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StartseiteKalenderblattAls der Startschuss für das Internet fiel29.10.2019

Erste Nachricht im Arpanet vor 50 JahrenAls der Startschuss für das Internet fiel

Die erste Nachricht, die am 29. Oktober 1969 über die ersten Teilabschnitt des Arpanet, dem Vorläufer des Internet ging, bestand aus nur zwei Buchstaben: "lo". Und doch war die verunglückte Mitteilung aus dem Computerlabor der UCLA in Kalifornien der Startschuss für das weltumspannende Netz der Netze.

Von Manfred Kloiber

Eine Grafik über die Einrichtungen, die im Jahr 1983 über das sogenannte Arpanet verbunden waren. Es gilt als Vorläufer des Internets. (imago stock&people)
Eine Grafik über die Einrichtungen, die im Jahr 1983 über das sogenannte Arpanet verbunden waren. Es gilt als Vorläufer des Internets. (imago stock&people)
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"Es war ein ganz normaler Tag"

Im Computer-Labor der University of California in Los Angeles, kurz UCLA, hingegen läuft alles seinen gewohnten Gang. Auch am 29. Oktober.  

"Es war ein ganz normaler Tag. Wir haben einfach nur den zweiten Knotenrechner installiert für das Arpanet, das später zum Internet wurde." 

Erinnert sich Leonard Kleinrock, damals Professor für Computernetze an der UCLA. Er leitete dort den Aufbau des Arpanets. 

Leonard Kleinrock, a computer science professor who on October 29, 1969 headed a team that sent the first message over the ARPANET (AFP PHOTO / Robyn Beck)Leonard Kleinrock hat mit seinen Studenten 1969 eine erste Nachricht über den Vorgänger des Internets gesendet (AFP PHOTO / Robyn Beck)
"Arpa als Forschungsorganisation des amerikanischen Militärs hat Projekte in den ganzen USA finanziert. Und so entstanden Technologie-Schwerpunkte, zum Beispiel Computergrafik an der Universität von Utah oder Höchstleistungsrechnen in Illinois. Es sollten alle Forschungseinrichtungen miteinander verbunden werden, damit Rechneranlagen und Computerprogramme geteilt werden konnten." 

Es sollte ein landesweites Netzwerk für die Wissenschaft werden, damit damals noch unsagbar teure Rechnerkapazitäten unabhängig vom Standort genutzt werden konnten. Die Wissenschaftler tüftelten ein neues Verfahren aus, um dafür die kostspieligen Telefonleitungen optimal nutzen zu können – die sogenannte Paket-Vermittlung. Statt für jede einzelne Anwendung eine teure Verbindungsleitung schalten zu müssen, werden dabei die Daten in separaten Paketen über gemeinsam genutzte Leitungen verschickt. 

Kleinrock und seine Kollegen hatten fieberhaft gearbeitet

"Mit der Paket-Vermittlung kann man das Ganze teilen. Und dabei auch die Pakete einzelnen über andere Wege weiterleiten, was einfach die Sache viel stabiler macht. Und das ist eine Technologie, die sich inzwischen durchgesetzt hat in dem Sinne, dass alle Leitungen heute eigentlich über Paketdienste laufen."

Erklärt Anja Feldmann vom Max-Planck-Institut für Informatik in Saarbrücken die Vorteile der Paket-Vermittlung. Diese Technik ist auch heute noch die grundlegende Basis für das Internet wie wir es kennen. An solchen Paket-Vermittlungsrechnern - im Internet heißen sie Router - hatten Kleinrock und seine Kollegen fieberhaft gearbeitet, um sie am Abend des 29. Oktober 1969 auszuprobieren.  

Kleinrock steht hinter Charly, seinem Studenten an der Eingabetastatur. Um 22.30 Uhr versuchen sie, sich von Los Angeles aus auf einem Computer an der über 500 Kilometer entfernten Universität in Stanford einzuloggen.

Eine starke Botschaft

"Stellen Sie sich diese Ironie der Geschichte vor: Wir nutzten das Telefonsystem, um es am Ende überflüssig zu machen. Los ging's. Charly tippte das L und am anderen Ende der Telefonleitung war Bill Duval dran und sagte, hab das L ..." 

"Got the L! Typed the O. Got the O? Yup, got the O! Typed a G. Got the G? Crash!!!!" 

"Die allererste Botschaft über das Internet war also ‚lo‘ wie in ‚lo and behold‘, oder ‚Siehe da!‘. Wir hätten uns keine stärkere Botschaft wünschen können als dieses einfache ‚lo‘."

Dieses verunglückte "lo" war der Startschuss für das Internet. In den 1970er- und 1980er-Jahren wurden immer mehr Computer – vor allem an Forschungseinrichtungen - in das Netz integriert. Und neben dem Arpanet entstanden weitere Datennetze, etwa das Bitnet oder das Deutsche Forschungsnetz. Sie alle wurden dank der universellen Paket-Vermittlungstechnik nach und nach zum weltumspannenden Internet verschmolzen. So entstand das Netz der Netze mit heute schätzungsweise vier Milliarden Nutzern weltweit.

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