Stiftung Kunstfonds
Erneut Jurymitglieder "entsetzt" über Einmischung Weimers: Kulturstaatsminister weist Vorwürfe zurück

Nach dem erneuten Protest aus der Kulturszene gegen Staatsminister Weimer hat dessen Behörde den Vorwurf der Einmischung zurückgewiesen.

    Kulturstaatsminister Wolfram Weimer (parteilos) spricht in einer Podiumsdiskussion in der Deutschen Nationalbibliothek Leipzig über Medien, Demokratie und Geschichte.
    Wolfram Weimer. (Archivbild) (picture alliance / dpa / Jan Woitas)
    Auf Anfrage von Deutschlandfunk Kultur erklärte seine Behörde zu den Klagen aus dem Umfeld der Stiftung Kunstfonds, die Jury werde durch dessen Stiftungsrat in eigener Verantwortung benannt, und sie übe ihre Tätigkeit frei und unabhängig aus. Eine Überprüfung von Mitgliedern sei nie erfolgt und werde auch künftig nicht erfolgen. Jurymitglied Rupert Pfab sagte dazu ebenfalls im Programm von Deutschlandfunk Kultur, diese Aussage beruhige ihn ein bisschen, aber nicht wirklich. Es sei wichtig, dass die Kultur jetzt zusammenstehe.
    In einer Erklärung von mehr als 30 Unterzeichnern heißt es: "Wir, aktuelle und ehemalige Jurymitglieder der Stiftung Kunstfonds, möchten unser Entsetzen über die politische Einmischung des Beauftragten für Kultur und Medien zum Ausdruck bringen." Mit großer Besorgnis nehme man zunehmend Angriffe und Einschüchterungsversuche der Politik auf die Meinungs- und Kunstfreiheit wahr. Hintergrund sind Berichte, wonach Weimers Behörde Listen aller Jurymitglieder in den diversen Kunstinstitutionen angefordert hat. Meist sind Jurys für die Auswahl von Künstlern zuständig, die Fördergeld oder Preise bekommen sollen.
    In der Kunst- und Kulturszene hat sich unter dem Kulturstaatsminister im Kabinett von Bundeskanzler Merz offenbar ein Klima der Angst und Selbstzensur entwickelt. Weimer ließ zuletzt drei linke Buchläden wegen "verfassungsschutzrelevanter Erkenntnisse" von der Liste des Deutschen Buchhandlungspreises streichen und überging dabei die Auswahl einer Jury. Zudem wurde bekannt, dass auch die Auswahl der Jury beim Hauptstadtkulturfonds in einem Fall revidiert worden war.
    Diese Nachricht wurde am 15.04.2026 im Programm Deutschlandfunk gesendet.