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Ermittlungen gegen Fußball-WeltverbandFIFA drängt in die Opferrolle

FIFA-Präsident Sepp Blatter beim UEFA-Kongress im März 2015 (dpa / picture-alliance / Georg Hochmuth)
FIFA-Präsident Sepp Blatter beim UEFA-Kongress im März 2015 (dpa / picture-alliance / Georg Hochmuth)

Die Schweizer Polizei hat im Auftrag der US-Justiz sieben Funktionäre der FIFA festgenommen - darunter zwei Vizepräsidenten. Der Fußball-Weltverband sieht sich sich als Geschädigten und befürwortet öffentlich die Ermittlungen. Aus Deutschland kommt der Ruf nach einer Absage des FIFA-Kongresses, bei dem Sepp Blatter wohl zum fünften Mal Verbandspräsident würde.

Die schweizerische Polizei nahm am Mittwochmorgen im noblen Züricher Hotel "Baur au Lac" sechs Funktionäre fest. Später kam ein siebter hinzu. Die New York Times veröffentlichte bei Twitter ein Foto, auf dem zu sehen ist, wie Bedienstete des Hotels versuchen, mit einem Bettlaken einer der Verhaftungen etwas Diskretion zu verleihen. Der Fußball-Weltverband steht seit Jahren in der Kritik, vor allem wird ihm in vielen Fällen Korruption vorgeworfen.

Anklagen in den USA gegen hochrangige FIFA-Funktionäre


Das Bundesamt für Justiz der Schweiz (BJ) handelte im Auftrag der US-Justiz. Die sieben festgenommenen Personen waren teilweise hochprominente Funktionäre des skandalumwitterten Fußball-Weltverbands, das BJ veröffentlichte am Vormittag ihre Namen: Jeffrey Webb ist Vizepräsident der FIFA und Präsident des Nord- und Zentralamerikanischen und Karibischen Fußballverbandes (vom generellen Status vergleichbar mit der UEFA). Eugenio Figueredo ist ebenfalls ein Vizepräsident der FIFA und auch Vizepräsident des Südamerikanischen Fußballverbandes (CONMEBOL). Die fünf weiteren Verhafteten sind:


  • Eduardo Li (Präsident des Fußballverbandes von Costa Rica)
  • José Maria Marin (Exekutivmitglied des südamerikanischen Fußballverbandes)
  • Julio Rocha (ehem. Präsident des Fußballverbandes von Nicaragua)
  • Costas Takkas (ehem. Generalsekretär des Fußballverbandes der Cayman Island)
  • Rafael Esquivel (Präsident des venezolanischen Fußballverbandes)

FIFA-Vizepräsident Jeffrey Webb beim FIFA-Kongress 2012 in Budapest (dpa / picture-alliance / Szilard Koszticsak)FIFA-Vizepräsident Jeffrey Webb beim FIFA-Kongress 2012 in Budapest (dpa / picture-alliance / Szilard Koszticsak)

Das FBI veröffentlichte eine Erklärung im Internet, nach der insgesamt 14 Menschen wegen organisierter Kriminalität, Geldwäsche und Korruption in den USA angeklagt sind. Das Bundesamt für Justiz bestätigte, dass die Beschuldigten in Auslieferungshaft genommen wurden. Ihnen droht die Auslieferung in die USA, wogegen sich bislang sechs von ihnen widersetzen. Nur eine von sieben Person habe in der ersten Anhörung Bereitschaft zu einer vereinfachten Auslieferung signalisiert, teilte das Schweizer Justizministerium am Mittwoch mit. Die Schweizer Behörde werde die USA nun auffordern, für die übrigen sechs Personen innerhalb von 40 Tagen ein formelles Auslieferungsersuchen zu stellen.

Verdacht der Bestechlichkeit

Die Festgenommenen werden von den US-Behörden verdächtigt, Bestechungsgelder in Höhe von mehr als 100 Millionen Dollar angenommen zu haben. Das Geld sei von Sportmedien- und Sportvermarktungsunternehmen gezahlt worden. Als Gegenleistung hätten diese Unternehmen Medien-, Vermarktungs- und Sponsoringrechte an Fußball-Turnieren in den USA und in Lateinamerika erhalten.

