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Erneuerbare EnergienWindkraftbranche beklagt hohe Hürden

Nun lädt Wirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) zum Gipfel, um über den Ausbau der Windkraft zu debattieren. Die Branche steckt dabei in einer Krise: Nur ein Zehntel der geplanten Leistung konnte im ersten Halbjahr 2019 realisiert werden - und die Hürden für neue Windanlagen sind hoch.

Von Theo Geers | 05.09.2019

DEU/Deutschland/Brandenburg/Wormlage, 07.01.2014: Windenergie in Brandenburg; Windraeder stehen auf einem Feld bei Wormlage in der brandenburgischen Lausitz vor dem vom Sonnenuntergang rot gefaerbten Abendhimmel. // Wind engines on a field near Wormlage in Brandenburg. // **Foto: Andreas Franke** | Verwendung weltweit
Vor dem Windgipfel: Branche wünscht sich bessere Regelungen (dpa-Zentralbild)
Die hausgemachte Krise beim Ausbau der Windkraft ruft Wirtschaftsminister Peter Altmaier auf den Plan. "Endlich" heißt es dazu aus den Branchen- und Umweltverbänden, die seit Monaten alarmierende Zahlen verbreiten. Tausende Mitarbeiter haben in diesem und im letzten Jahr schon ihre Jobs verloren, warnt die IG Metall, 2017 waren es noch 135.000. Und die Gründe für die Jobverluste, die größer sind als etwa im Kohlebergbau, liegen auf der Hand:
"Im ersten Halbjahr 2019 sind 90 Windenergieanlagen mit 300 MW Leistung errichtet worden, das ist ein Zehntel des momentanen jährlichen Ausbauziels – das liegt bei 3.675 MW", rechnet Katharina Reiche vor.
"MW" steht für Megawatt. Die Hauptgeschäftsführerin des Stadtwerkeverbandes VKU kommt gleich auf den Punkt. Wenn nur ein Zehntel dessen, was gebraucht wird, gebaut wird und die Ausbauziele um satte 90 Prozent verfehlt werden, dann gibt es auch keine Energiewende und auch keinen Kohleausstieg. Das ist sicher. Denn Kohlekraftwerke können und sollen in den kommenden Jahren immer nur in dem Maße vom Netz gehen, wie die erneuerbaren Energien aufwachsen. 65 Prozent erneuerbare Energien sollen es bis 2030 im Stromnetz sein. "Und hier spielt Wind eben die Hauptrolle."
Ausbau der Windenergie stockt
Weshalb der Ausbau der Windkraft wieder angekurbelt werden muss. Doch derzeit landen viele Projekte im Kiesbett - entsprechend groß der Frust: "Man hängt irgendwie im Nirgendwo und wartet auf Gerichtssprüche", so beschreibt Simon Schäfer-Stradowski vom Institut für Klimaschutz, Energie und Mobilität die Lage vieler Investoren, die Windparks gerne errichten würden, dies aber häufig nicht können. Und wie so etwas läuft oder bei einer Genehmigungsbehörde eben nicht läuft, beschreibt Katharina Reiche:
"Bei einem Windpark in Hessen reichte der Projektierer Anfang 2017 einen Antrag ein. Die Vollständigkeit des Antrags wurde nie erklärt, die Prüfung immer wieder verzögert. Nach 1,5 Jahren wurde eine Umweltverträglichkeitsprüfung angeordnet, mittlerweile war die Anlagenkonfiguration, es musste neu geplant werden und das Unternehmen hat jetzt wohl Ende des Jahres die Anträge fertig für einen neuen Antrag."
Solche Verfahren zu beschleunigen ist denn auch eine von zehn Forderungen, die ein breites Bündnis von Greenpeace über dem Bundesverband Windenergie bis zum Maschinenbauverband VDMA vor dem Windgipfel aufgestellt hat. An erste Stelle steht jedoch, mehr Flächen für Windturbinen auszuweisen, so Katharine Reiche:
"Flächenpotenziale dürfen nicht durch überzogene Abstandsforderungen unterlaufen werden. Und deswegen plädieren wir dafür, dass der Bund mit den Ländern eine solche Flächenzielfeststellung vornimmt."
Mit anderen Worten: Pauschale Abstandsregeln wie in Bayern - dort muss zehnmal so viel Abstand zur Wohnbebauung gehalten werden wie die Anlage hoch ist - müssen fallen. Abstandsregeln zu Funkfeuern der Flugsicherung sollen von 15 Kilometer auf 10 Kilometer verkleinert werden, so wie in anderen Ländern.
Branche fordert flexiblere Regelungen
Auch soll der Austausch alter Windturbinen an bestehenden Standorten leichter werden. Im letzten Jahr etwa wurden 200 kleinere alte Turbinen durch 100 neue größere ersetzt. Für Katherina Reiche eine Rechnung, die aufgeht:
"Die 200 alten Anlagen haben 250 MW Leistung gehabt, die neuen 363 MW. Das heißt, die Hälfte der Anlagen bringt 150 Prozent mehr Leistung auf bestehender Fläche!"
Doch die schöne neue Welt der Windkraft steht und fällt mit der Akzeptanz durch die betroffenen Bürger. Hier müssen die Windanlagenbauer besser werden und das wissen sie auch. Ein Beitrag: Kommunen, in denen neue Windturbinen entstehen, sollen finanziell am Ertrag der Anlagen beteiligt werden.