATURE Biotechnology


Manche Spinnen locken ihre Beute mit Farbmustern

Viele Tiere verbessern ihren Jagderfolg, indem sie ihre Beute anlocken. Ob dies auch bei Seidenspinnen der Fall ist, hat ein internationales Biologieteam untersucht. Dazu haben die Forschenden Pappspinnenmodelle mit verschiedenen Farben und Mustern kreiert und im Feldversuch geschaut, wie attraktiv bestimmte Kombinationen auf die Insekten wirken. Wie die Biologen im Fachblatt Functional Ecology schreiben, sind vor allem die Farbe "gelb" als auch das Muster "gelbes und schwarzes Mosaik" wesentlich, um die Beute in einer Umgebung mit hohem Umgebungslicht erfolgreich anzulocken.

Quelle: Functional Ecology


Städte dienen als Klima-Freiluftlabor

Zumindest war dies bei einem Projekt eines Geoforschungsteams der Iowa State University der Fall. Kernpunkt war die Frage, wie stark sich der Zyklus von Blütenpflanzen künftig verschieben wird, wenn sich das Klima weiter erwärmt. Dazu haben die Forschenden Satellitenbilder über 13 Jahre hinweg von 85 Großstädten in den USA nebst deren Umland untersucht. Den Daten zufolge begann die Blühsaison in den meisten Städten im Schnitt sechs Tage früher als in der Umgebung, heißt es im Fachblatt PNAS. Jedoch verschob sich der Saisonstart in der Stadt weniger stark als im Umland. Die Studienautoren folgern, dass Pflanzen zwar tendenziell früher blühen, jedoch wird die Verschiebung der Blühsaison ab einer bestimmten Durchschnittstemperatur langsamer als bislang angenommen voranschreiten.

Quelle: PNAS


Donald Trump will die Ausgaben für die Wissenschaft kürzen

US-Präsident Trump strebt für das kommende Haushaltsjahr, das im Oktober beginnt, ein Budget von mehr als 4,8 Billionen US-Dollar an. Soziale Leistungen und das Budget der Umweltbehörde EPA sollen gekürzt werden. Für die National Science Foundation (NSF) sind demnach Kürzungen von sechs Prozent vorgesehen, für die Nationalen Gesundheitsinstitute (NHI) sieben Prozent Kürzungen. Das Budget der wissenschaftlichen Behörde U.S. Geological Survey (USGS) soll demnach um 30 Prozent reduziert werden. Finanziell stärker gefördert werden sollen lediglich einige Bereiche wie Quanteninformatik und Künstliche Intelligenz. Das ursprünglich für 2030 vorgesehene Ziel eines ausgeglichenen US-Haushalts wird auf 2035 verschoben.

Quelle: Sciencemag.org                

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