"Sie haben dem Fußball großen Schaden zugefügt, um ihre eigenen Interessen durchzusetzen und sich selbst zu bereichern", sagte US-Justizministerin Loretta Lynch, auf deren Amtshilfegesuch die Schweizer Polizei gehandelt hatte und die zudem Schmiergeldzahlungen bei der WM-Vergabe an Südafrika (2010) andeutete: "Wir werden diesen Praktiken und der Korruption ein Ende setzen und die Schuldigen zur Rechenschaft ziehen." Lynch zufolge haben vier Fifa-Funktionäre und zwei Sportmanager sich bereits schuldig bekannt, berichtet Marcus Pindur im DLF.

Pressechef: "Blatter tanzt nicht vor Freude"

Die FIFA versuchte auf einer Pressekonferenz am Vormittag, die Affäre kleinzureden. Mediendirektor Walter de Gregorio sagte, Blatter "tanze nicht vor Freude in seinem Büro, aber es geht ihm gut". Der Pressechef des Verbandes versuchte, seinen Arbeitgeber gleichermaßen als Opfer und Aufklärer darzustellen. Er wertete die Ereignisse als Erfolg für den Fußball und als Beleg für den Aufklärungswillen des FIFA-Chefs. "Es ist gut, was heute passiert ist. Es tut weh, aber wir werden den Weg weiter gehen."

De Gregorio erinnerte daran, dass die FIFA im November 2014 Strafanzeige bei der Staatsanwaltschaft Bern "gegen Einzelpersonen" gestellt habe. Die nun laufenden Ermittlungen nannte er eine Folge dieses Vorgangs. In einer Mitteilung sicherte die FIFA "als Geschädigte vollständige Kooperation" zu.

FIFA: WM-Vergabe 2018 und 2022 bleibt, wie sie ist

Mit den Verhaftungen rückt die viel kritisierte Vergabe der Fußball-Weltmeisterschaften 2018 und 2022 nach Russland und Katar in den Mittelpunkt. Auch sie ist Teil der Ermittlungen. Die Vergabe nahm das Exekutivkomitee der FIFA vor, das damals 22 Mitglieder umfasste - darunter Franz Beckenbauer als Vertreter Deutschlands, Präsident Sepp Blatter sowie zahlreiche mit Korruptionsvorwürfen konfrontierte Funktionäre wir Ricardo Teixeira (Brasilien), Mohammed Bin Hammam (Katar), Chuck Blazer (USA) oder Jack Warner (Trinidad und Tobago). Blazer wurde schon zuvor in den USA angeklagt, vermied aber durch eine Zusammenarbeit mit dem FBI eine Gefängnisstrafe. Warner steht ebenfalls auf der Liste des FBI.

Die FIFA versuchte vorgeblich, mit der Einrichtung einer Ethikkommission und dem Engagement des früheren FBI-Direktors Michael J. Garcia, Aufklärung zu betreiben. Im Anschluss sprach sich der Verband erwartungsgemäß von allen Korruptionsvorwürfen frei. Der Widerspruch des Sonderermittlers Garcia blieb zwecklos.

Blatter vor der Wiederwahl

Morgen beginnt in der Zürich der FIFA-Kongress, am Freitag will sich Sepp Blatter erneut zum Präsidenten wählen lassen - es wäre seine fünfte Amtszeit. "Sepp Blatter - obgleich offensichtlich persönlich nicht betroffen - sollte dem Fußball einen großen Dienst erweisen. So kann es nicht weitergehen", sagte Reinhard Rauball, Präsident des deutschen Ligaverbandes DFL: "Sollten sich die Vorwürfe als richtig herausstellen, würde dies die FIFA und den gesamten Weltfußball in den Grundfesten erschüttern." Er verlangte außerdem eine Aussetzung des Kongresses.

Laut FIFA wird die Wahl aber wie geplant durchgeführt. Es gab mal mehrere Gegenkandidaten, die für eine Veränderung des Verbandes geworben haben. Nach den Rückzügen von Michael van Praag und Luis Figo ist aber nur noch Prinz Ali Bin Al Hussein aus Jordanien übrig geblieben. Ihm werden jedoch kaum Chancen eingeräumt.

(nch/bor)

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